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Katholische Kirche : Der Papst und die Frauen im Gottesdienst

Wortreich die Weiblichkeit beschwört: Papst Franziskus in Rom Bild: Reuters

Mit einem neuen Erlass ermöglicht Papst Franziskus Frauen, als Lektorinnen am katholischen Gottesdienst teilzunehmen. Damit erlaubt er eine in Deutschland längst gängige Praxis.

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          Wenn der Vatikan eine Änderung des Kirchenrechts nicht einfach nur mitteilt, sondern einem größeren Leserkreis dazu ein Schreiben des Papstes an den Präfekten der Glaubenskongregation zugänglich macht, dann will er damit signalisieren: Bedeutsames geht vor sich. Und so hält sich der jüngste dieser Briefe von Papst Franziskus an Luis Kardinal Ladaria nicht mit Höflichkeitsfloskeln auf: „Der Heilige Geist als Liebesbeziehung zwischen dem Vater und dem Sohn schafft und stärkt die Gemeinschaft des gesamten Gottesvolkes und bringt darin zahlreiche unterschiedliche Gaben und Charismen hervor“, beginnt der Papst den Brief, der am Montag vom Vatikan veröffentlicht wurde.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Das Schreiben zeigt, dass es Franziskus offenbar um eine Stärkung der Rolle von Laien in der Kirche geht: „Im Horizont der Erneuerung infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils hat man immer deutlicher die Notwendigkeit verspürt, heute die Mitverantwortung aller Getauften in der Kirche wiederzuentdecken, und in besonderer Weise den Auftrag der Laien“, ist in dem Brief zu lesen. Franziskus spricht von einem „wertvollen Beitrag, den zahlreiche Laien, auch Frauen, für das Leben und den Auftrag der Kirche leisten“. Dann lässt der Papst die Katze aus dem Sack: Deshalb habe er beschlossen, das Amt des Lektors und des Akolythen auch für Frauen zu öffnen.

          Was Franziskus wortreich ankündigt, ist ungefähr so zusammenzufassen: Frauen dürfen nun mit päpstlichem Segen das tun, was sie in Deutschland und anderen Ländern schon seit rund fünfzig Jahren tun: die Kommunion austeilen und die Lesungen im Gottesdienst vortragen. Der Lektor ist Vorleser, die Aufgaben eines Akolythen als Begleiter sind in großen Teilen deckungsgleich mit jenen eines Messdieners.

          Bislang führte in Deutschland der Weg katholischer Frauen zum Altar nur durch eine kirchenrechtliche Hintertür: Die deutschen Bischöfe beriefen Frauen etwa zu Gottesdienstbeauftragten und betrauten sie stets aufs Neue zeitlich begrenzt mit diesen Aufgaben, ohne ihnen das dazugehörige Amt zu verleihen. Um nicht in die Verlegenheit zu geraten, erklären zu müssen, warum Frauen nicht einmal diese beiden Ämter bekleiden dürfen, haben viele deutsche Bischöfe bisher generell keine Laien zu Akolythen und Lektoren berufen.

          Nicht mehr nur männliche Laien

          Möglich macht die Neuerung nun „Der Geist des Herrn“: So lautet die deutsche Übersetzung des Erlasses „Spiritus domini“, der zusammen mit dem Brief an Ladaria veröffentlicht wurde. Darin änderte der Papst Kanon 230 Paragraph 1 des Rechts der lateinischen Kirche. Demnach können nun Laien – bisher stand an dieser Stelle „männliche Laien“ – mit „dem festgelegten liturgischen Ritus dauerhaft in den Diensten der Lektoren und Akolythen eingesetzt werden“. Beide Ämter zählten bis 1972 zu den sogenannten niederen Weihen und waren Durchgangsstufen auf dem Weg zum Priesteramt. Franziskus’ Entscheidung soll, so schreibt der Papst selbst, dazu beitragen, „dass Frauen einen echten und effektiven Einfluss in der Organisation, bei den wichtigsten Entscheidungen und bei der Leitung von Gemeinschaften haben“. Allerdings: Ohne dabei „ihren eigenen weiblichen Stil aufzugeben“.

          So empathisch wie der Papst klangen die Reaktionen auf seinen Erlass zumindest nördlich der Alpen nicht. Die Deutsche Bischofskonferenz, die sonst regelmäßig die Bedeutsamkeit päpstlicher Verlautbarungen und Entscheidungen hervorhebt, zog es dieses Mal vor zu schweigen. Zu Wort meldete sich vorerst nur der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Er bezeichnete den päpstlichen Erlass als einen „kleinen Schritt in die richtige Richtung“.

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