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Vor Korea-Gipfel : Der Weg ist das Ziel

Und so kann man nur über mögliche Varianten spekulieren, die teilweise in Libyen oder in Ländern des ehemaligen Ostblocks angewendet wurden, wie zum Beispiel der Abbau von Anlagen zur Urananreicherung und Infrastruktur und der Entschärfung von  Atomsprengköpfen im Land unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO. Oder indem man die Sprengköpfe außer Landes schafft, um sie im Ausland unbrauchbar zu machen. Die Befindlichkeiten der Verbündeten sind dabei nicht zu ignorieren: Amerika könnte Nordkorea die Interkontinentalraketen zwar abverhandeln, mittels derer Kim Jong-un das amerikanische Festland bedroht – das könnte Trump zuhause als großen Erfolg verkaufen. Andererseits bliebe Japan in Reichweite kleinerer Raketen. Und auch im Falle einer eindeutigen atomaren Abrüstung würde Südkorea weiter durch konventionelle Waffen bedroht: Die Hauptstadt Seoul liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zum Norden entfernt. Lege man die Kriterien an, die Trump bei Iran anlegte, dann müsse „er wohl auch verlangen, dass Nordkorea umfangreich konventionell abrüstet“, sagt Wendy Sherman, die Bill Clintons Nordkorea-Beraterin war. Aber soweit wird es nicht kommen: Kim hat es alleine durch sein Atomprogramm geschafft, dass er in einer anderen Liga spielt als andere (aus der Sicht Amerikas) „Schurkenstaaten“.

Tritt Amerika zu fordernd und forsch auf, wird sich Kim Jong-un zurückziehen. Ohnehin ist die Frage: Wie verlässlich ist Nordkorea heute? In der Vergangenheit war es wankelmütig: Das Land war noch zu Zeiten Kim Il-sungs dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten, wollte ganz Korea zur atomwaffenfreien Zone erklären. Mit dem Genfer Rahmenabkommen unternahmen Amerika und Nordkorea den Versuch, den Atomkonflikt zu entschärfen – was nach Jahren der Verhandlungen und Rückschläge misslang. 2003 trat Nordkorea aus dem Atomwaffensperrvertrag aus, nachdem der neue amerikanische Präsident George W. Bush Nordkorea in die „Achse des Bösen“ eingruppiert hatte. Nach den hoffnungsvollen Jahren der Bill-Clinton-Ära folgten seitdem eigentlich nur weitere Tiefschläge – bis nun mit der Regierung Trump tatsächlich Bewegung in den eingefahrenen Konflikt gekommen ist. Jetzt kommt es allerdings auf einen guten Zeitplan an: Sollte sich Kim bereiterklären, sein Atomwaffenarsenal zu verschrotten, wäre die Amtszeit Trumps bis Anfang 2021 ein möglicher Zeitkorridor – wer weiß, wer danach im Weißen Haus ganz andere Vorstellungen in Sachen Korea entwickelt? So oder so: Seit die amerikanische Regierung das Iran-Abkommen hat platzen lassen, bestehen auch an der Verlässlichkeit Amerikas Zweifel.

Werden die Sanktionen gelockert?

Die nordkoreanische Wirtschaft ächzt unter den strengsten Sanktionen, mit denen das Land je belegt war. Sie betreffen längst nicht mehr nur Militärgüter, sondern blockieren praktisch den gesamten Außenhandel: Rohstoffe, Luxusgüter, Maschinenteile, kommerzielle Tätigkeiten und Dienstleistungen, Geldtransfers, Reisen von Angehörigen der Elite. Die Vereinten Nationen haben damit einen festen undurchlässigen Ring um Nordkorea gelegt, und die EU flankiert dies mit eigenen Maßnahmen, wie zum Beispiel damit, dass Arbeitskräfte keine Genehmigung mehr bekommen, in einem EU-Staat tätig zu werden. Kim Jong-un hat mehr als einmal versprochen, den Lebensstandard seiner noch immer in weiten Teilen verarmten Bevölkerung zu heben. Ein Mitarbeiter der nordkoreanischen Botschaft in Berlin betonte im Gespräch mit FAZ.NET mehrfach, wie wichtig es sei, die Sanktionen zu lockern. Es sei unmöglich, „eine Maschine zu importieren“. Die Lockerung der Sanktionen ist oberstes Ziel der Friedensbemühungen, vielleicht sogar das zentrale Motiv für Kim Jong-un, mit den Amerikanern zu verhandeln. Das wurde auch in diesem Gespräch deutlich.

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