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Vor Korea-Gipfel : Der Weg ist das Ziel

Die Hürden sind also hoch, der Ton gesetzt – und es kann eigentlich nur schiefgehen. Andererseits: Das erste so symbolträchtige Treffen könnte auch vergleichsweise leicht sein, Absichtsbekundungen des guten Willens sind nicht sonderlich kontrovers. Konkret wird es vielleicht erst später – und damit komplizierter. Beim morgigen Gipfel wird es erst einmal um Vertrauensbildung gehen und um einen Plan, an dessen Ziel eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel stehen könnte. Doch bis dahin ist es ein langer Weg – der mit diesen steinigen Themen gepflastert ist:

Gibt es einen Friedensvertrag?

Offiziell gilt noch immer das Waffenstillstandsabkommen von 1953, mit dem Nordkorea und Amerika den blutigen Korea-Krieg beendet hatten. Mit der provisorisch gemeinten Vereinbarung schufen die Staaten einen permanenten Kalten Krieg zwischen Nord- und Südkorea und der Schutzmacht des Südens, Amerika. Die rund vier Kilometer breite demilitarisierte Zone zieht sich seitdem wie eine tiefe, nie heilende Narbe durch das geteilte Land, immer in der Gefahr, wieder aufzureißen und zu bluten. Alle wissen: Die nächste Blutung wird kaum zu stoppen sein. Eigentlich hätte es längst eine Abmachung geben sollen, die den Kriegszustand beendet und die rund 30.000 amerikanischen Soldaten zum Abzug verpflichtet, aber nichts ist passiert in den vergangenen Jahrzehnten. Mit dem permanenten Kriegszustand legitimieren die nordkoreanischen Machthaber ihre Politik der Indoktrination der eigenen Bevölkerung: Jedes Kleinkind lernt im Kindergärten, dass die Landesverteidigung gegen den „amerikanischen Aggressor“ erste Bürgerpflicht ist. Die Koreanische Volksarmee ist nach der Chinas die zweitgrößte Asiens, rund eine Million Menschen bei einer Bevölkerungszahl von rund 24 Millionen stehen unter Waffen.

Es ist logisch: Bevor Kim darüber nachdenkt, seine wichtigste Waffe, die Atombombe, aus der Hand zu geben, wird er Sicherheitsgarantien verlangen, für die Souveränität des Landes und letztlich auch für sein Regime, das seit Gründung der Volksrepublik 1948 fest in Familienhand ist. Ein Friedensvertrag könnte der berühmte erste Schritt sein, aus Nordkorea einen „ganz normalen Staat“ zu machen, der diplomatische Kontakte auch mit Amerika hält. Bislang bestehen keine offiziellen diplomatischen Verbindungen nach Washington. Die Vorteile einer Friedensvereinbarung würden sowohl für Nordkorea als auch Amerika überwiegen: Für den weithin isolierten Norden könnten Sanktionsschranken fallen und der Tourismus angekurbelt werden. Trump könnte sich rühmen, das zu erreicht zu haben, woran alle seine Vorgänger gescheitert sind: Frieden in Korea. Amerikas Einfluss würde über den Süden Koreas hinaus wachsen, bis an die Grenzen Chinas (worüber die Chinesen nicht begeistert wären).

Ein solcher Friedensvertrag müsste allerdings (ob explizit oder zwischen den Zeilen) eine Art Nicht-Angriffsversprechen beinhalten. Und darin liegt die Crux: Ein komplexer Vertrag müsste Auskunft darüber geben, ob amerikanische Truppen aus Südkorea abziehen und was aus der schwerbewachten demilitarisierten Zone wird . Soweit wird es vorerst nicht kommen. Wahrscheinlicher erscheint eine lose Vereinbarung, in der sich beide Seiten den Verzicht auf feindliche Handlungen versprechen.

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