https://www.faz.net/-gpf-7tgdg

Kiew militärisch unter Druck : Parolen zum Durchhalten

  • -Aktualisiert am

Militärisch unter Druck: Patrouille der ukrainischen Armee nahe Donezk Bild: AFP

Auch der Flughafen der Millionenstadt Donezk könnte Gerüchten zufolge wieder in die Hände der Separatisten fallen. Die Regierungstruppen sind laut Nato-Kreisen den von Russland unterstützen Rebellen schmerzlich unterlegen. 

          Aus der ostukrainischen Kampfzone hagelt es weiterhin schlechte Nachrichten für die Regierung in Kiew. Am Montag zogen sich die ukrainischen Kämpfer nach eigenen Angaben vom strategisch wichtigen Flughafen in Luhansk zurück. Am Dienstag machten gar Gerüchte die Runde, auch der Flughafen der Millionenstadt Donezk werde demnächst wieder in die Hände der Separatisten fallen.

          Ein anonymer Vertreter der ukrainischen Truppen vor Ort widersprach diesen Meldungen jedoch nach Angaben der ukrainischen Zeitung „Ukrainska Prawda“. Trotz dauernder Angriffe der Separatisten von seiten der Stadt Donezk halte man den Flughafen auch weiterhin vollständig. Der ukrainische Blogger undMilitärexperte Dmitrij Tymtschuk malte unterdessen neue Gefahren aus.

          Die russische Armee könne die Hafenstadt Mariupol auch vom Meer aus angreifen, schrieb er im sozialen Netzwerk Facebook und warf die berechtigte Frage auf, ob die ukrainischen Streitkräfte auf einen solchen Fall vorbereitet seien. Die benachbarte Kleinstadt Nowoasowsk am Ufer des Asowschen Meeres war vor wenigen Tagen nach Angaben aus Kiew von einer russischen Panzerkolonne eingenommen worden.

          Dramatisch bleibt die Lage nahe des Örtchens Ilowajsk bei Donezk, wo weiterhin mehrere hundert ukrainische Kämpfer aus Freiwilligenbataillonen von den Separatisten und russischen Truppen mit schwerer Artillerie umzingelt sein sollen. Zuletzt war von 100 Toten und Hunderten Gefangenen die Rede. Aus Kreisen der Nato hatte es zu Wochenbeginn geheißen, die Ukraine habe den Konflikt militärisch bereits verloren. Die Separatisten seien mit Unterstützung der russischen Armee haushoch überlegen.

          Poroschenko erwägt personelle Konsequenzen

          Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte aus aktuellem Anlass am Montag seinen Generalstab versammelt und angekündigt, aus den Rückschlägen im Antiterrorkampf — so wird der Krieg im Osten des Landes auch weiterhin bezeichnet — personelle Konsequenzen ziehen zu wollen. Wie diese aussehen sollen, verriet er allerdings nicht. Von der Sitzung, an der auch Regierungschef Arsenij Jazenjuk und der Parlamentspräsident Oleksandr Turtschinow teilnahmen, wurde lediglich eine Durchhalteparole des Präsidenten öffentlich. Die Situation sei schwierig, sagte Poroschenko demnach, aber der Kampfgeist der Ukrainer sei stärker als derjenige der Besetzer. „Wir verteidigen unsere Erde.“

          Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und Verteidigungsminister General Valeri Geletej bei der Unabhängigkeitsparade in Kiew am 24. August

          Auch von der Verhängung des Kriegsrechts scheint Poroschenko weiterhin Abstand nehmen zu wollen. Dies meldeten ukrainische Medien nach einem Treffen des Präsidenten mit den Vorsitzenden der Fraktionen im ukrainischen Parlament zu diesem Thema. Der Vorsitzende der Partei Swoboda, Oleh Tjagnibok, sagte demnach es müsse wohl noch eine deutliche weitere Verschärfung der Lage an der Front geben, damit eine solche Entscheidung getroffen werde.

          Die Partei Swoboda fordert seit längerem die Verhängung des Kriegsrechts. Poroschenko hatte dies in den vergangenen Wochen und Monat immer wieder abgelehnt, auch mit Verweis darauf, dass dann die dringend anstehenden Parlamentswahlen in Gefahr gerieten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel beantwortet im Rahmen der Befragung der Bundesregierung die Fragen der Abgeordneten. Dabei gibt sie sich angrifflustiger denn je.

          Regierungsbefragung : Merkel an der Ballwurfmaschine

          Gut eine Stunde lang lässt sich die Kanzlerin im Bundestag befragen und liefert sich mit Linken und Rechten einen rhetorischen Schlagabtausch – so offensiv hat man Merkel selten erlebt. Neue Inhalte wurden dabei gleich mitgeliefert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.