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Klima-Proteste : Australien gibt die Richtung vor

„Respektiere deine Mutter“: Klima-Demonstranten halten in Australiens Hauptstadt Schilder hoch. Bild: EPA

Die Fraktion der „Klimaskeptiker“ ist in Australien stark. Trotzdem sind dort mehr als 300.000 Menschen für sofortige Klimaschutzmaßnahmen auf die Straße gegangen. Der Regierung gefällt das nicht.

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          Der globale Protesttag hatte mit den Demonstrationen auf der Südhalbkugel „Down Under“ begonnen. Mehr als 300.000 Menschen waren den Schätzungen der Veranstalter zufolge in acht Groß- und 104 Kleinstädten auf die Straße gegangen. Unterstützt wurden sie dabei von mehr als 2500 Unternehmen, die unter dem Motto „No Business as usual“ entweder geschlossen blieben oder ihrer Belegschaft die Teilnahme an dem Streik erlaubt hatten. In Sydney, Melbourne, Brisbane aber auch in Orten wie Adelaide und in Alice Springs demonstrierten sowohl Kinder als auch Erwachsene für sofortige Klimaschutzmaßnahmen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          In Melbourne hielten Aktivisten Gesichtsmasken mit dem Konterfei Greta Thunbergs in die Höhe. Die schwedische Klimaaktivistin begrüßte selbst auf Twitter die Proteste. „Australien gibt die Richtung vor!“, schrieb sie noch in der Nacht zuvor. „Es ist schon Bettgehzeit in New York, also teilt bitte so viele Bilder ihr könnt, wenn die Streiks von Asien nach Europa und Afrika weiterziehen“, schrieb sie. Dadurch bekamen die Proteste in Australien weltweit noch einmal mehr Aufmerksamkeit.

          Dabei ist in Australien die Fraktion der „Klimaskeptiker“ stark. Das Land ist von der Ausfuhr von Kohle und anderen Bodenschätzen abhängig. Zudem gehören die Australier zu den Völkern mit dem höchsten Verbrauch an Kohlendioxid auf der Welt. Zu den Forderungen der Schüler und Studenten in Australien gehört deshalb auch, dass Mittel bereitgestellt werden sollen, die den Arbeitern aus den betroffenen Industrien einen einfachen Übergang in eine neue Tätigkeit erlauben sollen. Sie fordern zudem eine emissionsfreie Wirtschaft bis zum Jahr 2030 und einen Stopp für neue Öl-, Gas oder Kohleprojekte.

          Australische Regierung verurteilt Klima-Proteste

          Da der australischer Premierminister Scott Morrison sich zu einem Besuch bei Präsident Donald Trump (mit Staatsbankett) in den Vereinigten Staaten befindet, kommentierte der kommissarische Premier, Michael McCormack den Streik im Namen der Regierung. „Ich denke, diese Art von Versammlungen sollten am Wochenende abgehalten werden, wenn sie nicht das Geschäft der Unternehmen stören und nicht den Betrieb von Schulen und die Universitäten beeinträchtigen“, sagte McCormack. Im konservativen „The Australian“ meldeten sich ebenfalls Leser mit Kritik an den Streiks zu Wort. Einer beschwerte sich über die jungen „Klimakrieger“, die sich im Geländewagen zur Schule fahren ließen. „Wie dumm sind diese Leute? Bei uns ändert sich das Klima täglich. Wir nennen das Wetter!“, schrieb ein anderer.  

          Schon im Vorlauf hatte es Streit darüber gegeben, ob die Schulen und Universitäten die Teilnahme an dem Streik erlauben sollten. Den Befürwortern wurde vorgeworfen, sie betrieben eine unangebrachte Politisierung der Jugend. Der bekannte Umweltschützer Tim Flannery sagte dagegen laut „The Australien“, die Klimaproteste seien eine „offene Rebellion“ gegen die Regierung. Er meinte dies im positiven Sinn. Schließlich bekommt Australien auch besonders stark die Folgen des Klimawandels zu spüren. Der Sommer 2018/2019 war dort der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. In den vergangenen Wochen wurden aus den Bundesstaaten Queensland und New South Wales verheerende Waldbrände gemeldet.

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