https://www.faz.net/-gpf-acjwh

Deutungshoheit zum Klimawandel : US-Abgeordneter: Die Mondumlaufbahn ändern fürs Klima?

  • Aktualisiert am

Das von der amerikanischen Wetterbehörde NOAA veröffentlichte Foto vom 15. Januar 2017 zeigt den Mond über der Erde. Die Aufnahme hat der Satellit GOES-16 gemacht. Bild: NOAA/NASA/dpa

Lässt sich der Klimawandel durch eine Änderung der Umlaufbahn von Mond oder Erde bekämpfen? Das fragt der amerikanische Kongressabgeordnete Louie Gohmert. Kurios? Nein, Kalkül.

          2 Min.

          Eine ungewöhnliche Idee im Kampf gegen den Klimawandel: Der republikanische Kongressabgeordnete Louie Gohmert hat bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus die Frage aufgeworfen, ob es möglich sei, die Umlaufbahn des Mondes oder der Erde zu ändern, um dem Klimawandel zu begegnen. Das hätte „offensichtlich tiefgreifende Effekte auf unser Klima“, wird Gohmert in einem Bericht des Guardian zitiert.

          Kurios mutet dabei nicht nur die Frage selbst an, sondern auch, an wen Gohmert diese richtete: Adressiert war sie an Jennifer Eberlien, die stellvertretende Leiterin der Nationalen Forstbehörde (National Forest Service), deren schwerste Ausrüstung aus großen Kettensägen bestehe, wie die Washington Post süffisant anmerkte.

          Ein früherer NASA-Direktor habe ihm gesagt, dass sich die Umlaufbahnen von Mond und Erde änderten, zudem wisse man von nennenswerten Sonnenaktivitäten, führte Gohmert während einer Anhörung des Komitees für natürliche Ressourcen im Repräsentantenhaus am Dienstag aus. Die amerikanische Forstbehörde und das Amt für Landmanagement (Bureau of Land Management; BLM) engagierten sich stark in Fragen des Klimawandels, leitete Gohmert seine Frage ein. „Gibt es etwas, das die Nationale Forstbehörde oder das BLM tun können, um die Umlaufbahn des Mondes oder die Umlaufbahn der Erde um die Sonne zu verändern? Das hätte offensichtlich einen tiefgreifenden Effekt auf unser Klima“, so der texanische Abgeordnete.

          Der republikanische Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses, Louie Gohmert
          Der republikanische Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses, Louie Gohmert : Bild: AFP

          Behördenleiterin bewahrt die Fassung

          Eberlien schien von der Frage überrascht: „Wir kommen noch einmal auf Sie zu, Herr Gohmert“, antwortete die Vertreterin der Behörde. Hinter der kurios anmutenden Frage steckt jedoch ein strategischer Gedanke. Gohmert geht es dabei weniger darum, zu erfahren, ob die Nationale Forstbehörde diese Möglichkeiten hat. Vielmehr will der Abgeordnete wohl suggerieren, dass es sich beim Klimawandel um ein durch natürliche Umstände hervorgerufenes Phänomen handele und nicht in allererster Linie um ein von Menschen verursachtes.

          Tatsächlich geht die NASA in einem Faktencheck auf ihrer Homepage der Frage nach, inwiefern die Erdumlaufbahn – konkret die sogenannten Milanković-Zyklen – das Klima auf unserem Planeten beeinflusst und ob diese die Erderwärmung seit der industriellen Revolution erklären können (können sie nicht). „Wissenschaftler sind sicher, dass der aktuelle globale Temperaturanstieg in erster Linie auf menschliche Aktivitäten – insbesondere auf die direkte Emission von Kohlenstoffdioxid in die Erdatmosphäre durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe – zurückgeht“, heißt es dort.

          Auch die sich verändernde Sonnenaktivität, die Gohmert als mögliche Ursache für den Klimawandel andeutete, schließt die NASA aus. Die Erwärmung in den zurückliegenden Dekaden sei zu deutlich und der Anstieg zu schnell, um diese mit der Sonnenaktivität zu erklären.

          Vereinigte Staaten, Irvine: Ein Feuerwehrmann im Einsatz beim Silverado Fire 2020 in Kalifornien. Die zunehmenden Brände in Amerika werden vielfach auf extremes Wetter und die Folgen des Klimawandels zurückgeführt.
          Vereinigte Staaten, Irvine: Ein Feuerwehrmann im Einsatz beim Silverado Fire 2020 in Kalifornien. Die zunehmenden Brände in Amerika werden vielfach auf extremes Wetter und die Folgen des Klimawandels zurückgeführt. : Bild: dpa

          Weitere Themen

          Sieben-Tage-Inzidenz steigt leicht auf 17,9

          RKI-Zahlen : Sieben-Tage-Inzidenz steigt leicht auf 17,9

          Das Robert-Koch-Institut verzeichnet 1766 neue Corona-Infektionen. In der Diskussion um Kinderimpfungen wehrt der Vorsitzende der STIKO sich gegen Kritik und fordert mehr Erwachsene auf, sich impfen zu lassen.

          Eine Ruhephase für Draghi

          „Weißes Semester“ in Italien : Eine Ruhephase für Draghi

          Ab diesem Dienstag darf Italiens Präsident Sergio Mattarella das Parlament für ein halbes Jahr nicht auflösen. Die alte Regel des „weißen Semesters“ hilft Regierungschef Mario Draghi, seine Position zu konsolidieren.

          Topmeldungen

          Eine Frau lässt sich in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern gegen das Coronavirus impfen.

          RKI-Zahlen : Sieben-Tage-Inzidenz steigt leicht auf 17,9

          Das Robert-Koch-Institut verzeichnet 1766 neue Corona-Infektionen. In der Diskussion um Kinderimpfungen wehrt der Vorsitzende der STIKO sich gegen Kritik und fordert mehr Erwachsene auf, sich impfen zu lassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.