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Kaum freiwillige Spender : China gibt Organhandel zu

Demonstration gegen Menschenrechtsverletzungen und Organhandel in China (2006 in Hamburg) Bild: picture-alliance/ dpa

In seltener Offenheit wird in einem Bericht der chinesischen Staatspresse jetzt zugegeben, dass etwa zwei Drittel aller Spenderorgane von hingerichteten Straftätern stammen. Anscheinend floriert in China der illegale Organhandel.

          Im Ausland wird seit langem vermutet, dass in China in hoher Zahl Organe von hingerichteten Sträflingen für Transplantationen entnommen werden. In seltener Offenheit wurde in einem Bericht der chinesischen Staatspresse jetzt zugegeben, dass etwa zwei Drittel aller Spenderorgane von hingerichteten Straftätern stammen. Zwar hat China in den vergangenen Jahren die rechtlichen Grundlagen verbessert, um den offenbar regen Handel mit Organen einzudämmen. Aber einiges spricht dafür, dass Organe an zahlungskräftige Kunden verkauft werden.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Nach Schätzungen von Experten stammen 65 Prozent der bei Transplantationen verwendeten Organe von Hingerichteten, wie die Zeitung „China Daily“ am Mittwoch berichtete. Die Volksrepublik verhängt die meisten Todesurteile weltweit. Menschenrechtler werfen China seit Jahren Missbrauch mit Organen von Hingerichteten vor. Der stellvertretende Gesundheitsminister Huang Jiefu sagte jetzt, die Häftlinge seien „ganz bestimmt keine angemessene Quelle für Organtransplantationen“. Er versicherte aber, dass den Häftlingen nicht gegen ihren Willen Organe entnommen würden. Ein schriftliches Einverständnis sei obligatorisch.

          „Satte Gewinne“ - Kaum freiwillige Spender

          Der Zeitungsbericht deutet auch an, dass in China illegaler Organhandel verbreitet ist. „Einige ignorieren rechtliche Verfahren hinsichtlich Organspenden von hingerichteten Gefangenen und machen satte Gewinne“, sagte der Chirurg Qian Jianmin vom Huashan-Krankenhaus in Schanghai. Da die Ärzte mit vielen unterschiedlichen Regierungsstellen zu tun hätten, gebe es Schlupflöcher für Korruption.

          Transplantationen sollten kein „Privileg der Reichen“ sein, sagte der stellvertretende Minister der Zeitung. Nach Schätzungen der Regierung brauchen jedes Jahr mehr als eine Million Chinesen eine Transplantation. Nur etwa 10.000 Operationen können aber vorgenommen werden, weil es an Spendern fehlt. Der Hauptgrund liege in der traditionell niedrigen Bereitschaft der Chinesen, sich für einen solchen Schritt zu entscheiden. Auf eine Million Einwohner gibt es in China nach Untersuchungen nur 0,03 Personen, die sich zu einer Spende bereit erklären. In Spanien, wo die Spendebereitschaft weltweit am höchsten ist, sind es deutlich mehr als 30 pro eine Million Einwohner.

          Schwarzmarkt und „Organ-Tourismus“

          Das chinesische Gesundheitsministerium hat nun in zehn Provinzen und Städten ein neues Spendesystem eingeführt, das vom Roten Kreuz betreut wird. Zu den Maßnahmen gehören verstärkte Aufklärung, der Aufbau einer Datenbank sowie die Einrichtung eines Fonds, mit dem Organspenden für Bedürftige, Hilfen für Angehörige und die Überwachung der Verteilung finanziert werden sollen. Die Kosten einer Transplantation tragen in China meist allein die Empfänger. Sie zahlen zwischen 100 000 und 200 000 Yuan, umgerechnet 10.000 bis 20.000 Euro, für ein Organ. Sollte sich die Zahl der spendenbereiten Chinesen erhöhen, könnten auch die Kosten verringert werden, sagte Vizeminister Huang Jiefu der Zeitung.

          Nach Ansicht von Fachleuten gibt es in China trotz des Mangels einen Schwarzmarkt für Transplantationsorgane. Kritik gibt es am „Organ-Tourismus“ vor allem aus asiatischen Nachbarländern. China hatte im Jahr 2007 ein Gesetz erlassen, das den Organhandel verbietet und Spenden von lebenden Personen nur zwischen Verwandten und Ehepartnern erlaubt. Oftmals werden die Dokumente jedoch gefälscht. In den vergangenen Jahren ist der Anteil der von lebenden Personen stammenden Spenden unter anderem wegen der zunehmenden Betrugsfälle auf 40 Prozent der Transplantationen gestiegen.

          Derzeit überprüft die Regierung die landesweit 164 Krankenhäuser, die Transplantationen vornehmen dürfen. Im vergangenen Jahr waren schon drei Krankenhäuser wegen illegaler Organgeschäfte bestraft worden. Zuletzt hatte es im Februar Berichte gegeben, wonach 17 Japaner im südchinesischen Guangzhou Leber- und Nierenspenden erhalten hatten. Sie hatten jeweils etwa 595 000 Yuan (59 000 Euro) gezahlt.

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