https://www.faz.net/-gpf-pjw9

Katastrophenhilfe : „Amerikanische Werte am Werk“

Nicht immer einfach: diplomatische Beziehungen zu Indonesien Bild: dpa/dpaweb

Mit ihrer Hilfe für die Opfer des Tsunamis in Asien demonstrieren die Vereinigten Staaten Großzügigkeit, um ihr Verhältnis zu Indonesien aufzubessern. Daran herrscht Bedarf, denn die Beziehungen sind seit einigen Jahren getrübt.

          4 Min.

          In den Sondermaschinen, die am Mittwoch in Jakarta eintrafen, befanden sich ausnahmsweise keine Ärzte. An Bord waren Präsidenten, Regierungschefs und Außenminister. Sie wollen an diesem Donnerstag in der indonesischen Hauptstadt über die internationale Hilfe in den Tsunami-Gebieten Asiens beraten.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Vermutlich hat es nicht viele internationale Konferenzen dieses Ausmaßes gegeben, die in so kurzer Zeit organisiert wurden. Noch am Tag vor Beginn des Krisengipfels kann die indonesische Regierung nur eine vorläufige Teilnehmerliste veröffentlichen. Fest zugesagt haben der Generalsekretär der Vereinten Nationen, die Ministerpräsidenten aus Japan, China und Australien sowie Staats- und Regierungschefs aus acht weiteren Ländern Asiens, ferner die Außenminister der drei besonders betroffenen Länder Indien, Sri Lanka und Thailand. Auch die Chefs der Weltbank, der Weltgesundheitsorganisation und der Unicef sind in der Stadt.

          Die Medien quellen über

          Europa wird von dem Präsidenten der EU-Kommission Barroso, seinem Kommissar für Humanitäre Hilfe, Michel, und dem luxemburgischen Ministerpräsidenten Juncker vertreten, welcher die Ratspräsidentschaft innehat. Der unbestrittene Star kommt aber aus Amerika: Außenminister Powell.

          Genaugenommen kam er aus Thailand. Am Mittwoch reiste er dann, gemeinsam mit Floridas Gouverneur Jeb Bush, dem Bruder des amerikanischen Präsidenten, weiter und flog direkt ins Katastrophengebiet in die indonesische Provinz Aceh. Die zupackende Hilfe der amerikanischen Soldaten hat in Indonesien großen Eindruck gemacht. Die Medien quellen über von Berichten über die rettenden Einsätze der Hubschrauber, die der Flugzeugträger „Abraham Lincoln“ in wenigen Tagen aus dem Südchinesischen Meer herangeschafft hat.

          „Ohne Ansicht der Religion“

          In Banda Aceh, der verwüsteten Hauptstadt der Provinz, sagte Powell zu, die Zahl der Hubschrauber auf 90 zu erhöhen. „Wir tun dies ohne Ansicht der Religion“, sagte Powell auf einer Pressekonferenz, „aber ich denke, es gibt der muslimischen Welt - und dem Rest der Welt - eine Möglichkeit, amerikanische Großzügigkeit und amerikanische Werte am Werk zu sehen“.

          Daran herrscht in Indonesien, der größten muslimischen Nation der Welt, Bedarf. Seit einigen Jahren sind die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten getrübt. Mehr als drei Jahrzehnte lang, von 1965 bis 1998, unterhielten die beiden Länder ein freundschaftliches Verhältnis, das viel mit dem Mann zu tun hat, der in diesen 32 Jahren regierte: Diktator Suharto. Der General hatte - viele meinen mit amerikanischer Unterstützung - seinen Vorgänger Sukarno entmachtet. Unter Sukarno, der 1945 die Unabhängigkeit ausgerufen hatte, war das Inselreich im Laufe der Jahre in die Nähe des Sozialismus gerutscht; Indonesien hatte vor dem Putsch von 1965 die nach China größte Kommunistische Partei der Welt.

          Verfinsterter Blick

          Nach dem Rücktritt Suhartos, der vor bald sieben Jahren von einer demokratischen Volksbewegung erzwungen wurde, kehrte sich Washington von Jakarta ab. Grund dafür waren zunächst die Massaker der indonesischen Soldaten und Paramilitärs in der Provinz Ost-Timor, die sich 1999 in die Unabhängigkeit aufmachte - Verbrechen, die bis heute, trotz Gerichtsverfahren und Tribunalen, nicht gesühnt sind.

          Auch umgekehrt verfinsterte sich der Blick. Die Indonesier demonstrierten gegen die amerikanischen Kriege in Afghanistan und im Irak. Zugleich fühlten sie sich ungerechtfertigt kritisiert für ihren Umgang mit den islamistischen Terroristen. Anders als Washington betrachtet die indonesische Regierung die zahlreichen Festnahmen nach den Bombenanschlägen auf Bali und in Jakarta als vorzeigbaren Erfolg im Antiterrorkampf.

          Unterstützung für „SBY“

          Mit dem neuen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono scheinen sich die Dinge zum Besseren zu wenden. Der in Amerika ausgebildete General im Ruhestand genoß schon im Wahlkampf des vergangenen Jahres die Unterstützung aus Washington. Yudhoyono ist ein westlich orientierter Muslim, der eine wirtschaftsfreundliche Politik betreibt und außerdem Amerikas Argwohn gegenüber China teilt.

          Weitere Themen

          School’s out forever?

          F.A.Z.-Newsletter : School’s out forever?

          Corona sorgt nicht nur für entkräftete Eltern und Lehrer: Die Gefahr, dass Bildungsdefizite mancher Kinder größer werden, wächst mit jedem Tag. In China spitzt sich die Hongkong-Frage am Donnerstag zu. Der F.A.Z. Newsletter für Deutschland.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.