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Überraschungsbesuch in China : Kim Jong-un, der gewiefte Taktiker

Gute Laune im bösen Spiel? Kim Jong-un (l.) mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping, umrahmt von den beiden Ehefrauen Peng Ligyuan /r.) und Ri Sol-ju (l.) Bild: AFP

Mit dem Empfang durch Chinas Staatspräsidenten Xi gelingt Nordkoreas Machthaber ein kleiner strategischer Befreiungsschlag. Und auch Peking ist zurück im Spiel. Eine Analyse.

          3 Min.

          Kein Land der Welt umnebelt sich mit so viel Geheimnissen wie Nordkorea. Warum sollte es bei einem simplen Staatsbesuch anders sein? Und so hat sich heute erst bestätigt, was seit Sonntag die Runde machte: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un könnte zu seinem ersten Staatsbesuch im Ausland sein – in Chinas Hauptstadt Peking.

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wobei: Ganz so simpel war dieser Staatsbesuch natürlich nicht. Er ist nach Jahren der diplomatischen Eiszeit mit dem traditionellen Verbündeten China ein mächtiges Signal in mehrere Richtungen, so mächtig wie die sorgsam arrangierten und choreografierten politischen Volten Pjöngjangs und Pekings nun mal sind. Nordkorea will sich mit dem Treffen wieder mehr Spielraum verschaffen, sich aus der Situation der vollständigen Isolation befreien, in die es sich selbst hineinmanövriert hatte. Und China meldet sich wieder zurück, als wichtige Stimme im diplomatischen Nervenkrieg, den bislang Nordkorea und Amerika (besser: der amerikanische Präsident Donald Trump) beherrschen.

          Oftmals unwirsch und unzufrieden

          China ist der traditionelle Verbündete Nordkoreas, kämpfte im Korea-Krieg auf Seiten von Kim Jong-uns Großvater Kim Il-sung und hat sich stets für den kleinen Bruderstaat eingesetzt, wenn auch oftmals unwirsch und unzufrieden. Zuletzt jedoch war das Verhältnis extrem abgekühlt: China trägt die UN-Sanktionen mit, macht hin und wieder die Grenzen dicht für chinesische Touristen und setzt das Land auch auf internationalem Parkett für seine Verhältnisse stark unter Druck. Einen “regime change“ wollen die politisch Verantwortlichen in Peking nicht, aber auch keine Atommacht Nordkorea. Zwar ist China in wirtschaftlicher Hinsicht nicht auf die Importe Nordkoreas angewiesen, andererseits will Peking um fast jeden Preis verhindern, dass um Nordkorea ein Krieg entbrennt, der die Region in politischer und ökonomischer Hinsicht völlig destabilisieren könnte. Alleine deshalb ist eine Entspannung der Krise auf der koreanischen Halbinsel im Interesse Chinas.

          Zudem war zuletzt aufgefallen, dass China im Konflikt um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm offenbar nur noch wenig mäßigenden Einfluss auf den kleinen Bruderstaat geltend machen konnte. Der Streit, die rhetorischen Scharmützel liefen ohnehin zwischen Nordkorea und Amerika ab, China war fast zum Zuschauer verdammt. Mit den öffentlichkeitswirksamen Fernsehbildern auf dem chinesischen Staatssender CCTV setzt Staatspräsident Xi Jinping das Signal, wieder mitzuspielen, ein deutliches Signal: Wenn man die sorgsam ausgewählten Bilder anschaut, beschleicht einen der Eindruck, hier kommt der kleine Bruder (Kim Jong-un) zum großen Bruder (China) zum Rapport. Die Bilder sprechen eine klare Sprache: Die Kräfteverhältnisse sind wieder hergestellt. 

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