https://www.faz.net/-gpf-9gpw7

Toter Journalist Khashoggi : Trump geht noch nicht auf Distanz zum Kronprinzen

  • Aktualisiert am

Mohammed bin Salman besuchte Trump vergangenen März im Weißen Haus. Bild: dpa

Die CIA geht davon aus, der saudische Thronfolger habe die Tötung Khashoggis in Istanbul persönlich abgenickt. Doch bevor Donald Trump seinem Verbündeten das vorwirft, will er noch bestimmte Informationen abwarten.

          Amerikas Präsident Donald Trump hat zurückhaltend auf Erkenntnisse des Geheimdienstes CIA reagiert, wonach Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman den Mord an dem regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi angeordnet haben soll. Trump nannte diese Einschätzung verfrüht. Er wolle dazu einen umfassenden Bericht abwarten, der am Dienstag vorliegen soll. Das kündigte er am Samstag am Rande seines Besuchs in den von Waldbränden verwüsteten Gebieten Kaliforniens an. „Das war eine schreckliche Sache, diese Tötung eines Journalisten“, fügte er hinzu. Dies „hätte nie passieren dürfen“.

          Die Affäre hat Saudi-Arabiens mächtigen Thronfolger in den vergangenen Wochen international in die Defensive gedrängt. Trump hingegen hatte sich bislang unter Verweis auf die guten Geschäfte, Waffendeals und die Stabilität in Nahost zögerlich gezeigt, gegen ihn vorzugehen.

          Einschätzung der CIA

          Amerikanische Medien hatten berichtet, der Auslandsgeheimdienst CIA sei zu der Einschätzung gelangt, dass Salman selbst die Tötung des Journalisten im Konsulat in Istanbul angeordnet habe. Dies gehe aus abgehörten Telefonaten hervor. Das Außenministerium in Washington stellte allerdings am Samstag klar, es sei noch keine abschließende Bewertung im Fall Khashoggi getroffen worden.

          Die Einschätzung der CIA steht in krassem Gegensatz zur letzten Darstellung der saudischen Ermittler. Demnach haben hochrangige Regierungsmitarbeiter ein 15-köpfiges Spezialteam zur Ausführung der Tat auf eigene Faust losgeschickt. Der saudische Generalstaatsanwalt forderte am Donnerstag für fünf Tatbeteiligte die Todesstrafe.

          EU fordert mehr Aufklärung

          Der im amerikanischen Exil lebende Khashoggi wurde am 2. Oktober in dem Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul umgebracht. Dort wollte er Dokumente für seine Hochzeit abholen. Unter immensem internationalen Druck gab Riad erst viel später den Tod des „Washington Post“-Kolumnisten zu. Nach bisherigen Kenntnissen wurde der Journalist gleich nach seiner Ankunft im Konsulat getötet. Seine Leiche ist bis heute nicht gefunden worden.

          Die EU pocht auf zusätzliche Aufklärung durch Saudi-Arabien. Das Auswärtige Amt in Berlin gab über Twitter bekannt, Minister Heiko Maas und seine europäischen Amtskollegen hätten eine entsprechende Erklärung der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini vereinbart. Eine weitere Klärung zu den Umständen des „schrecklichen Verbrechens“ sei nötig.

          Weitere Themen

          Rentner hoffen auf seine Wiederwahl Video-Seite öffnen

          Trump im „Swingstate“ Florida : Rentner hoffen auf seine Wiederwahl

          Der amerikanische Präsident will bei einem Auftritt in Florida seine Bewerbung um eine zweite Amtszeit verkünden. Florida gilt als Rentnerparadies, unter ihnen hat Trump viele Anhänger. Des Weiteren kommt dem Bundesstaat eine besondere Rolle zu.

          Topmeldungen

          Mordfall Lübcke : Die Falle der AfD

          Die AfD ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Die Krokodilstränen über den Tod eines Repräsentanten des „Systems“, das sie aus den Angeln heben will, kann sie sich sparen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.