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Greta Thunberg : Die Welt, wie sie ihr gefällt

Am 25. Januar spricht Klimaktivistin Greta Thunberg auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos – seither steht sie in der internationalen Öffentlichkeit. Bild: EPA

Die 16 Jahre alte Klimaaktivistin Greta Thunberg ist zu einem internationalen Phänomen geworden. Nun wird bekannt, dass ein schwedischer Geschäftsmann mit ihrem Namen um Investoren geworben hat. Wie unabhängig ist sie wirklich?

          Paul Ziemiak hielt einen Kommentar für angebracht. Er schrieb auf Twitter: „Greta Thunberg findet deutschen Kohlekompromiss ,absurd‘ – Oh, man ... kein Wort von Arbeitsplätzen, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit. Nur pure Ideologie. Arme Greta!“ Die Welle der Empörung brach rasch über ihn herein. Dabei ist dieses Scharmützel nur ein weiterer Beleg dafür, in welche Sphären das Phänomen Greta Thunberg bereits vorgedrungen ist. Jenes schwedische Mädchen, das jeden Freitag vor dem Reichstag in Stockholm für den Klimaschutz demonstriert. Das auf der Klimakonferenz in Polen gesprochen hat und auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Jenes Mädchen, das in den Augen mancher fast eine Heilige zu sein scheint, und dem andere Abneigung, wenn nicht gar Hass entgegenbringen. Die es geschafft hat, dass ein Kommentar von ihr zum deutschen Kohlekompromiss nicht nur verbreitet wird, sondern den CDU-Generalsekretär sogar dazu verleitet, sie, eine 16 Jahre alte Schwedin, öffentlich anzugreifen.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Greta Thunberg scheint für viele, ob Gegner oder Unterstützer, längst mehr als nur eine Jugendliche zu sein, und doch ist der Kern der Geschichte, mit der sie auf der ganzen Welt Schlagzeilen macht, dieser: Ein kleines Mädchen kämpft für das Klima. So begleitet ihren Aufstieg aber auch die Frage, ob das alles ist – oder ob mehr dahintersteckt. Am Wochenende hat eine Recherche der schwedischen Zeitung „Svenska Dagbladet“ ein Puzzleteilchen zu der Antwort geliefert.

          Asperger-Syndrom als eine Quelle ihres Engagements

          Die Geschichte der Greta Thunberg ist immer wieder erzählt worden. Wie sie, das Kind einer bekannten schwedischen Opernsängerin und eines Schauspielers, mit acht Jahren das erste Mal vom Klimawandel und der Erderwärmung gehört habe. Wie sie mit elf Jahren plötzlich aufgehört hat zu reden und zu essen. Wie die Ärzte bei ihr das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus, diagnostiziert haben. Thunberg redet offen über die Krankheit, verbindet sie mit ihrem Engagement. Es ist ein Teil ihrer Geschichte. Für Menschen wie sie sei alles Schwarz und Weiß, hat sie erzählt. So ist es auch bei der Klimapolitik. Wenn die Emissionen gestoppt werden müssten, dann müssen wir die Emissionen stoppen, hat sie gesagt. Auch da gebe es für sie nur Schwarz und Weiß. Thunberg nimmt für sich nicht in Anspruch, etwas zu erkennen oder zu sagen, was noch niemand anderes erkannt oder gesagt hätte. Sie tut es nur mit einer Vehemenz, die keine Grautöne kennt. Aber erklärt das schon, wie das Mädchen mit den Zöpfen und dem ernsten Blick zu einer Ikone der Klimaretter werden konnte?

          Im Mai 2018 gewann Thunberg einen Schreibwettbewerb vom „Svenska Dagbladet“ zur Umweltpolitik, da war sie 15 Jahre alt. Ihr Text wurde veröffentlicht, in einer der wichtigsten Zeitungen des Landes. Danach nahmen mehrere Personen Kontakt zu ihr auf. So hat sie auf ihrer Facebook-Seite ihre Anfänge einmal beschrieben. Ein Klimaaktivist brachte sie mit anderen jungen Aktivisten zusammen. Einer schlug einen Schulstreik vor, Thunberg mochte die Idee. Die anderen hätten daran kein Interesse gehabt, ihre Eltern seien nicht begeistert gewesen. Sie hätte es ohne ihre Unterstützung durchziehen müssen. Am 20. August 2018 protestierte sie zum ersten Mal vor dem Reichstag in Stockholm. „Skolstrejk för Klimatet“ steht auf ihrem Schild. Danach ging alles rasend schnell. Ihre Rede auf der Klimakonferenz in Polen, nach Davos mit dem Zug, Treffen und Gespräche mit Politikern und Journalisten – und seit Wochen gehen in mehreren Ländern Zigtausende Schüler jeden Freitag auf die Straße, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Thunberg ist überall.

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