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Gipfel zwischen Kim und Putin : Große Freundlichkeit, mehr nicht

  • -Aktualisiert am

Wladimir Putin begrüßt Kim Jong-un in Wladiwostok Bild: AFP

Mit seinem Treffen mit Kim Jong-un hat Wladimir Putin gezeigt, dass er in und um Korea wieder mitspielen will. Gebracht hat das Treffen aber nur Erwartbares – und die aktuellen Probleme Nordkoreas bleiben ungelöst.

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          Wenn man schon eigens betonen muss, es seien „substantielle“ Gespräche gewesen, dann ist Skepsis angebracht. Kim Jong-un und Wladimir Putin haben diese Formel am Donnerstag in Wladiwostok gebraucht. Herausgekommen ist allerlei, was man ohnehin erwarten konnte. Putin verlangt Sicherheitsgarantien für Nordkorea als Gegenleistung für dessen nukleare Abrüstung. So weit sind mittlerweile sogar schon die Amerikaner. Gleichzeitig hat Putin mit dieser Forderung aber auch bekräftigt, dass er eine Atommacht Nordkorea nicht will. Das ist verständlich, läuft aber dem entgegen, was Kim Jong-un seit Jahren energisch betreibt. Erst unter dem Eindruck des ersten Gipfeltreffens mit dem amerikanischen Präsidenten ließ sich der nordkoreanische Staatsführer zu einem allgemeinen Abrüstungsbekenntnis verleiten. Konkret wurde er wohlweislich auch bei dieser Gelegenheit nicht.

          Das wichtigste Hindernis für eine nukleare Abrüstung Nordkoreas ist weiterhin das tiefe Misstrauen Kims und der Militärführung in Pjöngjang gegenüber den Amerikanern. Es ist zumindest ungewiss, ob diese Leute selbst eine schriftliche Sicherheitsgarantie als solche auffassen würden. Putin jedenfalls hat mit diesem Treffen deutlich gemacht, dass er wieder mitspielen will in und um Korea. Die Vorschläge, die er in Wladiwostok gemacht hat, sind im unmittelbaren Interesse Russlands und seines Fernen Ostens, der wirtschaftlich unterentwickelt ist. Der große wirtschaftliche Preis für Russland ist nämlich nicht in Nordkorea, sondern im Süden der geteilten Halbinsel zu finden. Der Landweg von Südkorea nach Russland führt nun aber unweigerlich über den Norden. Dass dieser Teil Koreas von einer engeren Verbindung Russlands zu Südkorea auch profitieren würde, ist ein Kollateralnutzen, aber nicht der entscheidende Grund für Putins Initiative.

          Nordkorea hat ganz aktuelle Probleme. Diese hat sich Kim Jong-un selbst zuzuschreiben. Seine Welt ist vergleichsweise unkompliziert. Sie funktioniert, so hat er es gelernt, nach dem Prinzip „Sein Wille geschehe“. Mit diesem Weltbild ist Kim leider nicht mehr so allein wie noch vor einigen Jahren. Nur ist der Wille des einen „starken Mannes“ mit dem eines anderen nicht unbedingt vereinbar, selbst wenn die Beziehungen der zwei Staaten grundsätzlich gut sind.

          Beim Treffen mit Putin ist Kim im Grunde als Bittsteller aufgetreten. Er hatte nämlich den „starken Mann“ in Washington für jemanden gehalten, der wie er im Grunde machen kann was er will. Das wäre sicher nach dem Geschmack Donald Trumps, aber der muss sich – zumindest außerhalb seiner Twitter-Welt – mit dem amerikanischen politischen System arrangieren. Deshalb hat Kim von Trump keine Lockerung der Sanktionen bekommen. Das war aber offenbar „eingepreist“ in sein Programm zur wirtschaftlichen Entwicklung Nordkoreas.

          Nun sucht er Hilfe woanders, und womöglich bekommt er auch ein wenig. Putin ist nämlich ganz sicher nicht auf einen Regimewechsel in Pjöngjang aus. Aber Russland steht selbst unter Sanktionsdruck wegen eines Krieges gegen die Ukraine. Deshalb war von vornherein klar, dass der russische Präsident kein Füllhorn an Wohltaten über dem Nordkoreaner würde ausgießen können. Und so ist denn offensichtlich auch gekommen. Kim Jong-un hat große Freundlichkeit erfahren, viel mehr aber auch nicht.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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