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Katholische Kirche : Papst Franziskus trifft erstmals Missbrauchsopfer

  • Aktualisiert am

Papst Franziskus hat Missbrauchsopfer um Verzeihung gebeten Bild: AFP

Jahrzehntelang kehrte die katholische Kirche die Vergehen von Geistlichen unter den Tisch, nun hat Papst Franziskus erstmals Opfer, auch aus Deutschland, getroffen. Nicht alle Betroffenen sind jedoch zufrieden mit der Aktion.

          Papst Franziskus hat erstmals Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche getroffen und sie dabei demütig um Vergebung „für diese Sünden und schweren Verbrechen“ gebeten. Er feierte am Montag mit sechs Betroffenen aus Deutschland, Irland und Großbritannien eine bewegende Morgenmesse. Danach widmete sich der Papst in ausführlichen Gesprächen – insgesamt drei Stunden lang – jedem Einzelnen der geschändeten drei Männer und drei Frauen.

          Die katholische Kirche war vom Skandal um jahrzehntelangen Missbrauch an Heranwachsenden in zahlreichen Ländern massiv erschüttert worden. Franziskus’ Vorgänger Benedikt XVI. hatte sich insgesamt fünf Mal mit Menschen getroffen, die in katholischen Kirchen und Einrichtungen sexuell missbraucht worden waren, so in den Vereinigten Staaten und in Deutschland.

          In seiner Predigt bat Franziskus auch um Verzeihung für jene Kirchenführer, die nicht angemessen auf Berichte über Missbrauch geantwortet hätten. „In der Geistlichkeit ist kein Platz für jene, die Missbrauch begehen“, sagte er und bekräftigte, Vergehen an Minderjährigen nicht tolerieren zu wollen.

          „Die eigene Berufung vergewaltigt“

          Großer Schmerz und Leid erfülle sein Herz seit einiger Zeit angesichts der Tatsache, dass Priester und Bischöfe mit dem sexuellen Missbrauch von Minderjährigen deren Unschuld und ihre eigene Berufung als Priester vergewaltigt hätten. Die Universalkirche müsse Minderjährige schützen und auch über die Priester-Ausbildung solche Sünden aus der Kirche verbannen.

          Die Messe feierten Franziskus und die Betroffenen in der kleinen Kapelle des vatikanischen Gästehauses Santa Marta. Danach kam der Papst mit den Missbrauchsopfern noch zu dem persönlichen Gespräch zusammen, das jeweils etwa eine halbe Stunde dauerte, wie Vatikan-Sprecher Federico Lombardi berichtete. Die jeweils zwei Betroffenen pro Land wurden dabei entweder von Familienangehörigen oder aber von Personen ihres Vertrauens zum Papst begleitet.

          Die internationale Vereinigung von Opfern sexuellen Missbrauchs in der Kirche (SNAP) warf dem Papst unterdessen gravierende Versäumnisse bei der Bekämpfung sexueller Gewalt vor. Nach wie vor werde im Vatikan eine „Verzögerungstaktik“ verfolgt. Die Namen von überführten und glaubhaft beschuldigten Tätern müssten veröffentlicht werden, forderte die Vereinigung in einer Stellungnahme. Überdies müsse die im Vatikan für die Verfolgung der Taten zuständige Glaubenskongregation sämtliche Akten über Missbrauchsfälle an die zuständigen Justizbehörden der jeweiligen Länder weiterleiten.

          „Die Aktion von Papst Franziskus ist ein weiteres Stück Symbolismus, nicht weiter als eine PR-Veranstaltung“, kritisierte das deutsche Netzwerk Betroffener von sexueller Gewalt. Der Papst schare lieber strenggläubige Missbrauchsopfer um sich und bete mit ihnen, anstatt die Betroffenen angemessen zu entschädigen, so der Vorsitzende des Netzwerkes, Norbert Denef. Eine Begegnung auf Augenhöhe sehe anders aus.

          Vorbereitung in aller Diskretion

          Franziskus hatte das Treffen selbst angekündigt und der Vatikan in aller Diskretion die als private Begegnung gehaltene Zusammenkunft vorbereitet. Auf dem Rückflug von seiner Reise ins Heilige Land hatte der Papst Ende Mai sexuellen Missbrauch durch Geistliche mit einer „schwarzen Messe“ verglichen und scharf verurteilt. Dies sei ein schweres Problem, bei dem es für die katholische Kirche nur eine Null-Toleranz gebe, sagte Franziskus.

          Er hatte im Dezember 2013 eine achtköpfige Kommission ins Leben gerufen, die ein gesteigertes Bewusstsein auch für die Verantwortung der Kirche bei sexuellem Missbrauch schaffen soll. Die Kommission ist zur Hälfte von Frauen besetzt, darunter das irische Missbrauchsopfer Marie Collins. Der Präsident dieser Kommission, der Bostoner Kardinal Sean Patrick O’Malley, begleitete auch die Sechser-Gruppe zum Papst.

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