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Saudi-Arabien : Ein Kronprinz in der Defensive

Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman im Oktober in Riad Bild: AFP

Meist geht die Welt nach der Tötung eines Regimekritikers schnell zur Tagesordnung über. Im Fall Khashoggi ist das anders – und das liegt vor allem an Muhammad Bin Salman. Ein Kommentar.

          Das ist die brutale Wahrheit: Viele Regime bringen ihre Dissidenten um, ob die sich im Inland aufhalten oder, in vermeintlicher Sicherheit, im Ausland. Saudi-Arabien macht da keine Ausnahme. Meist geht die Welt nach der Tötung eines Regimekritikers rasch zur Tagesordnung über. Nach der Tötung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi ist das anders. Dieses Mal hält die Empörung länger an. Ein Grund dafür ist Khashoggis Ende. Er wurde in das saudische Konsulat in Istanbul gelockt und dort auf grauenhafte Weise zu Tode gebracht.

          Ein zweiter Grund ist die wachsende Furcht vor dem saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman. Ihn hält nicht allein der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA für den Auftraggeber des Verbrechens. Der Kronprinz ist 33 Jahre alt, er soll seinem 82 Jahre alten Vater Salman auf dem Thron folgen und könnte möglicherweise ein halbes Jahrhundert das Königreich führen.

          Trump braucht Bin Salman

          So richtig die innere Transformation des Königreichs ist, die der Kronprinz entschieden vorantreibt, so sehr ist er zu einer Gefahr für den Nahen Osten geworden. So hat er den Krieg gegen den Jemen angeordnet, ein Embargo gegen das benachbarte Qatar verhängt und vorübergehend den libanesischen Ministerpräsidenten festgesetzt. Niemand hat ihn daran gehindert oder deswegen zur Rede gestellt. Der Kronprinz musste den Eindruck bekommen, dass er ungestraft tun und lassen kann, was er will.

          Nun wird er in Schranken verwiesen. Deutschland hat Sanktionen erlassen, Frankreich plant sie. Im amerikanischen Kongress will eine parteiübergreifende Koalition ebenfalls Strafmaßnahmen sehen. Davon will Präsident Trump nichts wissen, da er den Kronprinzen braucht: zur Flankierung seiner Iran-Politik, zur Absicherung seines „Jahrhundert-Deals“ für die Palästina-Frage, zur Finanzierung der amerikanischen Rüstungsindustrie.

          Wie sehr sich das Königreich aber in der Defensive sieht, zeigt der saudische Außenminister. Er warnt eindringlich davor, dass die „rote Linie“, die der König und der Kronprinz darstellten, nicht überschritten werden dürfe. Im Haus Saud verleiht der Sturm, der sich gegen den Kronprinzen zusammenbraut, seinen Kritikern kräftigen Aufwind. Sollte es ihnen nicht gelingen, dass der König die Thronfolge ändert, droht bei seinem Ableben ein heftiger Machtkampf auszubrechen. Auch das wäre für die Konfliktregion Naher Osten keine gute Nachricht.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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