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Historischer Gipfel : Kim überquert die Grenze nach Südkorea

  • Aktualisiert am

Herzlicher Auftakt zum Gipfeltreffen zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-in im Grenzort Panmunjom. Bild: Reuters

Es ist ein historischer Moment: Erstmals betritt ein nordkoreanischer Staatschef südkoreanischen Boden. Gleich zu Beginn des Gipfels zwischen Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon kommt es zu einer Überraschung.

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          Das erste Gipfeltreffen zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-in hat auf der südkoreanischen Seite des Grenzdorfes Panmunjom begonnen. Als erster nordkoreanischer Staatschef seit dem Ende des Korea-Krieges (1950-53) überquerte Kim Jong-un die Grenze und betrat damit südkoreanischen Boden. Der Machthaber wurde an der Demarkationslinie in der gemeinsamen Sicherheitszone von Moon Jae-in empfangen.

          Beide Staatschefs begrüßten sich herzlich. Spontan forderte Kim den südkoreanischen Präsidenten auf, seinerseits die Betonschwelle im Boden, die die Linie kennzeichnet, auch nach Norden zu überqueren. Moon betrat damit nordkoreanischen Boden, was nicht angekündigt war.

          Zwischen den blauen Baracken, die beide Seiten nach dem Krieg als Besprechungsräume nutzten, markiert die Betonschwelle zwischen dem Sandfeld im Norden und dem Kiesbett im Süden die Demarkationslinie.

          Im Mittelpunkt des mit Spannung und großen Hoffnungen erwarteten Gipfels stehen die atomare Abrüstung und eine langfristige Friedenslösung. Wie die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete, will Kim mit Moon „freimütig“ alle Themen wie die Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen sowie Frieden, Wohlstand und eine Wiedervereinigung auf der koreanischen Halbinsel diskutieren. Auf Nordkoreas Atomwaffen ging der Bericht nicht ein.

          Grundlage für Trump-Kim-Treffen

          Die Ergebnisse des Gipfels werden auch Grundlage für das Ende Mai oder Anfang Juni geplante Treffen zwischen Kim und dem amerikanischen Präsident Donald Trump sein. Es ist nach 2000 und 2007 in Pjöngjang der dritte innerkoreanische Gipfel, aber der erste seit der Eskalation der Spannungen über Nordkoreas Atom- und Raketentests und der erste auf südkoreanischem Boden.

          Mit welcher Art von Vereinbarung das eintägige Treffen im Friedenshaus in Panmunjom zu Ende gehen wird, war noch unklar. „Es hängt wirklich vom Verlauf der Diskussionen ab“, sagte der Sprecher Moons. Die Vereinigten Staaten und Südkorea fordern ein eindeutiges Bekenntnis Kims zur Denuklearisierung, womit sie eine baldige, überprüfbare und nicht umkehrbare Beseitigung der Atomwaffen meinen.

          Nordkoreas Machthaber hatte aber erst am vergangenen Freitag, als er überraschend die Einstellung seiner Atom- und Raketentests verkündet hatte, die Vollendung des Atomprogramms als „großen Sieg“ gefeiert. Er sprach nur allgemein davon, dass Nordkorea mit diesem Teststopp zur „weltweiten Abrüstung“ beitrage.

          Experten sind deswegen skeptisch, ob er seine nuklearen Waffen aufgeben will. Sie sehen seinen Willen zur Beseitigung seiner Atomwaffen eher im Rahmen der globalen Abrüstungsbemühungen aller Nuklearmächte.

          Panmunjom – der „furchterregendsten Ort der Erde“

          Das Grenzdorf Panmunjom hat der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton einmal als den „furchterregendsten Ort der Erde“ beschrieben. Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker sprach vom „letzten Bollwerk des Kalten Kriegs“: Stacheldraht, Elektrozäune und Gräben umgeben das Gemeinsame Sicherheitsareal (JSA), das inmitten der Demilitarisierten Zone (DMZ) liegt. Es ist der einzige Ort, an dem sich Soldaten Nordkoreas sowie Südkoreas und der Vereinigten Staaten nur wenige Meter voneinander entfernt von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen.

          Auf südkoreanischer Seite der JSA hat das von den Amerikanern angeführte UN-Kommando (UNC) das Sagen. Südkorea wurde während des Korea-Kriegs von 1950 bis 1953 von UN-Truppen unterstützt. In Panmunjom wurde 1953 auch das immer noch gültige Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Daher wird Panmunjom auch als „Waffenstillstandsdorf“ bezeichnet.

          Der vier Kilometer breite Streifen der Demilitarisierten Zone ist eine der am strengsten bewachten, am stärksten verminten und „heißesten“ Grenzen der Welt. Über rund 240 Kilometer wurde diese militärische Pufferzone zum Ende des Korea-Krieges quer durch die Halbinsel entlang des 38. Breitengrades geschaffen und bildet heute die de-facto-Grenze. Mehrere Hunderttausend verfeindeter Soldaten stehen sich entlang der Grenze gegenüber.

          Völkerrechtlich befinden sich beide koreanische Staaten seit dem Ende ihres Bruderkriegs vor 65 Jahren noch im Kriegszustand. Einen Friedensvertrag hat es nie gegeben. (dpa)

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