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König Sihanouk : Vater der kambodschanischen Nation

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Bild: dpa

Über Jahrzehnte bestimmte Norodom Sihanouk als Prinz und König das Schicksal Kambodschas mit. Am Montag ist er zwei Wochen vor seinem 90. Geburtstag gestorben.

          Wer den „Prinzen“ bei seinen öffentlichen Auftritten beobachten konnte, war leicht dazu verleitet, ihn zu unterschätzen. Der kleine, extrovertierte Mann zeigte eher schauspielerisches als königliches Gebaren. Die elegante Frau an seiner Seite, einen kleinen Hund auf dem Arm, hätte man ihn für einen Lebemann aus den vergangenen Zeiten Indochinas halten können, der sich in Selbstdarstellung genügte.

          Norodom Sihanouk war aber ein leidenschaftlicher Politiker, der in wechselnden Rollen das Schicksal Kambodschas über Jahrzehnten mitbestimmt hat. Schon die französischen Kolonialherrscher hatten Sihanouk unterschätzt. Sie hatten den jungen Sihanouk, der in Saigon und Paris in Französisch ausgebildet worden war, als Nachfolger seines Großvaters, König Sisowath, zum König Kambodschas bestimmt. Schon im Alter von 19 Jahren wurde Sihanouk zum ersten Mal als König Kambodschas inthronisiert. Doch der junge König, der Marionette sein sollte, wurde Unabhängigkeitskämpfer. Er verzichtete im Jahr 1955 auf die Königswürde und stürzte sich in die Politik. Der jetzt wieder als „Prinz“ bekannte Sihanouk begründete eine Linkspartei und war in der Regierung als Premierminister und Außenminister tätig. Im Jahr 1960 wurde er zum Staatsoberhaupt gewählt, die Königswürde schlug er weiter aus.

          Prinz Sihanouk brach die Beziehungen zu Washington ab

          Sihanouk versuchte im Indochina-Konflikt offiziell die Neutralität Kambodschas zu wahren, und bekämpfte die kommunistischen Roten Khmer, die sich im Hinterland Kambodschas ausbreiteten. Mehr und mehr neigte der Prinz aber zum kommunistischen Nordvietnam und zur Volksrepublik China. Über den „Ho Chin Minh- Pfad“, der auch durch Kambodscha lief, wurden die Vietcong mit Nachschub versorgt. Das konnten die Vereinigten Staaten nicht hinnehmen. Sie bombardierten Teile Kambodschas und Prinz Sihanouk brach die Beziehungen zu Washington ab.

          Im Jahr 1970 stürzte ein von Amerika unterstützter Putsch des Generals Lon Nol den Prinzen. Sihanouk fand Zuflucht in Peking. Die chinesische Führung unter Mao Tse-tung zeigte sich als großzügiger Gastgeber, dem Prinzen wurde eine Residenz in Peking zur Verfügung gestellt, in der er Hof halten konnte, während in China die Kulturrevolution tobte. Bei offiziellen Anlässen war er Ehrengast und beliebtes Vorführbeispiel internationaler kommunistischer Solidarität.

          Die Roten Khmer setzten den Prinzen als Staatsoberhaupt ein

          Er unterbrach sein Exil-Dasein in Peking nur durch Besuche im kommunistischen Nordkorea, das ebenfalls dem kambodschanischen Prinzen gerne Gastfreundschaft gewährte.
          In seinem chinesischen Exil gründete er eine Nationale Einheitsfront und eine Exilregierung, an der auch die Roten Khmer beteiligt waren. Sihanouks Guerillas kämpften mit den Roten Khmer gegen die Militärregierung Lon Nols. Im Jahr 1975 vertrieben die Roten Khmer Lon Nol und übernahmen die Macht in Kambodscha. Den Prinzen Sihanouk setzten die Roten Khmer zunächst als Staatsoberhaupt ein.

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