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Klimastreik in Amerika : Greta spricht in New York

  • -Aktualisiert am

Greta Thunberg geht nach ihrer Rede im New Yorker Battery Park von der Bühne. Bild: EPA

An hunderten Orten sind auch in den Vereinigten Staaten Schüler und andere Demonstranten auf die Straße gegangen. Etwa 250.000 Menschen waren es in New York, wo eine bestimmte Berufsgruppe allerdings nicht teilnehmen durfte.

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          Großdemos zum Klimastreik fanden am Freitag mit Millionen Teilnehmern auch in Amerika statt. „Wir müssen den Klimawandel als das betrachten, was er ist, als eine Notsituation”, sagte die 18 Jahre alte Audrey Maurine Xin Lin, die in Boston zu den Organisatorinnen des Massenprotests gehört. Politiker müssten handeln, als stehe die Welt in Flammen, forderten die Aktivisten bei einem Pressegespräch im Vorfeld des Streiks. Bislang werde nicht genug getan, um den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Der Schulstreik solle die Politiker unter Druck setzen.

          „Es wird ein sehr wichtiger und beeindruckender Tag werden, wir stehen heute am Beginn einer neuen weltweiten Bewegung. Das hier ist für uns nur der Anfang“, sagte die 19 Jahre alte Katie Eder, die die Organisation „Future Coalition“ leitet. In den Vereinigten Staaten führten Schülerinnen und Schüler aus High Schools und auch einigen Middle Schools (7.-9. Klasse) die Proteste an. Nicht nur junge Menschen beteiligten sich, sondern auch viele erwachsene Streikende. Mehrere Unternehmen hatten zudem angekündigt, für den Tag zu schließen, damit ihre Angestellten am Klimaschutz-Protest teilnehmen können. Dazu gehörten zum Beispiel der Speiseeis-Hersteller Ben & Jerry's, der Outdoor-Ausstatter Patagonia und der Wasserautomaten-Hersteller SodaStream.

          Greta in New York

          Auch Greta Thunberg, die 16 Jahre alte Klimaschutz-Aktivistin aus Schweden, sprach am Freitag beim Schulstreik in New York, wo etwa 250.000 Menschen demonstrierten. „Jetzt, wo wir gezeigt haben, dass wir es können, müssen sie zeigen, was sie tun können“, sagte sie an die Teilnehmer des UN-Klimagipfels gerichtet, der am Montag in New York beginnt. „Sie müssen nun Verantwortung übernehmen.“ Sie trug das Schild mit der schwedischen Aufschrift „Schulstreik für das Klima“, das sie bei ihren Protestaktionen immer bei sich hat. „Wenn Sie zu der kleinen Gruppe von Menschen gehören, die sich von uns bedroht fühlen, dann habe ich sehr schlechte Nachrichten für Sie, denn das hier ist nur der Anfang“, sagte sie in ihrer Ansprache. „Es wird Veränderungen geben, ob Sie es mögen oder nicht.“

          Der Protest bildete den Auftakt für einen Woche des Klimaschutz-Aktivismus in New York. Am Wochenende findet hier der Jugendgipfel zum Klimawandel statt, am Montag beginnt der Climate Action Summit der UN. Am 27. September wollen die Schülerinnen und Schüler dann erneut streiken.

          Geplant waren Proteste in 800 Orten in Amerika, es kamen aber spontane „Walk Outs“ dazu, wo die Behörden sie nicht genehmigt haben. Die Schulbehörde von Miami-Dade County in Florida etwa weigerte sich, die Schüler, die teilnehmen wollen, zu entschuldigen. Die Gegend bereitet sich auf einen immer weiter steigenden Meeresspiegel vor. In der Stadt New York konnten die 1,1 Millionen Schülerinnen und Schüler auch offiziell am Marsch teilnehmen, sofern die Eltern zustimmten, erklärte die Schulbehörde. Bürgermeister Bill de Blasio, der am Freitag seine Kandidatur um die demokratische Präsidentschaftskandidatur zurückzog, twitterte: „New York City steht hinter unseren jungen Menschen. Sie sind unser Gewissen.“

          New Yorker Lehrer durften nicht mitmachen

          Für große Enttäuschung sorgte allerdings die Entscheidung der Schulaufsicht, Angestellten die Teilnahme zu verweigern. Lehrer hatten an vielen Schulen geplant, die Ausmärsche aus den Schulen wie Ausflüge zu leiten. Das verstoße gegen das Gebot eines „politisch neutralen Lernumfeldes“, so die Stadt. So fürchteten Kritiker, dass besonders Kinder aus armen Familien mangels Transportmöglichkeit gar nicht dabei sein können, weil ihre Eltern es sich nicht leisten können, nicht zur Arbeit zu gehen. Überall auf der Welt sind Menschen mit geringem Einkommen besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen, wenn etwa ihre Viertel überflutet werden und sie kein Geld für Reparaturen oder Umzüge haben. „Diese Kinder sind von mehrfacher Ungleichheit betroffen. Sie können nicht nur nicht zum Protest gehen und von diesem Erlebnis lernen, sie werden auch mehr unter dem Klimawandel leiden. Für mich ist das sehr problematisch“, sagte Oren Pizmony-Levy vom Teachers College an der Columbia Universität der „New York Times“.

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