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Kaukasus-Krieg : Abchasien meldet Kontrolle über Kodori-Tal

  • Aktualisiert am

Bush: „Russland ist in einen souveränen Nachbarstaat eingefallen” Bild: AP

Abchasische Truppen haben nach eigenen Angaben die Kontrolle über das Kodori-Tal erlangt. Im UN-Sicherheitsrat scheiterte der westliche Resolutionsentwurf am russischen Widerstand. Der amerikanische Präsident Bush verschärfte seine Kritik an Moskau.

          Abchasische Truppen kontrollieren nach eigenen Angaben jetzt den Großteil des zuletzt von Georgien kontrollierten oberen Kodori-Tals. Die Orte Aschara und Tschchalta seien eingenommen worden, teilte der Präsident der von Georgien abtrünnigen Region Abchasien, Sergej Bagapsch, laut der Agentur Interfax am Dienstag mit. Abchasische Militäreinheiten hatten am Dienstagmorgen georgische Stellungen im oberen Kodori-Tal mit Artillerie angegriffen.

          Die Abchasen betrachten das obere Kodori-Tal, in dem wenige tausend Menschen leben, als ihr Territorium. Es ist das einzige Gebiet in Abchasien, das noch unter georgischer Kontrolle stand. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili hatte 2006 die dortigen Abchasen vertreiben und eine georgische Verwaltung errichten lassen. In den vergangenen Tagen hatte Russland 9000 Soldaten und 350 Militärfahrzeuge nach Abchasien verlegt und das mit der Unterstützung der dort stationierten russischen Friedenstruppen begründet.

          Bush: „dramatisch und brutal“

          Abchasien hatte sich wie die abtrünnige Provinz Südossetien Anfang der neunziger Jahre von Georgien abgespalten. Nach dem Völkerrecht gehören beide Gebiete jedoch weiter zu Georgien.

          Russische Truppen unterstützen die Separatisten in Abchasien (Bild vom 10. August)

          Unterdessen äußern die Vereinigten Staaten ihre Kritik an Russlands Vorgehen in dem Konflikt immer deutlicher. Präsident George W. Bush sagte am Montag in Washington kurz nach seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen in Peking: „Russland ist in einen souveränen Nachbarstaat eingefallen und bedroht eine Regierung, die vom eigenen Volk gewählt wurde.“ Solch eine Handlung sei „im 21. Jahrhundert inakzeptabel“, sagte Bush. Die Vereinigten Staaten seien wegen der „dramatischen und brutalen“ Eskalation sehr besorgt.

          Wieder keine UN-Resolution

          Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen lehnte Russland den französischen Entwurf einer UN-Resolution zu dem Konflikt als inakzeptabel ab. Der von Frankreich eingebrachte Resolutionsentwurf sieht nach den Worten von Botschafter Jean-Pierre Lacroix eine sofortige Einstellung aller Feindseligkeiten in Georgien vor. Außerdem solle Russland seine Truppen aus Südossetien abziehen und die territoriale Integrität Georgiens respektieren. Den Opfern solle geholfen werden.

          Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin sagte dazu, der Entwurf habe zahlreiche Unzulänglichkeiten. Vor allem enthalte er keine Hinweise auf die georgische Aggression und die von Georgien verübten Grausamkeiten. Tschurkin wich abermals Fragen aus, ob sein Land Präsident Saakaschwili stürzen wolle. „Wir in Russland können nicht erkennen, wie wir mit ihm noch Geschäfte machen können. Daraus haben wir kein Geheimnis gemacht.“

          Sarkozy reist nach Moskau und Tiflis

          Der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen Russland und Georgien war in der vergangenen Woche eskaliert, als Georgien das abtrünnige Südossetien militärisch wieder unter seine Kontrolle bringen wollte. An diesem Dienstag will der französische Staatspräsident und amtierende EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy zwischen Russland und Georgien vermitteln. Sarkozy will zunächst in Moskau den russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew treffen und anschließend nach Tiflis reisen.

          Führende Politiker Polens, der Ukraine sowie der drei baltischen Staaten wollen an diesem Dienstag nach Georgien reisen, um ihre Solidarität mit Präsident Saakaschwili zu bekunden. Wie das Büro des litauischen Präsident Valdas Adamkus mitteilte, werden außer ihm Polens Präsident Lech Kaczynski, der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko sowie die Ministerpräsidenten Lettlands und Estlands nach Tiflis reisen.

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