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Erklärung von Kims Schwester : Nordkoreas Abfuhren an Washington werden immerhin höflicher

Kim Yo-jong, die Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, im März 2019. Bild: AFP

Die Schwester des nordkoreanischen Machthabers weist Spekulationen über ein baldiges Treffen Kim Jong-uns mit Donald Trump zurück – schließt es aber auch nicht aus. Interessant ist, dass sie einen weniger rüden Tonfall an den Tag legt.

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          Nach einer Woche der Spekulationen über ein weiteres Treffen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un nimmt dessen Schwester sich das letzte Wort. Kim Yo-jong wies am Freitag die Idee eines Treffens der beiden in diesem Jahr zurück, schloss es aber auch nicht aus. „Eine Überraschung kann noch passieren, abhängig von den Entscheidungen der beiden obersten Führer“, heißt es in einer Presseerklärung von Kim Yo-jong in ihrer Rolle als stellvertretende Abteilungsdirektorin des Zentralkomitees der Arbeiterpartei. Sie legte eine nüchternere und freundlichere Rhetorik an den Tag als bei den harschen Drohungen und Beschimpfungen, mit denen sie noch im Juni Stimmung gegen Amerika und Südkorea machte. Kurz danach hatte Nordkorea das von Südkorea für rund 15 Millionen Dollar gebaute Verbindungsbüro der beiden koreanischen Staaten im nordkoreanischen Kaesong in die Luft gesprengt. Jetzt aber übermittelte Kim Yo-jong die besten Wünsche ihres Bruders an Trump, der dem Amerikaner großen Erfolg in dessen Arbeit wünsche.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Kim Yo-jong begründet die Ablehnung eines Spitzentreffens damit, dass davon nur Amerika profitiere. Für Nordkorea sei ein Treffen nutzlos, solange die Vereinigten Staaten ihre Haltung nicht entschieden änderten. Nordkorea und Amerika setzen damit das Hin und Her der öffentlichen Anschuldigungen fort. Kim Yo-jong sieht vor der Präsidentenwahl im November einen amerikanischen Wunsch nach Dialog mit Nordkorea. Trump sagte demgegenüber diese Woche in einem Fernsehinterview, dass nach seinem Verständnis Nordkorea um ein Treffen nachsuche. Im südkoreanischen Seoul hatte der amerikanische Sonderbeauftragte für Nordkorea, Stephen Biegun, zugleich Pjöngjang zum Dialog aufgefordert und die Gesprächsbereitschaft Washingtons hervorgehoben, falls Nordkorea sich bewege.

          In Pjöngjang denkt man schon über Trumps Nachfolger nach

          Nordkorea denkt derweil schon über die Zeit nach Trump nach. Kims Schwester hob zwar das gute Verhältnis ihres Bruders mit dem Amerikaner hervor. Nordkorea müsse sich aber mit Trump und den nachfolgenden Regierungen und mit den Vereinigten Staaten insgesamt beschäftigen, erklärte sie. Eine nukleare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel sei nicht unmöglich, schrieb Kim Yo-jong. „Zu diesem Zeitpunkt ist eine Denuklearisierung aber nicht möglich.“ Sie hob hervor, dass Nordkorea mit den geforderten großen Änderungen von der anderen Seite nicht die Aufhebung von Sanktionen meine. Das deckt sich mit dem traditionellen nordkoreanischen Verständnis, dass eine nukleare Abrüstung auf der Halbinsel auch das Ende der nuklearen Bedrohung Nordkoreas durch Amerika bedeuten müsse.

          In einer versöhnlichen Wendung berichtete Kim Yo-jong, dass sie am Fernsehen die Feiern zum amerikanischen Unabhängigkeitstag gesehen habe. Der „Genosse Vorsitzende“ habe ihr die Erlaubnis gegeben, wenn möglich in der Zukunft DVDs der Feierlichkeiten zu erhalten. Mit der freundlichen Geste gegenüber Amerika offenbarte die Schwester des Machthabers so die Privilegien, die die herrschende Elite des Landes sich gewährt. Den normalen Nordkoreanern bleibt solches Vergnügen legal verwehrt. Ausländische Fernsehserien und vor allem beliebte südkoreanische Dramen werden zwar schon seit langem auf DVDs oder USB-Sticks ins Land geschmuggelt. Der Konsum ausländischer Medien ist aber verboten und kann Nordkoreaner ins Gefängnis bringen.

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