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Parlamentswahlen in Polen : Die Hoffnung der Opposition

Kann sie der PiS die Mehrheit abjagen? Malgorzata Kidawa-Blonska Bild: AP

Wie die polnische Oppositionelle Malgorzata Kidawa-Blonska im Eiltempo um Stimmen wirbt. An diesem Sonntag will sie der nationalkonservativen PiS die Regierungsmehrheit streitig machen

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          An einem regennassen Oktobertag steht Malgorzata Kidawa-Blonska vor einer Markthalle in der polnischen Hauptstadt und verteilt Wahlkampfzettel mit ihrem Foto. Noch wenige Tage vor der Parlamentswahl wirbt sie um Stimmen: Erst Anfang September war Kidawa-Blonska überraschend zur Spitzenkandidatin der liberalen Opposition gekürt worden; am Sonntag will sie der nationalkonservativen PiS die Regierungsmehrheit streitig machen. Ein junger Mann will an diesem Tag vor der Markthalle von ihr wissen, was ihre Partei den Wählern überhaupt biete. Kidawa-Blonska nennt, etwas kleinlaut, ein paar Punkte aus ihrem Wirtschafts- und Sozialprogramm: die Senkung von Steuern und Sozialbeiträgen sowie eine 13. Monatsrente für die Senioren. Versprechen, die die regierende PiS zu Teilen schon eingelöst hat.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Ein anderer junger Mann fragt die Kandidatin recht aggressiv, was sie den Schwulen und Lesben im Land verspreche. Die Rechte Homosexueller sind ein heikles Thema; erst im April hatte PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski Homosexualität als „Bedrohung“ für Polen bezeichnet. Im Juli attackierten Hooligans eine Gay-Pride-Parade in Bialystok. Kidawa-Blonska antwortet dem Mann: Alle sollten sich im Land sicher fühlen können – auch Schwule und Lesben. Die 1957 geborene Kidawa-Blonska studierte Soziologie und arbeitete nach der Wende als Filmproduzentin. Sie passt schlecht in ein Freund-Feind-Schema. Sie war früher Präsidentin des Abgeordnetenhauses und ist seit 2015 dessen Vizepräsidentin; dazwischen war sie in der schwierigen Endzeit des liberalen Kabinetts unter Donald Tusk Regierungssprecherin. Oft wurde sie geholt, wenn eine von Skandalen freie und auf Ausgleich bedachte Person gebraucht wurde.

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