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Kein Nutella mehr : Die Salvini-Diät

  • -Aktualisiert am

Türkische Nüsse? Igittigitt! Bild: EPA

Der ehemalige italienische Innenminister Matteo Salvini will kein Nutella mehr essen, weil die Creme türkische Nüsse enthält. Ob er das lange durchhält?

          2 Min.

          Matteo Salvini will kein Nutella mehr essen. Die Nuss-Nougat-Creme ist ihm zu unitalienisch. Das mag verwundern, wurde sie doch von einem italienischen Konditor in Italien erfunden. Nutella wird immer noch in Italien hergestellt, und zwar von einem italienischen Konzern. Viele Italiener essen die Creme gern. Doch Salvini ist zu Ohren gekommen, dass sie türkische Haselnüsse enthält. Also bekundete er diese Woche auf einer Wahlkampfveranstaltung: „Ich ziehe es vor, italienisch zu essen und den italienischen Bauern zu helfen.“

          Es ist verständlich, dass ein Nationalist wie Salvini nationalistisch daherredet. Die Vorstellung, eine Nation sei am besten dran, wenn sie auf sich allein gestellt sei, ist aber so alt wie falsch. Besonders deutlich wird das beim Thema Essen, und erst recht im Fall von Nutella. Erstens bringt deren Hersteller den Italienern allerlei Nutzen: Arbeitsplätze, Steuern, ein Unternehmen, auf das sie stolz sind. Die italienische Post brachte zur Feier von fünfzig Jahren Nutella eine eigene Briefmarke heraus, und als die EU 2010 mehr Transparenz bei der Zutatenliste wollte, gründete ein italienischer Politiker ein Nutella-Komitee, um das zu verhindern. Auch Salvini zeigte sich bislang gern Nutella essend, unter anderem an einem Morgen im vergangenen Dezember auf Instagram. Schlechtes Timing: Am Vorabend hatte ein Erdbeben Sizilien erschüttert, viele Menschen waren verletzt worden. Zur Entschuldigung für die Taktlosigkeit brachte Salvini, damals Innenminister, vor, ihm schmecke Nutella nun mal.

          Zweitens wäre Nutella aus rein italienischen Zutaten heute gar nicht denkbar. Da könnten sich die italienischen Bauern noch so abrackern. Haselnüsse werden aus der Türkei zugekauft, weil die italienischen alleine nicht reichen. Und selbst wenn es genug gäbe: In Nutella ist deutlich mehr Palmöl drin als Haselnuss. Palmöl kommt aus den Tropen. Wie vieles andere auch. Zum Beispiel Kaffeebohnen. Sollen die Italiener jetzt auf ihren Espresso verzichten, weil der nicht von italienischen Bauern stammt, sondern von brasilianischen?

          Natürlich nicht. Die Menschen in Europa haben sich daran gewöhnt, Dinge essen und trinken zu können, deren Bestandteile in ihrem Heimatland nicht oder nicht ausreichend wachsen. Großbritannien zum Beispiel importiert ein Drittel seiner unverarbeiteten Lebensmittel aus der Europäischen Union; allein produziert es nicht mal die Hälfte der Menge, die es braucht. Vor allem Obst und Gemüse fehlen. Seit der Brexit mal mehr, mal weniger naht, fällt einigen auf: Danach könnte es schwierig werden mit der unkomplizierten Versorgung. Dann halt nur noch Toast und Tee? Doch der „Earl Grey“ wächst auch nicht in England. Er kommt aus Übersee, und zwar mit Schiffen, von denen viele in Häfen auf dem europäischen Festland andocken.

          Viel spricht dafür, sich regional zu ernähren. Aber eben da, wo es Sinn ergibt. Würde die Welt Salvinis Beispiel folgen, bräche als erstes das Imperium des Nutella-Herstellers zusammen. Der verkauft seine Creme in 160 Ländern. 159 davon fielen dann weg, weil sie nicht bei ausländischen Firmen kauften, und auch das hundertsechzigste, Italien, weil es keine ausländischen Nüsse wollte. Salvini dürfte sich schwer tun, seinen Mitbürgern zu erklären, dass sie sich morgens Tomatenscheiben aufs Brot legen sollten. Eher werden sie auf ihn verzichten als auf Nutella.

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