https://www.faz.net/-gpf-96lmy

Selbstvereidigung in Kenia : Wenn sich der Oppositionsführer selbst zum Präsidenten macht

Anhänger von Odinga bei der Vereidigungs-Zeremonie in Nairobi. Bild: EPA

Dubiose Entwicklung in Kenia: Oppositionsführer Raila Odinga ernennt sich drei Monate nach der Wahlniederlage selbst zum Präsidenten. Nun droht ein Blutvergießen.

          1 Min.

          Drei Monate nach der umstrittenen Wahl seines Kontrahenten hat sich der kenianische Oppositionsführer Raila Odinga selbst zum „Präsidenten des Volkes“ vereidigt. Tausende Anhänger des Oppositionsbündnisses Nasa hatten sich zu der vermeintlich offiziellen Zeremonie im Uhuru-Park in Nairobi versammelt. Die Regierung hatte sie zuvor als nicht verfassungskonform bezeichnet und Teilnehmern mit Verhaftungen gedroht. Doch die Polizei hielt sich im Hintergrund. Mehrere Fernsehsender und Radiostationen wurden von den Behörden abgeschaltet, einige sendeten über das Internet weiter.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Er verspreche, loyal gegenüber den Bürgern und der Republik Kenia zu sein und die Verfassung zu achten, sagte Odinga, der exakt dem Wortlaut einer offiziellen Vereidigung folgte. Schon kurz darauf tauchte in seinem Twitter-Profil der Titel „Präsident der Republik Kenia“ auf. Aus Sorge um die Sicherheitslage waren viele Schulen und Unternehmen in der Innenstadt geschlossen. Auf den Straßen verlief der Verkehr ruhiger als sonst.

          Kritiker bezeichneten die Neuwahl als „Farce“

          Ende Oktober war Uhuru Kenyatta abermals zum Präsidenten gewählt worden, nachdem der Oberste Gerichtshof die vorangegangene Wahl vom August wegen formaler Fehler und Unregelmäßigkeiten annulliert hatte. Die Entscheidung war zunächst international als Zeichen der Rechtsstaatlichkeit in Kenia gelobt worden. Kritiker jedoch bezeichneten die Neuwahl als „Farce“. Da Odinga die Wahl boykottiert hatte, gab es faktisch nur einen Kandidaten, die Wahlbeteiligung fiel extrem gering aus. Odinga erklärte danach, er erkenne die Regierung nicht an. Der 72 Jahre alte Politiker und der 56 Jahre alte Kenyatta sind Erzrivalen.

          Die Nichtregierungsorganisation International Crisis Group warnte vor einer gefährlichen Pattsituation, die zu weiterem Blutvergießen führen könnte. Kritik kam auch von Vertretern der Wirtschaft und der Kirchen. „Eine Konfrontation bringt keinen Frieden“, sagte der Erzbischof von Nairobi, John Kardinal Njue, „wir beten, dass die Vernunft siegen wird und sich die Parteiführer zu einem objektiven Dialog zusammensetzen.“

          Weitere Themen

          Ende von „Trudeaumania“? Video-Seite öffnen

          Parlamentswahl in Kanada : Ende von „Trudeaumania“?

          Der Liberale Justin Trudeau regiert Kanada seit 2015, damals war noch von einer „Trudeaumania" die Rede. Doch den Nimbus der Erneuerung hat der inzwischen 49-Jährige eingebüßt. Bei der Parlamentswahl könnte es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Konservativen geben.

          Topmeldungen

          Olaf Scholz spricht vergangenen Samstag in München.

          Wahlkampf : Scholz nennt konkretes Ziel für Steuererhöhung

          Erstmals beziffert der SPD-Spitzenkandidat, wie hoch der Spitzensteuersatz unter ihm als Kanzler liegen könnte. Dass im Gegenzug unter anderem der Mindestlohn auf 12 Euro steigt, macht er zur Bedingung für eine Koalition.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.