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Weltweiter Klimastreik : „Ich möchte mit meinen Enkeln noch snowboarden“

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Im Gegenteil: Die Sahara beispielsweise wird durch die Erderwärmung grüner, da die Niederschlagsmenge zunimmt. So schreibt das Max-Planck-Institut: „Durch die Erderwärmung wird die Verdunstung wie unter einem Kochtopfdeckel zunehmen und damit auch der Niederschlag. Dann könnte vor allem der Süden der Sahara bereits in diesem Jahrhundert ergrünen.“ Dagegen Menschen zu mobilisieren, ist nicht leicht.

Fast 5.000 Protestler zogen am Vormittag durch die Straßen von Warschau.

Traditionell hat es Kapitalismuskritik in Ländern schwer, die durch sozialistische Experimente ruiniert wurden und in denen Menschen hungern. Zum anderen existieren in Afrika bereits unzählige spirituelle Bewegungen, die gemeinschaftliche Erweckungserlebnisse anbieten. Gerade Pfingstkirchen schießen seit Jahren wie Pilze aus dem Boden – sie schüren die Ängste vor der Apokalypse und versprechen Erlösung durch Askese. Aus diesem Grund bietet Afrika neuen Heilsversprechen weniger Raum als Europa, wo die Kirchen seit Jahren an Einfluss verlieren. (Thilo Thielke, Nairobi)

Polen

Auch in Polen kam es am Freitag in mehreren Städten zu den bisher größten Pro-Klima-Aktionen. In Warschau starteten am Vormittag fast 5000 fast ausschließlich junge Menschen zu einer Demonstration, die am Parlament vorbei zum Kulturpalast zog. Die Teilnehmer skandierten Parolen wie „Kinder und Fische haben eine Stimme“. Der Organisator, die Gruppe „Jugend-Klima-Streik”, forderte die Regierung auf, offiziell einen „Klimakrisenzustand“ auszurufen, einen unabhängigen, aus Experten bestehenden Klimarat zu gründen und sofort eine „gerechte Transformation der Wirtschaft“ einzuleiten mit dem Ziel, die Treibhausgase zu reduzieren.

Ein Teil der Losungen richtete sich gegen die Nutzung der Kohle: „Solidarisch mit den Bergleuten – nie mit den Bergwerken.“ Noch immer werden etwa fast 80 Prozent des im Lande produzierten Stroms aus Kohle generiert, davon ein gutes Drittel aus Braunkohle. Inzwischen finden 60 Prozent der Polen einer Umfrage zufolge, die Regierung müsse mehr für den Klimaschutz tun. Dazu dürften vor allem Smog in den Städten, Hitze und Trockenheit beigetragen haben, die in den letzten Jahren in Polen erheblich zugenommen haben. (Gerhard Gnauck, Warschau)

Australien

In Australien hat der globale Protesttag mit den Demonstrationen auf der Südhalbkugel „Down Under“ begonnen. Mehr als 300.000 Kinder und Erwachsene gingen den Schätzungen der Veranstalter zufolge in acht Groß- und 104 Kleinstädten für sofortige Klimaschutzmaßnahmen auf die Straße. Unterstützt wurden sie dabei von mehr als 2500 Unternehmen, die unter dem Motto „No Business as usual“ entweder geschlossen blieben oder ihrer Belegschaft die Teilnahme an dem Streik erlaubt hatten.

Dabei ist in Australien die Fraktion der „Klimaskeptiker“ stark. Das Land ist von der Ausfuhr von Kohle und anderen Bodenschätzen abhängig. Zudem gehören die Australier zu den Völkern mit dem höchsten Ausstoß an Kohlendioxid auf der Welt. Deshalb fordern die Demonstranten in Australien auch Mittel für Umschulungen von Arbeitern aus den betroffenen Industrien. Sie wollen zudem eine emissionsfreie Wirtschaft bis zum Jahr 2030 und einen Stopp für neue Öl-, Gas oder Kohleprojekte.

Der stellvertretende australische Premierminister Michael McCormack kommentierte den Streik im Namen der Regierung: „Ich denke, diese Art von Versammlungen sollte am Wochenende abgehalten werden, wenn sie nicht das Geschäft der Unternehmen stören und nicht den Betrieb von Schulen und die Universitäten beeinträchtigen.“ (Till Fähnders)

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