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Kim Jong-un in Peking? : Sonderzug aus Pjöngjang

Bild: Reuters

In Peking wird alles dafür getan, den Insassen eines Sonderzuges aus Nordkorea vor der Öffentlichkeit abzuschirmen. Gemessen an dem Aufwand könnte es Kim Jong-un sein. Oder auch nicht.

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          Eineinhalb Tage sind vergangen, seit ein mysteriöser Sonderzug aus Nordkorea am späten Sonntagabend die chinesische Grenze passierte und Stunden später in Peking eintraf. Noch immer ist unklar, wer darin saß. Ist Machthaber Kim Jong-un persönlich in die chinesische Hauptstadt geeilt? Gemessen an den aufwendigen Sicherheitsmaßnahmen, die ergriffen wurden, um den Zug vom Blick der Öffentlichkeit fernzuhalten, scheint es jedenfalls ein sehr ranghoher Vertreter des kommunistischen Regimes zu sein.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitierte am Montagabend drei namentlich nicht genannte Quellen mit der Aussage, der Zugpassagier sei tatsächlich Kim Jong-un. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür nicht. Das muss aber nichts heißen. Schließlich waren die China-Reisen von Kims Vater Kim Jong-il auch immer erst bekannt gegeben worden, nachdem er das Land bereits wieder verlassen hatte. Der Zug zumindest soll laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo wieder aus Peking abgefahren sein.

          Sollte Kim Jong-un tatsächlich in Peking sein, wäre es die erste Auslandsreise des Diktators seit seiner Machtübernahme 2011 und markiert womöglich eine Wende in den seit Jahren belasteten chinesisch-nordkoreanischen Beziehungen. Daraus könnte sich eine neue Ausgangslage für das geplante Treffen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit Kim Jong-un ergeben.

          Bislang hatte Kim Einladungen Pekings stets ausgeschlagen. Die Beziehungen der einst engen Verbündeten China und Nordkorea waren in den vergangenen Jahren stark abgekühlt. Die Atom- und Raketentests, teils an wichtigen Tagen des chinesischen politischen Kalenders, waren in Peking zunehmend als Bedrohung und Provokation empfunden worden. Zudem hatte Kim Jong-un eine Reihe drastischer Maßnahmen ergriffen, die zumindest im Ergebnis den Einfluss Chinas in Nordkorea minimierten. Dazu gehört die Hinrichtung seines Onkels Jang Song-thaek, der über gute Chinaverbindungen verfügte. Und die Ermordung von Kims Halbbruder Kim Jong-nam im vergangenen Jahr am Flughafen von Kuala Lumpur. Auch er verfügte über enge Beziehungen zu Peking und lebte in China.

          Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump vor gut zwei Wochen seine Bereitschaft zu einem Treffen mit Kim Jong-un erklärt hatte, wuchs in Peking die Sorge, dass China kaum noch Einfluss auf den Verlauf den Atomkonflikts in seiner unmittelbaren Nachbarschaft habe. Aus chinesischer Sicht würde eine mit Nachdruck vorgetragene Einladung also Sinn machen. Das nordkoreanische Regime wiederum benötigt im Ringen mit den Vereinigten Staaten Verbündete, nicht zuletzt im UN-Sicherheitsrat.

          Südkoreanische Medien spekulierten unter Berufung auf ungenannte Quellen, bei dem geheimnisvollen Besucher könne es sich um Kim Jong-uns Schwester Kim Yo-Jong handeln, die schon bei den Olympischen Spielen im Süden seine Botschaft an den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in überbracht hatte. Belege gibt es aber auch dafür keine. 

          Der japanische Fernsehsender NTV hatte  am Montag Bilder des ominösen Zuges gehandelt, der jenem gepanzerten grün-gelben Zug ähnlich sah, mit dem Vater Kim Jong-il 2011 die chinesische Hauptstadt besucht hatte. Entlang der Reiseroute waren seit Sonntagabend ungewöhnliche Tarnoperationen beobachtet worden. So wurde der Bahnhof des chinesischen Grenzortes Dandong am Sonntagabend gegen 22 Uhr gesperrt und mit einer Sichtschutzwand versehen. Von Dandong aus verbindet eine Eisenbahnbrücke China mit Nordkorea. Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo nahmen die Hotels an der Brücke am Sonntag keine Gäste mehr auf, offenbar um zu verhindern, dass der Zug gesehen werden könnte. Bis Mittwoch sollen keine Buchungen mehr möglich sein. Auch in Peking wurde der Bahnhof, an dem der Zug ankam, vorübergehend für die Öffentlichkeit gesperrt.

          Später kursierten Videos aus Peking im Internet, die eine Fahrzeugkolonne zeigten, die von einem Motorradkorso begleitet wurde. Die Zeitung „South China Morning Post“ berichtete, am staatlichen Gästehaus Diaoyutai in Peking seien etwa 50 Fahrzeuge und ein Auflauf von Polizeikräften gesichtet worden. Umliegende Straßen und der Platz des Himmlischen Friedens seien abgesperrt worden. In dem Gästehaus hatten die Sechsergespräche stattgefunden, bei denen 2007 eine Einigung im Atomkonflikt erzielt wurde, die dann aber in sich zusammenbrach.

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