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Koloniale Aufarbeitung : Keul bedauert Hinrichtung von Kameruner Nationalhelden

Katja Keul (Bündnis 90/Die Grünen),Staatsministerin im Auswärtigen Amt (Archivbild) Bild: dpa

Die Staatssekretärin im Auswärtigen Amt würdigt den während der deutschen Kolonialzeit hingerichteten König Rudolf Duala Manga Bell und seinen Mitstreiter Ngoso Din. Das Urteil gegen sie sei „Unrecht“ gewesen.

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          Es ist ein dunkles und wenig bekanntes Kapitel in der deutschen Kolonialgeschichte: Rudolf Duala Manga Bell, ein Stammeskönig aus Kamerun, wurde 1914 mit seinem Mitstreiter Ngoso Din von der damaligen deutschen Kolonialverwaltung hingerichtet. Die beiden hatten sich mit einer Petition an den Deutschen Reichstag in Berlin gewandt, um Enteignungen und Umsiedlungen ihrer Landsleute zu verhindern. Daraufhin wurden sie in einem Gerichtsprozess in Kamerun wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und gehängt.

          Claudia Bröll
          Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Jetzt hat die deutsche Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, Katja Keul (Grüne), bei einem Besuch in dem zentralafrikanischen Land den König gewürdigt. Das Urteil sei kein Recht, sondern „Unrecht“ gewesen, sagte sie vor Nachfahren, Mitgliedern mehrerer Königsfamilien und anderen Würdenträgern am Mittwoch in der Stadt Duala. Auch nach damaligem Maßstab habe das Urteil nicht ansatzweise rechtsstaatlichen Prinzipien entsprochen. „Doch viel zu viele haben geschwiegen. Das war so während der Kolonialzeit. Und das blieb lange Zeit auch in der Bundesrepublik so.“ Kamerun war von 1884 bis 1919 eine deutsche Kolonie.

          Der König hatte enge Verbindungen zu Deutschland. Er ging in Kamerun auf eine deutsche Schule, besuchte als Pflegekind einer Lehrerfamilie im schwäbischen Aalen die Volksschule und später in Ulm das Gymnasium. Zurückgekehrt nach Kamerun arbeitete er für die deutsche Kolonialverwaltung. „Er glaubte an den deutschen Rechtsstaat und die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz“, sagte Keul. Schon damals habe ein Sozialdemokrat im deutschen Reichstag gesagt, der König sei „unschuldig gemordet“ worden. Eine Zeitung schrieb von einem „Justizmord“. Manga Bells letzte Worte waren nach Angaben eines Zeitzeugen: „Unschuldiges Blut hängt Ihr auf. Umsonst tötet Ihr mich. Aber die Folge davon wird die größte sein.“

          Im Juli hatten bereits Ulm und Aalen den König gewürdigt, um eine Rehabilitierung zu erreichen. Jetzt legte die Staatsministerin in Kamerun einen Kranz nieder. Sie sicherte den Nachfahren zu, das damalige Gerichtsverfahren zu rekonstruieren. Bisher fehlten Dokumente wie die Prozessakte und der Urteilsspruch. Allgemein sei über die Rechtsprechung in den früheren Kolonialgebieten wenig bekannt. Dieser Teil der Kolonialherrschaft müsse genauer erforscht werden, um systematisches Unrecht besser zu identifizieren.

          Zur deutschen Kolonialgeschichte sagte sie, die Bundesregierung sei entschlossen, sich „diesem Kapitel unserer Geschichte“ zu stellen und „Versäumnisse im Umgang mit ihr“ zu beenden. Der Kolonialismus habe „unermessliches Leid geschaffen“, er sei ein „Unrechtssystem“ gewesen. Am Mittwochabend reiste Keul nach Kenia weiter.

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