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Reise nach Athen : Merkel und die Griechen

Kanzlerin Angela Merkel während ihres Treffens mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras in Athen am 10. Januar 2019. Bild: AP

2015 hätte ein Besuch der Kanzlerin in Griechenland noch ganz anders ausgesehen, doch heute hat sich das Verhältnis gebessert. Die Verantwortung der Rettungsmaßnahmen wurde jedoch in eine Zukunft nach Merkel und Tsipras verlegt.

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          Wer eine Kehrtwende vollzieht, ist deshalb noch lange kein Wendehals. Gerade in der Politik stehen Richtungsänderungen nicht immer für Opportunismus. Es braucht Mut, um Positionen aufzugeben, Irrtümer einzugestehen. Mut allein genügt allerdings nicht unbedingt, denn ohne Partner, die den neuen Weg frei machen, nützt die schönste Kehrtwende nichts. Ein Beispiel dafür ist die Karriere von Alexis Tsipras. Als griechischer Oppositionsführer überhäufte er Angela Merkel mit übelsten Schmähungen. Er setzte die Politik der Kanzlerin mit dem Nationalsozialismus gleich. Warf ihr vor, sie betreibe Menschenvernichtung. Zwischen 2013 und 2014 verging kaum eine Woche ohne neue Tsipras-Invektiven.

          Gut vier Jahre später, bei Angela Merkels erster Reise zu Ministerpräsident Tsipras in dieser Woche, bot sich in Athen ein ganz anderes Bild. Tsipras hat politisch eine Drehung um 180 Grad vollzogen – und Merkel war ihm dabei behilflich. Noch Anfang 2015 schien ein Frontalzusammenstoß der beiden wahrscheinlicher. Tsipras glaubte in den ersten Wochen als Regierungschef noch, er könne den Süden Europas gegen Merkels „Spardiktat“ einen. Doch er stieß in Paris, Madrid und Rom, die ja ebenfalls für Athens Schulden einstehen, auf Ablehnung. So kam es schließlich zur ersten Begegnung Tsipras–Merkel.

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