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Nordkorea : Kim Jong-un entschuldigt sich für erschossenen Südkoreaner

Entschuldigung im Fernsehen: Nordkoreas Führer Kim Jong Un Bild: AFP

In nordkoreanischen Gewässern wurde ein Südkoreaner erschossen. Die Bemühungen, die zum Erliegen gekommenen Gespräche zwischen Süden und Norden wieder aufzunehmen, erschwert das.

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          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat sich nach südkoreanischen Angaben für die Tötung eines Südkoreaners entschuldigt, der in nordkoreanischen Gewässern von Soldaten erschossen worden war. Die Regierung in Seoul zitierte Kim mit den Worten: „Es tut mir zutiefst leid, dass etwas Unerwartetes und Bedauerliches in unseren Gewässern geschehen ist, das eine große Enttäuschung für Präsident Moon Jae-in und die Menschen im Süden bedeutet.“ Die Äußerung Kims sei in einer Mitteilung an Präsident Moon enthalten gewesen, teilte der Direktor des Nationalen Sicherheitsrats, Suh Hoon, am Freitag in Seoul mit. Auf welchem Weg sie übermittelt wurde, sagte er nicht. Es wäre die erste überlieferte Entschuldigung, die Kim Jong-un persönlich gegenüber dem Süden geäußert hätte. In nordkoreanischen Medien wurde darüber zunächst nicht berichtet.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Bei dem getöteten Mann soll es sich um einen Mitarbeiter der Fischereibehörde handeln. Nach Berichten südkoreanischer Medien soll er finanzielle Probleme gehabt haben. Es wird vermutet, dass er versuchte, in den Norden überzulaufen. Nach südkoreanischen Angaben wurde der Mann im Wasser treibend von einem Patrouillenboot entdeckt, zunächst befragt und auf „Anordnung einer höheren Stelle“ getötet.

          Der Vorfall hat in Südkorea für Abscheu und Empörung gesorgt und erschwert die Bemühungen von Präsident Moon Jae-in, die zum Erliegen gekommenen Gespräche mit dem Norden wiederzubeleben. Moon hatte von Pjöngjang eine Entschuldigung und Aufklärung gefordert. Offenbar ist Kim Jong-un nicht an einer weiteren Eskalation der Beziehungen gelegen. In der Depesche an Seoul wurden auch die Ergebnisse einer Untersuchung des tödlichen Vorfalls übermittelt, wie der Direktor des Sicherheitsrats weiter mitteilte.

          Demnach behauptet Pjöngjang, der Mann habe versucht zu fliehen. In Seoul vermutet man, dass der Leichnam verbrannt wurde, um die Gefahr einer Einschleppung des Coronavirus zu verhindern. Aus dem gleichen Grund soll die Führung in Pjöngjang einen Schießbefehl für die Grenze erteilt haben, der sich in erster Linie gegen Schmuggler aus China richten soll. Offenbar in dem Versuch, eine Krise abzuwenden, veröffentlichte die südkoreanische Regierung zudem einen früheren Brief Kim Jong-uns, in dem dieser dem Süden sein Mitgefühl im Kampf gegen das Coronavirus ausdrückte.

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