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Kim Jong-un : Ein enttäuschter Diktator

„Aus welchem Grund sollten wir diese Zugfahrt noch einmal machen?“ Kim Jong Un ist enttäuscht über die gescheiterten Gespräche mit dem amerikanischen Präsidenten Trump. Bild: AFP

Nach dem erfolglosen Gipfel mit Donald Trump lässt Pjöngjang durchblicken, dass es bald wieder Raketentests geben könnte. Das Regime macht vor allem Trumps Berater für das Scheitern der Gespräche verantwortlich.

          Es war das erste Mal seit der Verkündung des Moratoriums vor fast einem Jahr, dass Nordkorea eine Wiederaufnahme seiner Atom- und Raketentests ins Gespräch gebracht hat: „Ob dieses Moratorium beibehalten wird oder nicht“, werde „in Kürze“ von Machthaber Kim Jong-un entschieden, sagte die stellvertretende Außenministerin Choe Son-hui am Freitag in einer Ansprache vor Journalisten und Diplomaten in Pjöngjang. Sie wich damit der Frage eines ausländischen Botschafters aus, ob Nordkorea dabei sei, einen Raketentest oder einen Satellitenstart vorzubereiten. Die Funktionärin kündigte zudem an, dass Kim Jong-un bald verkünden werde, ob er die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten fortsetzen wolle – oder nicht.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Zugleich stellte sie dafür Bedingungen: Ihr Land werde nur dann weiterverhandeln und Kompromisse eingehen, wenn die Vereinigten Staaten ihre „gangsterhafte Haltung“ veränderten und ihrerseits Maßnahmen ergriffen, die den von Pjöngjang eingegangenen Vorleistungen entsprechen würden. Das bezog sich insbesondere auf die Aussetzung der Atom- und Raketentests, die Kim Jong-un im April 2018 verkündet hatte.

          Choe ließ durchblicken, dass der Machthaber über den Verlauf der Verhandlungen von Hanoi wenig erbaut gewesen sei: „Auf unserem Weg zurück in die Heimat sagte unser Vorsitzender der Kommission für Staatsangelegenheiten (einer von Kim Jong-uns zahlreichen Titeln): ‚Aus welchem Grund sollten wir diese Zugfahrt noch einmal machen?‘“ 36 Stunden lang hatte seine Fahrt nach Hanoi gedauert – und ebenso lang die Rückfahrt.

          Washington habe „goldene Gelegenheit“ verpasst

          Für das Scheitern des Gipfels machte Choe aber nicht Donald Trump, sondern explizit Außenminister Mike Pompeo und Sicherheitsberater John Bolton verantwortlich. Die beiden hätten in Hanoi „eine Atmosphäre der Feindseligkeit und des Misstrauens“ verbreitet, die die Verhandlungen zwischen Trump und Kim beeinträchtigt hätten. Die Beziehungen zwischen den beiden Führern seien dagegen „noch immer gut“, und die Chemie ist „auf mysteriöse Weise wundervoll“, sagte die Funktionärin laut Übersetzung der Nachrichtenagentur AP. Mit ihrem Lob für Trump schien Choe eine Tür für weitere Gespräche offen halten zu wollen.

          Die amerikanische Verhandlungsposition bezeichnete sie als „exzentrisch“ und warf Washington vor, in Hanoi „eine goldene Gelegenheit“ verpasst zu haben. Die Amerikaner hatten beim Gipfel Nordkoreas Forderung abgelehnt, im Gegenzug für eine Stilllegung seines Atomgeländes Yongbyon alle Wirtschaftssanktionen aufzuheben, die in den Jahren 2016 und 2017 vom UN-Sicherheitsrat verhängt worden waren. Trump hatte nach eigenen Angaben zumindest die Aufgabe einer weiteren Urananreicherungsanlage gefordert. Die stellvertretende Außenministerin bezeichnete die amerikanische Haltung, dass die Sanktionen erst nach einer atomaren Abrüstung aufgehoben werden sollen, als „absurd“.

          Choe deutete an, dass ihre Worte auch als Antwort auf amerikanische Äußerungen der vergangenen Tage zu verstehen seien. So hatte Außenminister Pompeo abermals gefordert, Nordkorea müsse substantielle Schritte zur atomaren Abrüstung unternehmen. Pjöngjang dagegen sieht den Ball im amerikanischen Feld.

          Es kommt äußerst selten vor, dass sich die nordkoreanische Führung in Pressekonferenzen an westliche Medien wendet. Zu Beginn der Verhandlungen mit der Regierung Trump hatte Pjöngjang seine Botschaften oft über südkoreanische Unterhändler übermittelt. Ansonsten übernehmen diese Rolle meist die Staatsmedien. Doch unmittelbar nach dem Gipfel von Hanoi hatte Pjöngjang schon einmal eine Pressekonferenz einberufen, an der auch Choe teilgenommen hatte. Sie sagte damals schon: „Ich habe das Gefühl, dass der Vorsitzende Kim seinen Enthusiasmus für eine Einigung verloren haben könnte.“ In der nordkoreanischen Führung scheint die Außenministerin für die harschen Töne verantwortlich zu sein. So bezeichnete sie im vergangenen Jahr Äußerungen Pompeos als „unwissend und dumm“.

          Bleibt Trump glücklich?

          Dass Pjöngjang nun das Moratorium auf Raketen- und Atomtests in Frage stellt, erhöht den Druck auf Donald Trump. Denn der amerikanische Präsident hatte vor dem Gipfel von Hanoi die fortgesetzte Aussetzung der Tests zum Erfolgsmaßstab für die Verhandlungen erklärt: „Solange es keine Tests gibt, sind wir glücklich.“ Und unmittelbar nach dem Gipfel hatte er verkündet, es sei besonders wichtig, dass Kim Jong-un ihm in die Hand versprochen habe, „unter allen Umständen“ auf weitere Tests zu verzichten. „Ich vertraue ihm, ich nehme ihn beim Wort“, hatte Trump hinzugefügt.

          Schon in den vergangenen Tagen hatte es Spekulationen über mögliche Vorbereitungen für einen Raketenstart gegeben, nachdem auf Satellitenaufnahmen auffällige Aktivitäten auf dem Raketenproduktionsgelände Sanumdong entdeckt worden waren. Trump hatte daraufhin geäußert, es würde ihn „negativ überraschen“, wenn Kim etwas täte, „dass nicht unseren Abmachungen entspricht“.

          Das südkoreanische Präsidialamt warnte vor voreiligen Schlüssen. „Es ist schwierig, die derzeitige Lage allein anhand der Äußerungen von Choe Son-hui zu beurteilen“, hieß es in einer Stellungnahme. „Unter allen Umständen wird unsere Regierung sich um eine Wiederaufnahme der Gespräche zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten bemühen.“

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