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Vor Korea-Gipfel : Der Weg ist das Ziel

Allerdings birgt ein Friede für beide Staaten innenpolitische Risiken: Kim Jong-un legitimiert seinen repressiven Staatsapparat zu einem großen Teil mit der angeblichen Aggression Amerikas. Selbst für die Hungersnot in den neunziger Jahren machte Pjöngjang Washington  verantwortlich. Amerika ist im Alltag der Nordkoreaner präsent, in einer Mischung aus Faszination für die Fast-Food- und Micky-Maus-Kultur (Disney-Figuren sind hoch im Kurs und an U-Bahnstationen zu kaufen) und Abscheu vor angeblichen Greueltaten der Amerikaner während des Korea-Krieges, wovon die Kriegsmuseen in vielen nordkoreanischen Städten Zeugnis ablegen. Aber: „Dauerhaft wird das nordkoreanische Regime nicht überleben, wenn es alleine das Feindbild USA als Existenzgrundlage ansieht“, sagt Hanns-Günther Hilpert von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Auch Trump steht innenpolitisch unter Druck: Ein Friedensvertrag sei eine der größten Fallen, in die der amerikanische Präsident zu tappen in Gefahr ist, sagte jüngst zum Beispiel Evans Revere, ein früherer Korea-Unterhändler, weil man Nordkorea künftig weniger unter Druck setzen könne und es unwahrscheinlicher werde, dass Kim bei der Abrüstung weitere Zugeständnisse mache.

Was passiert mit dem Atom- und Raketenprogramm?

Die zentrale Frage in den Verhandlungen. Suzanne DiMaggio, Direktor beim amerikanischen Think Tank „New America Foundation“ hält ein „allgemeines Statement, das eine vollständige Denuklearisierung als Zielmarke eines Prozesses vorsieht, für das bestmögliche Ergebnis“ des morgigen Gipfels. Mit einer Friedensvereinbarung wäre der erste Schritt getan hin in Richtung einer Denuklearisierung – das ist das schwierigste Thema zwischen Nordkorea und Amerika. Nochmal erinnert: Bereits Staatsgründer Kim Il-sung hatte das Kernwaffenprogramm initiiert, das sein Sohn Kim Jong-il vorantrieb. Kim Jong-un hat da nahtlos weitergemacht, seit 2012 bezeichnet sich das Land in der Verfassung als Atommacht. Für Kim Jong-un ist das Atomprogramm zentrale Überlebensgarantie seines Regimes, in Pjöngjang ist man sich sehr bewusst, wie es anderen Diktatoren wie dem libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi ergangen war, der auf sein allerdings noch nicht weit gediehenes Atomprogramm verzichtet hatte.

Vor dem Hintergrund ist es verständlich, dass in Washington und Pjöngjang verschiedene Ansichten darüber existieren, was unter Denuklearisierung zu verstehen ist. Amerika will eine vollständige Aufgabe des Atomprogramms und Zugang zu allen Anlagen, um sicherzustellen, dass die atomare Abrüstung vollständig und endgültig ist. Kim Jong-un hat mehrfach seinen „unveränderten, beständigen und festen Willen zur Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel“ bekräftigt. Das ist viel und zugleich vage: Wie lange ein solcher Prozess dauern könnte, und welchen Preis er dafür von Amerika und der Staatengemeinschaft verlangt, sagt der kühle Stratege Kim nicht, bislang zumindest nicht. Hören wir dazu morgen mehr? Es ist unwahrscheinlich, dass er in nächster Zeit auf sein Atomprogramm verzichten wird. Und sollte er einem Rückbau zustimmen, hieße das noch lange nicht, dass der Plan umgesetzt wird.

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