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Machthaber zurück in Nordkorea : Kim lässt sich feiern

  • -Aktualisiert am

Kim Jong-un sieht sich auf Augenhöhe mit dem amerikanischen Präsidenten. Bild: AP

Der Diktator aus Pjöngjang sieht sich als Sieger des Korea-Gipfels – und redet nur vage von Abrüstung. Doch welche Seite macht jetzt den nächsten Schritt?

          Nach dem Gipfel in Singapur hatte Donald Trump eine klare Erwartung geäußert: Sobald Kim Jong-un in Pjöngjang gelandet sei, werde er sich an die Arbeit machen und „einen Prozess beginnen, der viele Leute sehr glücklich und sehr sicher machen wird“. Doch Nordkoreas Machthaber hat die Vereinbarungen des Treffens offenbar anders verstanden. Er machte am Mittwoch deutlich, dass er den Ball in Trumps Feld sieht. Sofern die Vereinigten Staaten vertrauensbildende Maßnahmen unternähmen, sei sein Land bereit, „weiterhin zusätzliche Maßnahmen des guten Willens“ zu ergreifen, sagte Kim laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA.

          Zunächst aber ließ sich der Machthaber nach seiner Ankunft als Staatsmann und erfolgreicher Verhandler feiern. Wie in Pjöngjang üblich, berichtete selbst das Staatsfernsehen erst mit einem Tag Verzögerung über das „epochale Treffen“ Kims mit dem amerikanischen Präsidenten. Zum ersten Mal, hieß es in den Berichten, hätten nordkoreanische und amerikanische Flaggen nebeneinander gestanden. Die Staatszeitung „Rodong Sinmun“ veröffentlichte auf ihren ersten drei Seiten insgesamt 14 Bilder der beiden Führer vor den Flaggen beider Länder. Womöglich sahen viele Nordkoreaner am Mittwoch zum ersten Mal ein Foto des amerikanischen Präsidenten.

          Die Staatsmedien hoben die Zugeständnisse hervor, die Trump gegenüber Nordkorea gemacht habe. Neben der Aussetzung gemeinsamer Militärübungen mit Südkorea habe der Präsident auch „eine Aufhebung der Sanktionen“ im Zuge einer Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen zugesagt. Trump hatte bei der Pressekonferenz in Singapur gesagt, die Sanktionen würden aufgehoben, „wenn wir sicher sind, dass die Atombomben kein Faktor mehr sind“.

          Welche Zusicherungen gab Nordkorea?

          Von einer nuklearen Abrüstung ist in den nordkoreanischen Berichten aber nur vage und eher beiläufig die Rede. „Kim Jong-un und Trump waren sich einig, dass es wichtig ist, dem Prinzip der schrittweisen und simultanen Handlungen zu folgen, um Frieden, Stabilität und eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel zu erreichen“, meldete die KCNA.

          Mit keinem Wort erwähnten die Staatsmedien, zu welchen Gegenleistungen das Regime gegenüber Amerika bereit sein könnte. Die von Präsident Trump hervorgehobene Zerstörung einer Testanlage für Raketenantriebe wurde nicht erwähnt. Kim Jong-un sagte in Pjöngjang lediglich, es müssten „legale und institutionelle Schritte“ unternommen sowie „dringend mutige Entscheidungen getroffen werden, um irritierende und feindliche militärische Handlungen gegeneinander zu beenden“.

          Die einzige konkrete Anweisung, die Kim Jong-un laut den Berichten gab, betraf die Rückführung der Gebeine amerikanischer Soldaten, die im Koreakrieg gefallen waren. Das war einer von vier Punkten des Gipfelkommuniqués gewesen. Immerhin schworen die Medien die Bevölkerung des Landes aber auf Wandel ein. Der Gipfel wurde als Beginn eines Versöhnungsprozesses „zum ersten Mal in den siebzig langen Jahren“ des Konflikts beschrieben. Kim und Trump hätten sich auf ein Ende der Feindseligkeiten zwischen beiden Ländern und „eine neue Zukunft“ geeinigt.

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