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Kenyatta liegt bei Wahl vorn : Kenias Opposition spricht von Wahlbetrug

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Mit 55 Prozent der Stimmen liegt der amtierende Präsident deutlich vor seinem Herausforderer. Der spricht von Wahlbetrug – Beobachter befürchten Ausschreitungen.

          Bei der Präsidentenwahl in Kenia liegt Amtsinhaber Uhuru Kenyatta überraschend deutlich vorn. Nach Auszählung von 85 Prozent der Wahllokale komme der Staatschef auf gut 55 Prozent der Stimmen, teilte die Wahlkommission am Mittwoch mit. Sein wichtigster Herausforderer Raila Odinga liege bei gut 44 Prozent. Odinga erkannte die Auszählung allerdings nicht an und sprach von Betrug. „Wir haben unsere eigenen Projektionen die zeigen, dass wir weit in Führung liegen“, sagte er.

          Odinga erklärte, das elektronische Wahlsystem sei gehackt worden. Die Hacker hätten Nutzerkennung und Passwörter des ermordeten Technik-Chefs der Wahlkommission, Chris Msando, bedient. Das leitende Mitglied der Wahlkommission war vor einer Woche ermordet und mit Folterspuren aufgefunden worden.

          Angst vor Gewalt

          Msando war für die das elektronische Zählsystem verantwortlich, das eine Manipulation der Auszählung verhindern soll. Außerdem wird die Identität der Wähler elektronisch überprüft. Er gehörte zu den wenigen Personen mit Zugang zu dem elektronischen Wahlsystem.

          Die Äußerungen des Oppositionsführers schürten die Angst vor gewaltsamen Ausschreitungen wie bei der vorletzten Präsidentschaftswahl vor zehn Jahren. Damals wurden über 1.000 Menschen getötet und Hunderttausende vertrieben. Die ethnisch geprägte Gewalt begann, nachdem ein umstrittenes Ergebnis veröffentlicht worden war. Damals verlor Odinga gegen Kenyattas Vorgänger Mwai Kibaki.

          Beide Lager beklagten nun Fälle von vorausgefüllten Wahlzetteln und Stimmenkauf. Sie hatten sich schon in den vergangenen Wochen gegenseitig vorgeworfen, die Wahlen manipulieren zu wollen. Odinga behauptete mehrfach, nur durch Fälschung könne er um den sicheren Sieg gebracht werden.

          Präsident Kenyatta hatte nach der Abgabe seiner Stimme am Dienstag erklärt, er werde das Ergebnis anerkennen und zurücktreten, falls er verliere. Er kandidierte für eine zweite fünfjährige Amtszeit. Laut Verfassung wäre das seine letzte.

          Armut  ist ein wachsendes Problem in Kenia – trotz Wirtschaftswachstums

          Die Wahlkommission rief die Bevölkerung auf, das Ergebnis in Ruhe abzuwarten. Gewählt wurden am Dienstag außerdem ein neues Parlament, Gouverneure, Senatoren, die Parlamente der Landkreise und Frauenvertreterinnen. Entgegen allen Befürchtungen waren die Wahlen am Dienstag überwiegend friedlich und ohne größere technische Schwierigkeiten verlaufen.

          Mehr als 150.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Es gab allerdings zum Teil erhebliche Verzögerungen, weil das elektronische Wahlsystem Schwierigkeiten mit der Identifizierung der Wähler hatte. Trotz langer Schlangen und erheblicher Wartezeiten blieben die Menschen ruhig und geduldig. Fast 20 Millionen waren als Wähler registriert.

          Kenia ist eine der leistungsfähigsten Volkswirtschaften Ostafrikas und hat ein stabiles Wirtschaftswachstum von fünf bis sechs Prozent pro Jahr. Trotzdem leben etwa 44 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Die Lebensmittelpreise sind deutlich gestiegen, die Korruption nahm zu.

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