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Kein Strom auf der Krim : Russischer Abgeordneter spricht von Terrorakt

  • Aktualisiert am

Die Flagge der Krimtataren an einem der gesprengten Strommasten Bild: AP

Von Russland annektiert, aber von der Ukraine abhängig: Ohne Energie vom Festland geht auf der Krim nichts. Nach der Sprengung von Strommasten ruft die Halbinsel den Notstand aus. Wer steckt hinter dem spektakulären Sabotageakt?

          Nach Sprengstoffanschlägen auf Stromleitungen in der Ukraine ist es auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim zu einem massiven Energieausfall gekommen. Fast zwei Millionen Menschen waren zunächst ohne Licht und Heizung, wie örtliche Behörden am Sonntag mitteilten. Aus Moskau kam scharfe Kritik an der Sabotage. „Das ist ein Terrorakt“, sagte der Abgeordnete Franz Klinzewitsch von der Kremlpartei Einiges Russland. Die Behörden auf der Halbinsel riefen den Notstand aus und setzten einen Krisenstab ein. Die Lage sei stabil, sagte Michail Scheremet von der moskautreuen Führung der Krim.

          Nachdem bereits am Freitag zwei Hochspannungsleitungen beschädigt worden waren, gingen am Sonntag überall auf der Krim die Lichter aus. 1,9 Millionen Menschen waren ohne Strom. Die Krim ist auf Strom aus der Ukraine angewiesen. Die örtliche Abteilung des russischen Katastrophenschutzministeriums erklärte, die Stromversorgung aus der Ukraine sei seit dem frühen Sonntagmorgen unterbrochen.

          „Die Masten sind gesprengt worden“

          Ilja Kiwa, ein Vertreter des ukrainischen Innenministeriums, schrieb auf Facebook: „Die Masten sind gerade gesprengt worden!“ In der Hafenstadt Sewastopol saßen ab 2 Uhr morgens alle Bewohner im Dunkeln, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. In einigen Stadtvierteln gab es später zumindest kurzzeitig wieder Strom. Auch das Internet und die Wasserversorgung in Hochhäusern funktionierten nicht mehr. Krankenhäuser und andere wichtige Gebäude wurden nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums durch Generatoren mit Strom versorgt.

          Auch in Teilen der Städte Simferopol, Feodossija, Jewpatorija und Jalta gab es wieder Strom. Bereits in der Nacht zu Freitag waren zwei der insgesamt vier Hochspannungsleitungen aus der Ukraine beschädigt worden. Der ukrainische Energiekonzern Ukrenergo erklärte, die beiden Strommasten in der Grenzregion Cherson seien offenbar mit Sprengsätzen oder durch Beschuss zu Fall gebracht worden. Beim Versuch von Sicherheitskräften, Reparaturtrupps am Samstag Zugang zu den Masten zu verschaffen, kam es zu Rangeleien mit Demonstranten.

          Die Behörden der Krim forderten die Bewohner auf, Batterien aufzuladen und Wasservorräte anzulegen, um für einen Totalausfall gewappnet zu sein. Der trat nun am Sonntag nach den Angriffen auf die beiden anderen Masten ein. Wer die Angriffe auf die Stromleitungen verübt hat, ist noch nicht bekannt.

          Schlange an den Tankstellen: Der Strom ist weg auf der Krim, und wie hier in Simferopol ging auf der Halbinsel am Sonntag nichts mehr

          Um Energie zu sparen, werde der Strom immer wieder für einige Stunden kontrolliert abgeschaltet und die Wasserversorgung eingeschränkt, sagte der Vizeministerpräsident der Krim, Michail Scheremet. Bei einer Außentemperatur in der Schwarzmeer-Region von plus 18 Grad Celsius bestehe keine große Gefahr durch abgeschaltete Heizungen. Die Brennstoffvorräte würden für mehrere Wochen reichen, hieß es.

          Vollständig auf Ukraine angewiesen

          Laut eines Berichts der Nachrichtenagentur RIA Nowosti gab es in der Region am Samstagabend eine Demonstration von Krimtataren. Die Minderheit, die die russische Annexion ablehnt, versucht gerade, Lebensmittel-Lieferungen auf die Krim mit einer Blockade zu verhindern. Die Krim war im Frühjahr 2014 nach einem umstrittenen Referendum von Russland annektiert worden. Die Regierung in Kiew und der Westen sehen die Annexion als Verstoß gegen das Völkerrecht und betrachten die Krim weiter als Teil der Ukraine.

          Die Krim ist bei der Stromversorgung praktisch vollständig auf die Ukraine angewiesen. Eine Verbindung nach Russland gibt es nicht. Michail Scheremet sagte laut der Nachrichtenagentur Tass, die Halbinsel könne gerade einmal ein Drittel ihres Strombedarfs durch Dieselgeneratoren und Wind- und Solarkraft decken. Russland will auf der Krim zwei neue Gaskraftwerke bauen, um die Halbinsel unabhängig von der ukrainischen Stromversorgung zu machen. Sie sind bisher aber nur in Planung.

          Juri Kassitsch von der ukrainischen Energiefirma Ukrenergo sagte, die Wiederherstellung der Versorgung könnte bis zu vier Tage dauern. „Wir haben der Ukraine unsere Hilfe bei der Reparatur angeboten. Sie haben abgelehnt“, sagte ein Mitarbeiter des russischen Zivilschutzes. In den südukrainischen Gebieten Cherson und Mykolajiw seien 40 Prozent der Versorgung gefährdet, sagte Energieminister Wladimir Demtschischin in Kiew. In zwei Kreisen sei der Strom ausgefallen.

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