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Ranghohe Militärs abgesetzt : Machtwechsel auf Nordkoreanisch

Kim Jong-un setzt sich vermehrt für wirtschaftliche Projekte in Nordkorea ein, wie hier in Wonsan. Kim Su-gil, gerade in die Riege der führenden Militärs aufgerückt, notiert sich jedes Wort. Bild: Reuters

Diktator Kim Jong-un baut den Militärapparat um und setzt offenbar drei ranghohe Militärs ab – standen sie der Annäherung an Amerika kritisch gegenüber?

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          Als Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un vergangene Woche die Baustelle des touristischen Strandresorts in Wonsan inspizierte, stand ein General namens Kim Su-gil neben ihm und schrieb eifrig die Anweisungen des Obersten Führers mit. In den Berichten der Staatsmedien über die Visite wurde der General anschließend als Direktor der Politischen Hauptverwaltung von Koreas Volksarmee bezeichnet. Der hatte allerdings bis vor kurzem noch Kim Jong-gak geheißen. So erfuhr die nordkoreanische Öffentlichkeit, dass einer der führenden Militärs des Landes abgesetzt und durch den bisherigen Parteichef der Hauptstadt Pjöngjang ersetzt worden war. Es war die übliche Art und Weise, eine solche Entscheidung bekanntzugeben.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Knapp drei Wochen vorher hatte die Zentrale Militärkommission getagt. Staatsmedien berichteten seinerzeit, es habe bei diesem Anlass allerhand Personalrochaden gegeben. Namen nannten sie aber nicht. Womöglich betrafen die Wechsel auch die beiden höchsten Posten des Militärs: den des Verteidigungsministers und den des Generalstabschefs. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete am Montag unter Berufung auf einen Geheimdienstmitarbeiter, die bisherigen Amtsträger seien ausgetauscht worden. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.

          Neuer Verteidigungsminister ist demnach der bisherige Stellvertreter No Kwang-chol. Er war zuvor auch Vorsitzender des sogenannten Zweiten Wirtschaftsausschusses, der für die Rüstungsindustrie zuständig ist und die Produktion, den Kauf und den Verkauf von Waffen koordiniert. Die von Yonhap zitierte Quelle bezeichnet No als „moderat“, ohne das allerdings näher zu begründen. Es ist nicht bekannt, ob der offenbar abgesetzte Pak Yong-sik die Verhandlungsstrategie des obersten Führers gegenüber Amerika und Südkorea kritisch sah. Gleiches gilt für den offenbar abgesetzten Generalstabschef, der schon unter Kims Vater Kim Jong-il eine führende Rolle eingenommen hatte. Beide hatten an dem innerkoreanischen Gipfel Ende April noch teilgenommen, wo die Führer Nord- und Südkoreas unter anderem eine bessere Kommunikation auf Ebene der Militärs vereinbart hatten.

          Generationswechsel im Machtapparat

          Diktator Kim Jong-un hat in den vergangenen Jahren die führenden Posten im Militär immer wieder neu besetzt, mutmaßlich, um einer Konzentration von Macht jenseits seiner eigenen Person entgegenzuwirken. Auf diese Weise hat er zugleich einen Generationswechsel innerhalb des Machtapparats eingeleitet. In dieses Muster passen auch die jüngsten Amtswechsel. Der mutmaßlich neue Verteidigungsminister soll erst 37 Jahre alt sein. Der mutmaßlich abgesetzte Generalstabschef soll hingegen 84 Jahre alt sein und nach offizieller Darstellung schon im Koreakrieg mitgekämpft haben.

          Gleichwohl ist auffällig, dass inmitten dieser Umbruchphase offenbar alle drei obersten Militärs auf einmal ausgetauscht wurden. Diese seien in ihrem Denken „nicht flexibel genug“ gewesen, zitiert Yonhap den Geheimdienstmitarbeiter. Sollte Kim Jong-un tatsächlich dazu bereit sein, die Atomwaffen abzugeben, denen er selbst 2013 Verfassungsrang gegeben hatte, stünden dem Militär immense strukturelle Veränderungen bevor. Es ist zwar denkbar, dass Kims Kurs in der Militärführung kritisch gesehen wird. Die Säuberungen der vergangenen Jahre lassen aber vermuten, dass sich auch einflussreiche Militärs dem Obersten Führer nicht offen entgegenstellen würden.

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