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Mord an Journalisten : Khashoggis Sohn soll Saudi-Arabien verlassen haben

  • Aktualisiert am

Salah bin Jamal Khashoggi (links) zusammen mit dem saudischen Kronzprinz Mohammed bin Salman am Dienstag in Riad. Bild: EPA

Nach dem Mord an Jamal Khashoggi hat dessen Sohn angeblich Saudi-Arabien verlassen. Derweil fordert Österreich einen europaweiten Stopp von Waffenexporten an das Königreich.

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          Der Sohn des getöteten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi hat das Königreich angeblich verlassen und soll in die Vereinigten Staaten eingereist sein. Der amerikanische Fernsehsender CNN berichtete am Donnerstagabend (Ortszeit), dass er nach Aufhebung seiner Ausreisesperre in Amerika angekommen sei und berief sich dabei auf eine Quelle aus dem Umfeld der Familie. Demnach hat Salah bin Jamal Khashoggi sowohl die saudische Staatsbürgerschaft als auch die der Vereinigten Staaten.

          Einige Stunden zuvor hatte die Leiterin der Nahost- und Afrika-Abteilung von Human Rights Watch, Sarah Leah Whitson, auf Twitter geschrieben, Khashoggis Sohn habe Saudi-Arabien nach Aufhebung der Ausreisesperre samt Familie in Richtung Amerikas verlassen.

          Der saudische Regierungskritiker Jamal Khashoggi war Anfang Oktober in das Konsulat des Königreichs in der türkischen Metropole Istanbul gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Danach verschwand er. Saudi-Arabien behauptete zunächst, nichts über Khashoggis Verbleib zu wissen. Nach massivem internationalen Druck erklärte Riad dann zunächst, er sei im Konsulat versehentlich bei einer Schlägerei getötet worden. Am Donnerstag folgte abermals eine Kehrtwende: Die Verdächtigen in dem Fall hätten mit Vorsatz gehandelt, teilte die Generalstaatsanwaltschaft des Königreichs mit.

          Khashoggi hatte zuletzt im amerikanischen Exil gelebt und schrieb dort auch für die „Washington Post“. Deshalb und weil Saudi-Arabien ein wichtiger Verbündeter der amerikanischen Regierung von Präsident Donald Trump ist, wurden auch die Vereinigten Staaten in den Fall hineingezogen. Inzwischen hat sich die Affäre zu einem Skandal internationalen Ausmaßes ausgewachsen.

          Österreich für europaweiten Stopp von Waffenexporten

          Unterdessen hat sich die österreichische EU-Ratspräsidentschaft für einen europaweiten Stopp von Waffenexporten in das Königreich ausgesprochen. In der Zeitung „Die Welt“ (Freitagsausgabe) verwies Österreichs Außenministerin Karin Kneissl insbesondere auf den Jemen-Krieg und das Vorgehen Saudi-Arabiens gegen das Emirat Katar.

          „Vor allem der schreckliche Krieg im Jemen und die Katar-Krise sollten uns Anlass sein, als Europäische Union gegenüber Saudi-Arabien endlich gemeinsam zu handeln“, sagte Kneissl. „Wenn wir als gesamte EU Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien stoppen, kann das ein Beitrag zur Beendigung dieser Konflikte sein.“

          Die Tötung Khashoggis sei „zutiefst erschütternd“ und „ein beispielloser Rechtsbruch“, sagte die Ministerin zudem. „Es ist aber nur der Gipfel des Horrors.“

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