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Getöteter Journalist : Khashoggis Söhne fordern den Leichnam ihres Vaters

  • Aktualisiert am

Jamal Khashoggi auf dem Poster eines Demonstranten vor dem saudischen Konsulat in Istanbul Bild: AFP

Die Söhne des saudi-arabischen Journalisten haben das erste Mal seit der Tötung ihres Vaters ein Interview gegeben. Sie möchten eine würdige Beerdigung. Indes gibt es Berichte über ein saudi-arabisches „Vertuschungsteam“.

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          Die beiden Söhne des getöteten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi haben am Sonntag dem amerikanischen Nachrichtensender CNN ein Interview gegeben. Darin forderten Sie Riad auf, ihnen den Leichnam ihres Vaters zu übergeben. Sie wünschen sich eine würdige Beerdigung ihres Vaters auf einem Friedhof im saudi-arabischen Medina, auf dem auch andere Familienmitglieder begraben sind, sagte Salah Khashoggi dem Sender. Ansonsten sei es der Familie nicht möglich, zu trauern und mit der „emotionalen Belastung“ umzugehen, so die beiden Söhne. Salah Khashoggi habe bereits mit den saudi-arabischen Behörden gesprochen und hoffe, dass es bald passiere.

          In dem Gespräch äußerten sich die beiden Söhne auch zur Tötung ihres Vaters. Abdullah Khashoggi sagte: „Ich hoffe sehr, dass das, was auch immer passiert ist, nicht schmerzhaft für ihn war oder zumindest schnell ging. Oder dass er einen friedlichen Tod starb.“ Vor allem die verbreiteten Lügen nach dem Tod ihres Vaters seien für die Familie schwer gewesen.

          „Verwirrend und schwierig“

          Die Söhne beschrieben Khashoggi als „moderate Person“, die „von jedem gemocht wurde“, eine „glückliche Person“ und einen „toller Vater“. Sie wünschten sich, dass ihr Vater als ein „gemäßigter Mann, der mit allen gemeinsame Werte teilt, der sein Land geliebt hat“ in Erinnerung bleibe. Er habe „so sehr an es (Saudi-Arabien) geglaubt hat und so viel Potential darin gesehen“.  Ein Dissident sei sein Vater nie gewesen, sagte Salah Khashoggi. Er habe an die Monarchie geglaubt und daran, dass sie das Land zusammenhalte.

          Weiter sagten Salah und Abdullah Khahoggi, sie versuchten, die Geschichte zu verstehen und die „Kleinteile“ zu einem „Gesamtbild“ zusammenzufügen. Es sei jedoch „verwirrend und schwierig“. Die Situation sei nicht „normal“ und es sei kein „normaler Tod“. König Salman habe zugesichert, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Salah Khashoggi gab sich zuversichtlich: „Darauf vertraue ich. Das wird passieren. Ansonsten hätten die Saudis keine interne Untersuchung eingeleitet.“

          Am Montag erklärte Saudi-Arabien vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf, dass es eine umfassende Aufklärung geben wird. Die Täter sollen vor Gericht gestellt und bestraft werden, so der saudi-arabische Abgesandte Bandar Al-Aiban. König Salman habe die strafrechtliche Verfolgung bereits angeordnet, betonte der Regierungsvertreter.

          Unterdessen berichtete die türkische Zeitung „Sabah“ am Montag, dass das saudi-arabische Königshaus ein „Vertuschungsteam“ nach Istanbul geschickt haben soll, um die Spuren der Tat zu beseitigen. Ein türkischer Regierungsvertreter bekräftigte diese Aussage am Montag. Demnach sollen ein Chemiker und ein Toxikologe dem Team angehörten haben, das neun Tage nach Khashoggis Mord, am 11. Oktober, nach Istanbul reiste. „Wir glauben, dass die beiden Personen für den alleinigen Zweck in die Türkei gekommen sind, die Beweise für den Mord an Jamal Khashoggi zu beseitigen, bevor der türkischen Polizei erlaubt wurde, den Ort zu durchsuchen", so der Regierungsvertreter, der anonym bleiben möchte. Riad gestattete den türkischen Behörden erst am 15. Oktober den Zutritt. In der Zwischenzeit soll das „Vertuschungsteam“ mehrmals in das Konsulat gekommen sein, bevor es am 20. Oktober die Türkei verließ.

          Khashoggi wurde am 2. Oktober im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul von saudi-arabischen Agenten getötet. Nach türkischen Angaben wurde die Leiche des Regierungskritikers anschließend zerstückelt. Der türkische Präsidentenberater Yasin Aktay sagte kürzlich zudem, die Leichenteile seien mit Säure zersetzt worden, um alle Spuren zu verwischen. Die Tötung Khashoggis hat international Entsetzen und Empörung hervorgerufen.

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