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Kohleabbau in Australien : „Fast jeder Kumpel besitzt ein Boot“

  • -Aktualisiert am

Protest gegen den Bergbau: Eine Demonstrantin bei der Dem „New South Wales brennt, Syndey erstickt“ in Sydney. Bild: dpa

Das Hunter Valley ist das Ruhrgebiet Australiens. Hier leben die Menschen von der Kohle. Viele hat das „schwarze Gold“ reich gemacht. Doch auch sie spüren die Folgen des Klimawandels – und fragen sich, wie es weitergehen soll.

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          In der Graslandschaft klafft ein gewaltiges Loch. Der Riss ist menschengemacht, auf der Felswand gegenüber wechseln sich braune, graue und schwarze Farbschattierungen ab. „Die schwarzen Linien sind die Kohleflöze“, sagt ein Kumpel, der sich nur mit dem Namen Tom vorstellt. Er blickt durch seine Sonnenbrille auf die kilometerweit entfernte andere Seite. Die überdimensionierten Bagger und Kipplader wirken in der Mine wie Miniaturen in einem Spielzeugland. Die Bagger schaufeln Erde und Gestein auf die Ladeflächen. Motorengeräusche dröhnen herüber. „Ich wundere mich immer noch, wie groß diese Maschinen sind“, sagt Tom. Der großgewachsene Australier würde locker in ein einziges Rad dieser Ungetüme hineinpassen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Kohlemine liegt etwa fünf Kilometer außerhalb der ostaustralischen Stadt Singleton. Sie ist eine der wenigen Minen, die sich nicht in der Hand eines multinationalen Konzerns wie Glencore oder BHP befinden. Sie ist im Besitz einer australischen Familie und wird noch über Jahrzehnte Kohle produzieren können. „Wir haben die Pacht noch einmal um 20 Jahre verlängert“, sagt Tom. Als Bergmann hat er einen begehrten Job. Die Gehälter im Bergbau sind oft doppelt so hoch wie im nationalen Durchschnitt. Tom identifiziert in der Mine die Art von Kohle, die je nach Wunsch des jeweiligen Kunden geliefert werden soll: Sie produziert sowohl die einfache Kohle, die in Kraftwerken benötigt wird, um Strom zu erzeugen, als auch hochwertigere Kokskohle zur Stahlherstellung.

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