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Kim Jong-un : Der Diktator als Mensch

Kim Jong-un (links) und Moon Jae-in haben den ersten Schritt zu einem Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea gemeistert. Bild: AFP

Nordkoreas Machthaber erscheint den Landsleuten im Süden nach dem historischen Gipfeltreffen nicht mehr als Karikatur. Doch die Südkoreaner bleiben vorsichtig – aus Erfahrung.

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          Eine reine Kim-Schau ist es nicht geworden. Doch viele Südkoreaner interessierten sich am Tag des historischen Gipfeltreffens im Waffenstillstandsort Panmunjom mehr für den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un als für die Abschlusserklärung. Zum ersten Mal hatten die Südkoreaner die Gelegenheit, Kim in längeren Übertragungen live im Fernsehen zu erleben. Zum ersten Mal hörten viele auch die Stimme Kims live. Manche Südkoreaner berichten, dass sich die Arbeitskollegen während der Übertragungen im Büro vor dem Fernseher versammelt hätten. „Bis jetzt war Kim immer wie eine Karikatur“, sagt eine Frau in Seoul. „Heute fühle ich zum ersten Mal, dass er real existiert.“

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Der nordkoreanische Despot machte von der Gelegenheit, die ihm Südkoreas Präsident Moon Jae-in bot, ausgiebig Gebrauch. Er lachte und scherzte. Er sprach ungeplant während eines Fototermins vor Journalisten. Er zeigte sich umgänglich und als aufmerksamer Zuhörer, als Moon und Kim auf einem Holzsteg direkt neben der Demarkationslinie ein längeres Gespräch unter sich führten. Wie zwei Vertraute flüsterten sich seine Frau und die Gattin Moons nach dem Dinner Bemerkungen zu.

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