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Nordkorea provoziert weiter : Trump nicht glücklich über Raketentests

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Dieses Foto der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA soll den Abschuss von Raketen am 10. Mai 2019 zeigen, ohne Ort oder Waffentyp näher zu bestimmen. Bild: AFP

Während Südkoreas Militär zuvor von Kurzstreckenraketen sprach, meldet Nordkorea nun einen Test von Langstreckenraketen. Amerikas Präsident sieht die Chancen für eine Fortsetzung der Gespräche nun schwinden.

          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA eine Übung zu einem „Langstrecken-Angriff“ beaufsichtigt. „Auf dem Kommandoposten hat der Oberste Führer Kim Jong-un die Anweisung zum Start der Übung gegeben", berichtete KCNA am Freitag. Die südkoreanische Armee hatte am Donnerstag erklärt, bei den abgefeuerten Geschossen habe es sich anscheinend um Kurzstreckenraketen gehandelt.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump sieht die Chancen für eine rasche Fortsetzung der bilateralen Atomgespräche nun schwinden. Er wisse, dass die Nordkoreaner verhandeln wollten, sagte Trump am Donnerstag (Ortszeit) in Washington in Anspielung auf die festgefahrenen Gespräche über das Atomwaffenprogramm Nordkoreas. „Doch denke ich nicht, dass sie bereit sind, zu verhandeln“, sagte Trump als Reaktion auf die Tests. Niemand sei glücklich über die Tests, aber die Beziehungen blieben.

          KCNA machte keine Angaben dazu, welche Art von Waffen abgefeuert wurden. In der Mitteilung wurden Wörter wie Rakete, Geschoss oder Projektil vermieden. Die Übung sei „erfolgreich“ gewesen, berichtete die Staatsagentur. Sie sei darauf ausgelegt gewesen, „die Fähigkeit zu schneller Reaktion der Verteidigungseinheiten“ zu prüfen. Die Einheiten hätten ihre „Macht“ bei dem Test unter Beweis gestellt.

          Der Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums, Dave Eastburn, sprach laut Berichten südkoreanischer Medien von „mehreren ballistischen Raketen“, die Nordkoreas Militär vom Nordwesten des Landes abgeschossen habe. UN-Resolutionen verbieten dem Land – das mehrfach Atombomben getestet hat – die Starts ballistischer Raketen kurzer, mittlerer und langer Reichweite. Solche Raketen sind in aller Regel Boden-Boden-Raketen, die einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf befördern können.

          Südkoreas Generalstab hatte am Donnerstag erklärt, Nordkorea habe zwei Raketen abgefeuert, bei denen es sich anscheinend um Kurzstreckenraketen gehandelt habe. Die Raketen seien vom nordkoreanischen Stützpunkt Kusong in der westlichen Provinz Pyongan in Richtung Osten abgeschossen worden.

          Es war der zweite Waffentest innerhalb einer Woche. Bereits am Wochenende hatte Nordkorea mit einem neuerlichen Waffentest provoziert. Ebenfalls unter der Aufsicht von Kim wurden laut KCNA am Samstag Langstrecken-Mehrfachraketenwerfer und taktische Lenkwaffen getestet.

          Die Entwicklungen könnten zu neuen Spannungen zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten führen. Die nordkoreanischen Waffentests werden in Seoul auch als Versuch der kommunistischen Führung in Pjöngjang gesehen, den Druck auf die Vereinigten Staaten zu erhöhen. Seit dem Scheitern des zweiten Gipfeltreffens zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un im Februar in Vietnam ist die Verunsicherung in der Region gewachsen

          Unterdessen hat die amerikanische Regierung ihre Bemühungen zur Bergung von Gebeinen amerikanischer Soldaten aus dem Korea-Krieg in Nordkorea ausgesetzt. Das nordkoreanische Militär habe schon vor dem zweiten Gipfel von Trump und Kim im Februar die Kommunikation eingestellt, teilte das Pentagon am Donnerstag (Ortszeit) mit. Für das bis Ende September laufende Haushaltsjahr sei es nun zu spät, noch eine gemeinsame Bergungsoperation einzuleiten.

          Kim hatte Trump beim ersten Gipfel in Singapur im Juni vergangenen Jahres zugesagt, sterbliche Überreste amerikanischer Soldaten aus dem Korea-Krieg (1950-53) überführen zu lassen. Im August hatte eine amerikanische Militärmaschine 55 Särge mit sterblichen Überresten von mutmaßlich im Korea-Krieg gestorbenen Soldaten von Nordkorea nach Hawaii geflogen. Trump hat sich Kim für die Überführung der Gebeine bedankt.

          Im Korea-Krieg waren rund 33.000 amerikanische Soldaten getötet worden, hinzu kamen mehr als 8000 Vermisste. Zwischen 1996 und 2005 gruben amerikanische Teams bereits die Gebeine von mehr als 220 Soldaten in Nordkorea aus – die Aktion wurde jedoch 2005 wegen Sicherheitsbedenken abgebrochen.

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