https://www.faz.net/-gpf-101cq

Kaukasus-Konflikt : Die Eskalation begann im Frühjahr in Abchasien

Noch lange keine Ruhe: die asbchasische Führung ist nicht mehr zu Gesprächen bereit Bild: AFP

Im Frühjahr noch schien Südossetien ruhiger als Abchasien. Dort hatte die Kaukasus-Krise im im April einen ersten Höhepunkt erreicht, als eine georgische Drohne abgeschossen wurde.

          Am Freitag noch zeigte das russische Fernsehen, wie russische Friedenstruppen in Abchasien die Streitkräfte der abchasischen Separatisten aufhielten, die an die Waffenstillstandslinie vorrücken wollten. Man werde das nicht zulassen, sagte ein russischer Offizier, denn das sei gegen das Waffenstillstandsabkommen von 1994, und die Friedenstruppen müssten jeden Verstoß gegen diese Vereinbarung unterbinden. Dann durfte der abchasische Präsident Sergej Bagapsch sprechen, der an den Ort des Geschehens geeilt war: Er hoffe, dass die russischen Friedenstruppen ihre Aufgaben richtig verstünden. Die abchasischen Kämpfer würden ihren Weg auf jeden Fall fortsetzen, um den Südosseten beizustehen.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Am Sonntagmorgen haben sie es nach eigenen Angaben geschafft, nachdem abchasische Truppen schon am Samstag mit heftigem Artilleriebeschuss auf Stellungen der georgischen Armee eine zweite Front im Krieg in Georgien eröffnet hatten. Im Dreieckskonflikt zwischen Georgien, seinen beiden abtrünnigen Gebieten und Russland ist damit die Gewalt auch dort ausgebrochen, wo eine Eskalation im Frühjahr dieses Jahres näher schien als in Südossetien.

          Russland schoss georgische Drohne ab

          Ihren vorläufigen Höhepunkt hatten die Spannungen um Abchasien erreicht, nachdem dort Ende April ein russisches Kampfflugzeug eine georgische Drohne abgeschossen hatte. Russland bestritt diese Verletzung der Waffenstillstandsvereinbarungen zwar, doch der EU-Außenbeauftragte Solana ging mit der Äußerung, er werde seine Krawatte essen, wenn es nicht die Russen gewesen seien, kein Risiko ein: Eine Untersuchung der UN-Mission in Georgien (Unomig) bestätigte die georgische Darstellung. Kurz nach diesem Zwischenfall verstärkte Russland seine Friedenstruppen in Abchasien, da es - so die Begründung - immer öfter „Provokationen“ durch georgische Kräfte gebe. Die georgische Regierung sprach von einer „militärischen Aggression“ - obwohl sich Moskau im Rahmen der vereinbarten Obergrenze hielt.

          Den militärischen Muskelspielen waren einige politische Schritte Moskaus vorausgegangen, die in Georgien als offene Schritte in Richtung einer Anerkennung oder Einverleibung Abchasiens angesehen wurden. Zunächst kündigte Russland am 6. März „wegen veränderter Umstände“ einen Vertrag aus dem Jahr 1996, in dem die Mitglieder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) Wirtschaftssanktionen gegen das abtrünnige Gebiet vereinbart hatten. Für Georgien war das eine Ohrfeige. Russland hatte die Vereinbarung in Wirklichkeit zwar schon lange nicht mehr eingehalten, aber was bis dahin wenigstens den Buchstaben nach illegal war, war nun erlaubt.

          Zwei Ereignisse für eine härtere Position

          Weitere Themen

          Gegen die Zombies

          FAZ Plus Artikel: Erbe der Sowjetunion : Gegen die Zombies

          Wo früher die Sowjetunion war, herrschen heute oft Diktatoren, alte Seilschaften und Korruption. Immer mehr junge Leute, denen die eingeimpfte, angstvolle Einordnung ins Kollektiv fremd ist, wollen einen anderen Weg gehen.

          Topmeldungen

          Ein Rechenzentrum

          Digitales Deutschland : Kein Techno-Nationalismus

          Macht sich Deutschland gerade zu sehr abhängig von ausländischen Internetunternehmen? Die Sorge in der Wirtschaft wächst – sie sollte nicht leichtfertig abgetan werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.