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Kim Jong-un in China : Hand in Hand

Bilder von Kim Jong-un und Xi Jinping werden am Dienstag in einer Bahnstation in Seoul gezeigt Bild: AP

Vor seinem geplanten zweiten Gipfeltreffen mit Donald Trump reist der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un nach Peking. Er holt sich Rückendeckung bei Xi Jinping – und auch dem nutzt der Besuch.

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          Der englischsprachige Kanal des chinesischen Staatsfernsehens brachte es am Dienstag auf die Formel: „Kim Jong-un besucht China, bevor er Trump und Moon trifft.“ Am Morgen war der nordkoreanische Machthaber mit seinem Privatzug in Begleitung seiner Frau Ri Sol-ju in Peking eingetroffen. Ausgerechnet an seinem mutmaßlich 35.Geburtstag.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Es ist sein vierter China-Besuch innerhalb von nur zehn Monaten. Die ersten drei Male fanden jeweils kurz vor oder nach den Gipfeltreffen Kim Jong-uns mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in statt. Und so liegt die Vermutung nahe, dass auch diesmal das Timing kein Zufall ist: Erst am Sonntag hatte Trump verkündet, es gebe bereits Verhandlungen mit Nordkorea über den Ort eines zweiten Treffens zwischen ihm und Kim Jong-un. „In nicht so ferner Zukunft“ werde das Ergebnis verkündet.

          Im Gegensatz zu den öffentlichkeitswirksamen Gipfeln mit Trump und Moon fiel Kims Besuch in Peking am Dienstag äußerst verschwiegen, farblos und bilderarm aus. Wie schon bei den vorigen Malen kündigte er sich durch ungewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen in der chinesischen Grenzstadt Dandong an. Dort wurden Hotelgäste, die Zimmer mit Blick auf die Eisenbahnbrücke über den Fluss Yalu gebucht hatten, am Abend vorübergehend ausquartiert. Dennoch wurde kurz nach zehn Uhr abends Ortszeit der charakteristische grün-gelbe Privatzug der Kim-Dynastie gesichtet. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es erst am Montagmorgen. Die Bilder des Konvois, mit dem der hohe Gast vom Pekinger Bahnhof ins staatliche Gästehaus Diaoyutai gebracht wurde, blieben bis zum Abend die einzigen sichtbaren Belege für die Anwesenheit Kims.

          Weder wurde das Programm des immerhin drei Tage dauernden Besuchs mitgeteilt, noch wurde verkündet, mit wem Kim Jong-un wann über welche Themen beraten werde. Nicht einmal Geburtstagsglückwünsche gab es für Kim Jong-un, der nach Angaben einer Sanktionsliste des amerikanischen Finanzministeriums am 8. Januar 1984 geboren wurde. Aus Pjöngjang gibt es dazu keine offiziellen Angaben. Anders als an den Geburtstagen von Kims Vater und Großvater gibt es keinen entsprechenden Feiertag.

          Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte in seiner täglichen Pressekonferenz lediglich, beide Seiten würden sich über internationale Themen von beiderseitigem Interesse austauschen. Weitere Informationen würden „rechtzeitig“ bekanntgegeben. Die Abendnachrichten beließen es bei einem einzigen Satz. Der Besuch erfolge auf Einladung von Präsident Xi Jinping und werde bis Donnerstag dauern.

          Zu einem Gegenbesuch in Pjöngjang konnte dieser sich trotz Einladung und entsprechender Absichtserklärung bisher nicht durchringen. Und so steht es 4 zu 0, woran sich ablesen lässt, wer in der ungleichen Beziehung den Ton angibt. Ein Austausch vor dem geplanten Treffen Kim Jong-uns mit Donald Trump dürfte allerdings in beiderseitigem Interesse sein. Der nordkoreanische Machthaber holt sich Rückendeckung für sein selbstbewussteres Auftreten gegenüber Washington. In seiner Neujahrsansprache hatte er gedroht, „einen neuen Weg“ einzuschlagen, wenn die Vereinigten Staaten „aus einer Fehleinschätzung der Geduld unseres Volkes ... darauf beharren, Sanktionen gegen unsere Republik zu verhängen“.

          Wichtigster Handelspartner für Pjöngjang

          China ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner Nordkoreas. Wirksame Sanktionen lassen sich nur mit Unterstützung Pekings aufrechterhalten – oder eben aufweichen. Deutlicher als bisher hatte er zudem ein Ende der Entsendung amerikanischer „strategischer Waffen“ in die Region gefordert, worunter im koreanischen Kontext meist Flugzeugträger, B-52-Bomber, Tarnkappenflugzeuge und Atom-U-Boote gemeint sind. Das zumindest wäre sehr in Chinas Sinne, das die amerikanische Militärpräsenz vor der eigenen Haustür mit Argwohn betrachtet.

          Kim Jong-un hatte in seiner Neujahrsansprache zudem Chinas Rolle hervorgehoben, indem er „Mehr-Parteien-Verhandlungen“ über einen „Friedensmechanismus“ in enger Zusammenarbeit mit „den Unterzeichnern“ des Waffenstillstandsabkommens von 1953 forderte. Dazu gehört auch China.

          Peking dürfte es nicht unlieb sein, dass der Besuch mit der Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine Lösung des Handelskonflikts mit Amerika zusammenfällt. So kann es daran erinnern, dass Amerika China zur Lösung der Nordkorea-Krise braucht.

          Kim Jong-un am 27. März 2018 bei einem Besuch in Peking mit Xi Jinping

          Wichtiger für Peking ist an Kims Besuch aber, dass es so eng in den Verhandlungsprozess eingebunden bleibt und direkt Einfluss nehmen kann. Ein Worst-Case-Szenario aus chinesischer Sicht wäre es, wenn sich Nordkorea im Falle einer Einigung im Atomstreit allzu sehr an Washington annähern würde. Vor diesem Hintergrund dürfte man in Peking nicht erfreut über südkoreanische Berichte vom Dienstag gewesen sein, wonach die vietnamesische Hauptstadt Hanoi als Ort des Treffens zwischen Trump und Kim im Gespräch ist. Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo hatte Nordkorea Vietnam schon im Sommer als Vorbild für seine wirtschaftliche Entwicklung empfohlen. Diese Rolle würde China gern übernehmen. Pompeo hatte Vietnam wohl auch politisch als Vorbild im Kopf, denn bei einem Besuch in Hanoi könnte Kim Jong-un studieren, wie ein einst erbitterter Feind der Vereinigten Staaten inzwischen deren Nähe sucht – als Gegengewicht zu China.

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