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Kein Ende der Krawalle : Mit Feuer und Flamme gegen Griechenland

Explosion der Gewalt Bild: REUTERS

Die schweren Ausschreitungen in Athen und Thessaloniki gingen am Sonntagabend in die zweite Nacht. Autonome reagieren mit der Gewalt auf die Erschießung eines Jugendlichen durch die Polizei.

          2 Min.

          In Athen und Thessaloniki ist es nach dem Tod eines jugendlichen Randalierers am Wochenende zu schweren Ausschreitungen gekommen. Angehörige der sogenannten autonomen Szene in beiden Städten lieferten sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei, zerstörten Läden und setzten Müllcontainer in Brand. Im Laufe des Sonntags gingen die Ausschreitungen in Athen weiter.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Die Unruhen begannen am Samstagabend, nachdem eine Gruppe von etwa 30 „Autonomen“ im Athener Stadtteil Exarchia mit Steinen, Knüppeln und Flaschen zwei Polizisten angegriffen hatten. So stellten es die angegriffenen Polizisten dar. Das zentral gelegene Exarchia gilt seit dem Ende der Obristenherrschaft (1967 bis 1974) als Hochburg linksextremistischer Kräfte in der griechischen Hauptstadt.

          Innenminister bietet Rücktritt an

          Ähnlich wie die Bewohner der Hamburger Hafenstraße Ende der achtziger Jahre bekämpfen sie jegliche Polizeipräsenz. Immer wieder kommt es in diesem Stadtteil zu Unruhen und kleineren Zusammenstößen zwischen Bewohnern und Repräsentanten des Staates.

          Explosion der Gewalt Bilderstrecke

          Am Sonntagmittag versammelten sich in derselben Gegend mehr als 1000 Menschen, um in einem Protestmarsch zum Hauptsitz der Athener Polizei zu ziehen. Es kam zu neuen Ausschreitungen, bei denen abermals Brandsätze geworfen wurden. Bis zum Sonntagabend wurden nach Behördenangaben 34 Menschen verletzt. Eine Frau soll schwere Kopfverletzungen erlitten haben. In Athen nahm die Polizei mindestens 13 Menschen fest, mehrere davon wegen Plünderungen.

          Vermummte Jugendliche der autonomen Szene zertrümmerten Schaufenster und Autoscheiben und setzten auch wieder Barrikaden aus Müllcontainern in Brand. Mehrere Banken und Geschäfte standen in Flammen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen.

          Drei Schüsse bei Zusammenstößen

          Bei einer ähnlichen Demonstration mit rund 1.200 Teilnehmern in Saloniki kam es ebenfalls zu neuen Ausschreitungen. Nachdem in der Nacht bereits Geschäfte und Banken demoliert worden waren, gab es am Sonntagmorgen Übergriffe auf das Rathaus, eine Polizeiwache und eine weitere Bank.

          Laut Berichten aus Athen fielen bei dem ersten Zusammenstoß am Samstag drei Schüsse, die von Polizisten abgegeben wurden. Dabei sei einer der Angreifer angeschossen worden. Der Verletzte, ein Halbwüchsiger im Alter von 15 oder 16 Jahren, starb laut den Angaben auf dem Weg ins Krankenhaus. Die zwei Beamten seien suspendiert worden, hieß es.

          Innenminister Prokopis Pavlopoulos bot seinen Rücktritt an, den Ministerpräsident Kostas Karamanlis von der seit März 2004 allein regierenden konservativen Volkspartei Nea Dimokratia jedoch nicht annahm.

          Rückzug in die Universitäten

          Zu größeren Ausschreitungen kam es, nachdem die Nachricht von den blutigen Ereignissen in Exarchia am Samstag die Runde gemacht hatte und sich mehrere hundert „Autonome“ zu Demonstrationen und Zerstörungszügen in beiden größten Städten des Landes zusammenrotteten.

          Einige Gruppen haben sich in Universitätsgebäude zurückgezogen, die in Griechenland für die Polizei als unantastbar gelten, sofern Direktorate nicht von sich aus die Ordnungshüter zum Eingreifen auffordern, was üblicherweise nicht geschieht. Für Sonntag waren neue Proteste angekündigt.

          Staatspräsident Papoulias drückte in einer Mitteilung an die Eltern des Verunglückten sein Bedauern aus und sagte, der Tod des Jugendlichen habe dem Rechtsstaat eine Wunde zugefügt. Regierungschef Karamanlis sagte sinngemäß, es werde für die Verantwortlichen bei der Aufklärung der Vorgänge keine Rücksichten geben.

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