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Kerry und Lawrow in Doha : Russland warnt Amerika vor Angriffen auf syrische Armee

Amerikas Außenminister John Kerry (links) in Doha im Gespräch mit dem qatarischen Außenminister Khalid bin Mohammad al Attiyah Bild: dpa

Die Vereinigten Staaten wollen die von ihnen ausgebildeten Milizionäre in Syrien auch gegen das Assad-Regime verteidigen. Russlands Außenminister hingegen fordert nach einem Treffen mit dem amerikanischen Außenminister ein Ende ausländischer Einmischung.

          In der qatarischen Hauptstadt Doha sind am Montag der amerikanische Außenminister John Kerry, der russische Außenminister Sergej Lawrow und der saudische Außenminister Adel al Dschubeir zu Gesprächen zusammengekommen. Dabei ging es unter anderem um Syrien und den Kampf gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Kerry versuchte in Doha zudem, die Sorgen der arabischen Golfstaaten angesichts der Einigung im Atomstreit mit Iran zu zerstreuen.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Lawrow forderte nach dem Treffen ein Ende ausländischer Einmischung in Syrien. Zudem müssten die syrischen Konfliktparteien „zu gemeinsamen Verhandlungen gedrängt werden“, sagte Lawrow. Moskau und Damaskus bemühen sich offenbar um neue Gesprächskontakte. Am Wochenende hatten Berichte Aufsehen erregt, nach denen im Juli ein hoher Geheimdienstfunktionär des Assad-Regimes den saudischen zweiten Kronprinzen und Verteidigungsminister Muhammad Bin Salman Al Saud getroffen haben soll. Das Treffen sei auf russische Initiative hin zustande gekommen. Während Russland das Regime in Damaskus unterstützt, fördert Riad islamistische Rebellen. Wie die libanesische Zeitung „Al Akhbar“ berichtete, reiste der syrische Geheimdienstkoordinator Ali Mamluk in die saudische Hauptstadt Riad. Mamluk ist ein altgedienter Geheimdienstoffizier, der dem inneren Führungskreis des Damaszener Regimes zugerechnet wird; sein Einfluss ist allerdings nicht unumstritten. Demnach soll Mamluk der saudischen Seite vorgeworfen haben, schuld am Bürgerkrieg und Helfershelfer der qatarischen Führung zu sein. Der saudische Verteidigungsminister äußerte offenbar seinen Unmut über die Nähe der Führung in Damaskus zu Iran.

          Das Assad-Regime hat immer wieder versucht, sich als Partner im Kampf gegen die Nusra-Front, den syrischen Al-Qaida-Ableger, und den IS anzubieten. Der syrische Diktator Baschar al Assad versucht, die Sorge arabischer und westlicher Regierungen sowie der Führung in Moskau angesichts der ungebrochenen Schlagkraft des IS für sich zu nutzen. Damaskus hatte den IS zunächst gewähren lassen, weil die Dschihadisten die Truppen des Regimes lange Zeit nicht angriffen, wohl aber moderate Rebellen. Zuletzt hat sich das indes geändert. Der militärische Druck auf den syrischen Machthaber hat sich in den vergangenen Monaten erhöht. Die Assad-Truppen hatten an mehreren Fronten Rückschläge hinnehmen müssen, nicht zuletzt durch eine islamistische Rebellenallianz mit dem Namen „Dschaisch al Fatah“. Assad hatte eingestanden, dass der Armee zunehmend Soldaten fehlen.

          Unterdessen warnte ein Sprecher von Präsident Barack Obama in Washington Assad davor, die von Amerika ausgebildeten Rebellen anzugreifen. Die Aufstellung der Milizionäre, die nur gegen den IS und nicht gegen das Assad-Regime kämpfen sollen, war nur schleppend vorangekommen. Bislang haben weniger als 60 Kämpfer das Trainingsprogramm durchlaufen und sind nach Syrien zurückgekehrt. Vergangene Woche war die Miliz im Norden Syriens von Kämpfern der Nusra-Front angegriffen worden. Mehrere Kämpfer wurden dabei getötet oder gefangen genommen. Sollte auch Assad die Milizionäre angreifen, sei Washington zu „zusätzlichen Schritten“ bereit, sagte Obamas Sprecher. Lawrow kritisierte die Äußerungen in Doha als kontraproduktiv und warnte vor den Folgen eines Angriffs auf die syrische Armee.

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