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Wegen Klimaabgaben? : Die Furcht der Briten vor der Gasrechnung

Ein Gasmesser im September in Manchester (Symbolbild) Bild: Reuters

In Großbritannien steigen die Preise und die Nachfrage nach Gas. Auf die Bürger kommen hohe finanzielle Belastungen zu. Kritiker machen die Klimaschutzpolitik der Regierung verantwortlich.

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          Seit Tagen reiht sich in London eine Krisensitzung an die nächste, um das Chaos in der Gas-Branche zu bewältigen. Die gleichzeitige Explosion der Preise und der Nachfrage lässt nicht nur Unternehmen zusammenbrechen und Bürger höhere Gasrechnungen befürchten – die Rede ist von Engpässen, die den Alltag der Menschen verändern könnten. Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng sah sich gezwungen zu versichern, dass im Land „nicht die Lichter ausgehen“ werden, während der Premierminister auf seiner Amerika-Reise die Bürger zu Hause beruhigte. Die Gas-Krise sei Folge „vieler kurzfristiger Probleme“ und reflektiere nur, dass die Weltwirtschaft aus dem Corona-Schlaf erwache, sagte Boris Johnson. Das werde „bald besser werden“.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Fachleute nennen zahlreiche weitere Gründe für die Misere: Russlands Gas-Politik, ein beschädigtes Kabel für Strom aus Frankreich, eine kurzsichtige Vorsorge, Regulierungen, die Energieunternehmen flexible Reaktionen erschweren, und vieles mehr.

          Minister geht auf Kritiker zu

          Zu einem größeren politischen Problem könnte sich für die Regierung auswachsen, dass Skeptiker der Klimaschutzpolitik den grünen Umbau der Wirtschaft zur „eigentlichen Wurzel“ der Energiekrise erklären. Johnson, der sein Land auf dem Weltklimagipfel in Glasgow Anfang November als Vorbild präsentieren will, droht in eine Zange zu geraten, denn von der anderen Seite wird ihm klimapolitische Halbherzigkeit vorgeworfen. Seit Wochen blockieren Mitglieder von „Insulate Britain“ – eine Absplitterung von „Extinction Rebellion“ – Autobahnen. Hunderte sind schon festgenommen worden und wollen sich gerne während des Gipfels als (klima-)politische Gefangene präsentieren.

          Die konservativen Kritiker der von Johnson ausgerufenen „grünen Industrierevolution“ klagen, er hätte „die Klimaneutralität auf Kosten von Versorgungssicherheit und erschwinglicher Energie verfolgt“, so der Publizist Matt Ridley. Anstatt die moderne Fracking-Technologie zu nutzen und eine heimische Gasindustrie aufzubauen, habe er sich zu sehr auf die „unverlässlichen“ erneuerbaren Energien verlassen und müsse nun die Lücken mit teuer importiertem Gas füllen. Laut Fachleuten liegt der Anteil der Windenergie am Gesamtmix normalerweise bei 18 Prozent. Durch den windstillen Sommer in diesem Jahr ist er auf zwei Prozent geschrumpft.

          Kritiker monieren, dass die „green levies“, also Abgaben zur Förderung nachhaltiger Energien, die Strompreise hochgetrieben hätten. Laut der Regulierungsbehörde Ofgem sind „Britanniens Preise dauerhaft über dem EU-Durchschnitt und insgesamt am höchsten“. Die Regierung hat wiederholt versprochen, die Klimaneutralität im Jahr 2050 ohne Belastungen für Bürger zu erreichen, und spricht von einem „Erfolg“.

          Kwarteng wies am Dienstag darauf hin, dass Großbritannien dreißig Prozent des globalen Offshore-Windmarkts ausmache. Der Anteil der Kohle am Energiemix sei seit 2012 von 40 auf zwei Prozent zurückgegangen. „Die dekarbonisierte Energieversorgung hat uns mehr Versorgungssicherheit gebracht“, beteuerte er, während er gleichzeitig einen Schritt auf die Klimaaktivisten zuging: Insbesondere bei der Häuserdämmung sei „mehr zu tun“. Die Isolierung aller Sozialwohnungen bis zum Jahr 2025 ist die zentrale Forderung von „Insulate Britain“.

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