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Kim Jong-un : Der Thronfolger

  • -Aktualisiert am

Augerechnet in der Schweiz scheint der designierte neue Führer auf die Schule gegangen zu sein Bild: REUTERS

Der 27 Jahre alte Kim Jong-un ist zum Nachfolger seines Vaters an der Staatsspitze vorgesehen. Da sind sich die Nordkorea-Beobachter in Südkorea sicher. Es wäre die erste dynastische Erbfolge über drei Generationen in einem kommunistischen Staat.

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          Millionen Drucke seines Porträts, gemalt von den besten Künstlern des Landes, sind schon lange fertig. Und auch die kleinen Anstecknadeln mit dem Bild des jungen Mannes neben seinem Großvater und Vater sind bereits in Auftrag gegeben. Nun ist der 27 Jahre alte Kim Jong-un zum General befördert und als Vizevorsitzender in die zentrale Militärkommission der regierenden Arbeiterpartei berufen worden, und die nordkoreanische Bevölkerung liest zum ersten Mal seinen Namen. Doch die wahre Bedeutung der Beförderung bleibt unausgesprochen: Kim Jong-un ist, da sind sich die Nordkorea-Beobachter in Südkorea sicher, zum Nachfolger seines Vaters an der Staatsspitze vorgesehen.

          Damit ist die erste dynastische Erbfolge über drei Generationen in einem kommunistischen Staat eingeleitet. Die „Blutlinie“ der Kims, so die Propaganda, soll Nordkorea weiter regieren. Der dritte Sohn, auf den Machthaber Kim Jong-il seine Hoffnungen für einen Erhalt seiner Dynastie setzt, hat seine beiden älteren Brüder im Kampf um die „Thronfolge“ ausgestochen. Was ihn für die Nachfolge qualifiziert, bleibt, wie vieles im abgeschotteten Nordkorea, ein Geheimnis. Ziemlich sicher aber scheint, dass der designierte neue Führer des strikt kommunistisch regierten Nordkorea ausgerechnet in der Schweiz auf die Schule gegangen ist.

          Die aggressive Art des Vaters

          Unter dem Namen Pak Un soll er von 1988 bis 2000 eine deutschsprachige Schule in Bern besucht haben. Gemeldet war er als Sohn eines Diplomaten der nordkoreanischen Botschaft. Doch seine Eltern erschienen nie in der Schule, und Kim Jong-un hat zumindest einem Schulkameraden einmal anvertraut, dass er der Sohn des nordkoreanischen Führers sei. Mitschüler beschrieben ihn als schüchtern, aber ehrgeizig im Sport. Er spielte gerne Basketball und schaute gern Action-Filme.

          Ob er diese Hobbys in Nordkorea weiter pflegen konnte, ist nicht bekannt. Sein Vater hat ihn irgendwann nach seiner Rückkehr auf die Militärakademie geschickt. Dort zeigte der junge Mann offenbar Qualitäten, die Kim Jong-il an seinen beiden älteren Söhnen vermisste. Ein japanischer Koch, der eine Zeitlang für den nordkoreanischen Machthaber arbeitete und die Familie beobachten konnte, hat berichtet, dass Kim Jong-un von den drei Söhnen derjenige sei, der dem Vater am ähnlichsten ist.

          Offenbar hat er die aggressive Art seines Vaters geerbt, denn südkoreanische Nordkorea-Beobachter haben in Erfahrung gebracht, dass es Kim Jong-un war, der im März dieses Jahres den Torpedo-Angriff auf das südkoreanische Kriegsschiff Cheonan geplant hat, bei dem 46 südkoreanische Seeleute getötet wurden. Wahrscheinlich habe sich der junge Kim Jong-un mit der Tat empfehlen wollen.

          Dass Kim Jong-un seine politische Laufbahn als General beginnt, folgt einer inneren Logik des nordkoreanischen Systems. Auch sein Großvater, Staatsgründer Kim Il-sung, hat seine revolutionäre Laufbahn als General begonnen und wird noch heute in den Legenden für seine ruhmreichen Taten als „junger General“ gepriesen. Nun soll der dritte Herrscher der Kim-Dynastie dem Volk als ein neuer fähiger „junger General“ angepriesen werden.

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