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Kirche und Missbrauch : Worte und Taten

Nach den Worten des Papstes zum Missbrauch in der Kirche ist bis zum Beweis des Gegenteils von Rom nicht viel zu erwarten. Umso mehr kommt es auf die Bischöfe an.

          Es ist vieles gesagt. Und das nicht nur einmal und nur von wenigen, sondern in vielen Variationen und vor allem: von fast allen, außer dem Papst. Was Betroffene von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche und deren Repräsentanten von einer nigerianischen Ordensfrau über Kardinäle aus allen Erdteilen (außer Afrika) in den vergangenen Tagen unter den Augen der Weltöffentlichkeit über Ursachen und Entstehungsbedingungen von Missbrauch und Machtmissbrauch sagten, ist an Klarheit und Wahrheit beispiellos.

          Doch wäre es viel zu früh, die auch der Form nach beispiellose Zusammenkunft als Wendepunkt in der Geschichte einer Klerikerkirche zu bezeichnen, in der der Schutz der Institution über alles ging und in der moralische Lethargie in eigener Sache wohlfeil war. Nach wie vor hält die Kirche ihre Mitglieder, wenn nicht ganze Gesellschaften in Geiselhaft von mitunter archaischen Vorstellungen von Sexualität (Stichwort Empfängnisverhütung) und Geschlechterverhältnissen (Stichwort Ausschluss von Frauen von Weiheämtern). Solange das so bleibt, so lange werden der Kirche viele Facetten ihres Wirkens und ihrer Wirkung verborgen bleiben, weil sie es nicht wissen kann, aber auch nicht wissen will.

          Freilich wäre es fatal, daraus eine Entschuldigung oder Fatalismus abzuleiten. In den vergangenen Tagen wurden so viele konkrete Verbesserungen der Rechtskultur in der Kirche vorgeschlagen, so viele Veränderungen auf dem Feld von Macht und Verantwortung erwogen und so viele neue Ideen für die Verwirklichung von bischöflicher Kollegialität und Synodalität in der Leitung von Orts- und Weltkirche formuliert, dass sich alleine daraus ein veritables Reformprogramm ergibt. Wie weit die Kirche damit kommt, hängt auch, aber nicht nur davon ab, was Papst und Kurie nun zu tun gedenken.

          Nach den Worten des Papstes von Sonntag ist bis zum Beweis des Gegenteils von Rom nicht viel zu erwarten. Umso mehr kommt es auf die Bischöfe an. Die deutschen etwa haben schon anlässlich ihrer Frühjahrs-Vollversammlung in gut zwei Wochen Gelegenheit, ihren vielen Ankündigungen endlich Taten folgen zu lassen. Das werden nicht alle wollen. Dann sollten aber diejenigen unter ihnen, die wollen, sich nicht länger aufhalten lassen. Das Sollen setzt nicht nur das Können voraus. Wer kann, der muss.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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