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UN-Klimagipfel : Merkel wirbt für internationale CO2-Bepreisung

  • Aktualisiert am

Kanzlerin Angela Merkel neben Boris Johnson am Montag in Glasgow. Bild: Reuters

Der Emissionshandel weise der Wirtschaft den Weg zur Klimaneutralität, sagte Kanzlerin Angela Merkel in Glasgow. Die Ziele des Pariser Klimaabkommens will sie noch nicht aufgeben. Aber: „Wir sind noch nicht da, wo wir hinmüssen.“

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          Die Staats- und Regierungschefs mehrerer Länder haben zum Beginn des Weltklimagipfels COP26 am Montag in Glasgow stärkere politische Anstrengungen angemahnt, um dem Klimawandel entgegenzutreten. Bei der Konferenz beraten Politiker aus rund 200 Ländern, wie die gefährliche Erderwärmung begrenzt werden kann.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in ihrer Rede in Glasgow für eine internationale CO2-Bepreisung geworben. Das Modell, das in Europa und in Deutschland mit dem Emissionshandel bereits umgesetzt wird, weise der Wirtschaft den Weg zur Klimaneutralität, sagte die geschäftsführende Kanzlerin. Merkel erinnerte daran, dass sie als Umweltministerin 1995 „die Ehre hatte“, die erste UN-Klimakonferenz in Bonn zu leiten. Glasgow sei nun ihr letzter Gipfel, und es stelle sich nun die Frage, wie weit die Welt vorangekommen sei.

          „Wir sind noch nicht da, wo wir hinmüssen“, räumte sie ein. So seien die vorgelegten nationalen CO2-Minderungsziele nicht ausreichend, um das Pariser Klimaabkommen umzusetzen, das die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad beschränken soll. Zugleich zeigte Merkel sich zuversichtlich, dass in Glasgow Fortschritte erzielt werden können: „Wir müssen und wir können das Pariser Klimaabkommen umsetzen.“

          Die geschäftsführende Kanzlerin hob auch hervor, dass die finanziellen Hilfen für arme Staaten im Kampf gegen die Erderwärmung weiter aufgestockt werden müssten. Das von den Industriestaaten versprochene Ziel, Entwicklungsländer mit 100 Milliarden Dollar jährlich zu unterstützen, sei noch nicht erreicht. Laut einem von Deutschland und Kanada erarbeiteten Plan solle die Summe aber spätestens von 2023 an zur Verfügung stehen. Merkel erinnerte daran, dass Deutschland seine Klimahilfen bis 2025 auf sechs Milliarden Euro jährlich erhöhen will.

          „Wir stehen an einem Wendepunkt der Weltgeschichte“, sagte Amerikas Präsident Joe Biden am Montagnachmittag in Glasgow. Er sprach kurz vor Merkel. „Wir haben nur noch ein kurzes Zeitfenster vor uns“, mahnte Biden. Glasgow müsse „der Startschuss für ein Jahrzehnt des Ehrgeizes und der Entschlossenheit sein“. Biden warnte vor den Konsequenzen, sollten die Maßnahmen unzulänglich sein. „Mit jedem Tag, den wir warten, steigen die Kosten der Untätigkeit.“ 

          Biden sagte, aus dem Kampf gegen den Klimawandel erwüchsen auch Chancen. Millionen gut bezahlter Jobs könnten entstehen. Die Vereinigten Staaten wollten mit gutem Beispiel vorangehen. „Ich weiß, dass das nicht der Fall war. Deshalb macht meine Regierung Überstunden, um zu zeigen, dass unser Engagement für den Klimaschutz aus Taten und nicht aus Worten besteht.“ Bidens Vorgänger Donald Trump hatte gezweifelt, dass der Klimawandel menschengemacht ist – was wissenschaftlich klar widerlegt ist. 

          Joe Biden bei seiner Rede in Glasgow
          Joe Biden bei seiner Rede in Glasgow : Bild: AP

          Der britische Premierminister Boris Johnson hatte den Hauptteil der Konferenz am frühen Nachmittag mit einem ungewöhnlichen Vergleich eröffnet. Der Planet befinde sich durch den Klimawandel in einer ähnlichen Situation wie der fiktionale britische Geheimagent James Bond, der an eine Bombe gekettet sei, während die Uhr langsam herunterläuft, sagte Johnson.

          „Wir sind in etwa in derselben Position wie James Bond“, mahnte Johnson und wandte sich so an die anderen anwesenden Staats- und Regierungschefs. Man könne die sprichwörtliche Bombe jedoch deaktivieren. „Lasst uns diese Bombe entschärfen“, forderte Johnson. „Wir haben die Technologie, wir können die finanziellen Mittel aufbringen und die Frage für uns alle heute ist, ob wir den Willen dazu haben.“ Johnson fügte hinzu: „Ja, es wird hart, aber wir können es schaffen.“

          „Wir graben unser eigenes Grab“

          Die von den Staaten weltweit versprochenen Anstrengungen beim Klimaschutz reichen nach Worten von UN-Generalsekretär Antonio Guterres nicht aus, um eine Katastrophe abzuwenden. Er rief die Regierungsvertreter auf der Weltklimakonferenz am Montag in Glasgow auf, mehr zu tun. „Wir graben unser eigenes Grab“, warnte Guterres. Regierungen müssten Subventionen für fossile Brennstoffe beenden, aus der Kohle aussteigen und einen Preis für sämtliche Emissionen festlegen.

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