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Kataloniens Unabhängigkeit : Erste Tränen in der Revolution des Lächelns

Katalanen hören in Barcelona der Ansprache von König Felipe VI zu. Bild: Polaris /Studio X

In angespannter Stimmung erwartet Spanien und Katalonien die Rede von Carles Puigdemont in Barcelona. In der rebellischen Region mehren sich angesichts der Eskalation die Zweifel am Mann an der Spitze der Sezessionisten.

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          Das rote Gebäude mit der Säulenfassade liegt versteckt in einem großen Park. Der Weg führt am Zoo und einem Brunnen mit der Statue einer zusammengekauerten nackten Frau vorbei. Ohne den vergoldeten Schriftzug über dem Portal und dem einsamen Polizisten davor würde das katalanische Parlament im Parco de Ciutadella am Rand der Innenstadt von Barcelona gar nicht auffallen. Nur die ausländischen Kamerateams passen nicht zu dem herbstlichen Abendidyll. „Wir können nicht sagen, was bald hinter mir passieren wird“, beginnen bedeutungsvoll die Korrespondenten auf Norwegisch, Englisch und Holländisch ihre Berichte und zeigen hinter sich.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Eigentlich wollten die Katalanen am Montag in dem früheren bourbonischen Arsenal den letzten Schritt auf dem Weg zu einem eigenen Staat tun. Im Plenarsaal des katalanischen Regionalparlaments sollten die Abgeordneten die Unabhängigkeit erklären; am vergangenen Sonntag hatten sich in der Volksabstimmung zwei Millionen Wähler dafür ausgesprochen. Doch haben die Verfechter einer Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien einen Rückzieher gemacht.

          Eine für Montag geplante Plenarsitzung des Regionalparlaments werde nicht stattfinden, sagte die Sprecherin der linken Parlamentspartei CUP, Nuria Gibert, am Freitagabend der Deutschen Presse-Agentur. Zur Begründung der Absage verwies Gibert darauf, dass das spanische Verfassungsgericht die Parlamentssitzung verboten hatte. CUP ist entschieden für die Unabhängigkeit der Region. Daraufhin hatte der Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, angekündigt, er werde am Dienstag vor dem Parlament in Barcelona Stellung zur „aktuellen politischen Lage“ beziehen. Eine solche allgemein gehaltene Ankündigung könnte das Verfassungsgericht kaum verbieten. Ob er dabei die Unabhängigkeit postulieren will, ist unbekannt.

          Der Architekt des Sitzungssaals unter der hohen Kuppel ließ sich von der Pariser Oper inspirieren. Doch die Menschen in Barcelona haben nicht vergessen, dass das frühere Zeughaus auf dem Gelände der alten Zitadelle liegt. Die Vorfahren des heutigen spanischen Königs Felipe VI. ließen sie errichten, um das 1714 eroberte Barcelona und den Rest Kataloniens zu beherrschen. Die Trutzburg mit einem berüchtigten Gefängnis wurde für die Bevölkerung zu einem Symbol für die verhasste Zentralregierung in Madrid, zu dem auch ein Gefängnis für politische Häftlinge gehörte.

          „Spanien verdient uns Katalanen nicht“, sagt der Mann auf der Bank, der seinem Enkel auf dem Spielplatz neben dem Parlament beim Schaukeln zusieht. Vor dreißig Jahren ist er aus Peru eingewandert. Aber spätestens seit spanische Polizisten am Sonntag während des Referendums in Wahllokalen auf die Menschen einprügelten, fühlt er sich nur noch als Katalane. „Am Morgen habe ich noch meine Stimme gegen die Unabhängigkeit abgegeben. Aber nachdem ich die Polizei gesehen habe, würde ich jetzt nur mit Nein stimmen“, sagt der Elektriker: „Wir sind der Wirtschaftsmotor Spaniens, aber die autoritäre Regierung in Madrid behandelt uns, als wären wir die allerletzten.“

          Der Park ist ein beliebter Treffpunkt, ein Ort der Geschichte und der Geschichten. Auf einem Brunnen und einem Backsteingebäude wimmelt es von Drachen. Der Drachentöter Sant Jordi ist der Schutzpatron Kataloniens, dessen Bilder auch im Präsidentenpalast im Gotischen Viertel in der Altstadt einen Platz haben. Ein historisches Gemälde des Heiligen Georgs mit der Lanze hängt über der Sitzgruppe, in der Carles Puigdemont seine Gäste empfängt. Auf seiner Visitenkarte steht „130. Präsident der Generalitat“.

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