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Kataloniens Unabhängigkeit : Erste Tränen in der Revolution des Lächelns

Unternehmen haben Angst vor Abspaltung

Die Mehrsprachigkeit und Weltoffenheit sind eines der wichtigsten Pfunde, mit denen Katalonien wirtschaftlich wuchern konnte. Nicht nur Millionen Touristen, sondern auch zahllose ausländische Investoren zieht es seit Jahren in die Region. Unter ihnen sind besonders viele Deutsche. Die Katalanen seien die „Preußen Spaniens“, heißt es augenzwinkernd immer wieder zur Begründung. Das lässt sich auch mit Zahlen belegen. Mehr als die Hälfte der spanischen Firmen mit deutscher Beteiligung sind in Katalonien aktiv. Unter den Unternehmern wachsen von Tag zu Tag Unsicherheit und Angst.

Bis vor kurzem herrschte noch das Prinzip Hoffnung. Doch jetzt müssen beide Seiten darauf achten, dass sie nicht auch ihre politische Kreditwürdigkeit nicht verspielen“, sagt Albert Peters. Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater ist Vorsitzender des „Kreises Deutschsprachiger Führungskräfte“. Die Volkswagen-Tochter Seat baut in Barcelona Autos; BASF, Bayer und Siemens und sind seit Jahren in Katalonien präsent. „Einige ausländische Unternehmen wollen ihren Firmensitz in Katalonien in ein anderes südeuropäisches Land verlegen und gar nicht mehr in Spanien bleiben“, sagt Peters. Die Sorge ist groß, dass die Krise nicht nur auf Katalonien begrenzt bleibt, sondern auch den Rest Spaniens erfasst. „Wenn Katalonien hustet, hat Spanien die Grippe“, sagt der deutsche Berater. Sollte sich Katalonien wirklich von Spanien trennen, wäre auch die spanische Wirtschaft in Gefahr, die sich gerade erst von einer ihrer schwersten Krisen erholt.

In Barcelona überschlagen sich die schlechten Nachrichten. Die katalanische Sabadell-Bank, das fünftgrößte Geldinstitut in Spanien, verlegt ihren Firmensitz nach Alicante. Die Caixa-Bank will nach Valencia umziehen. Auch der Sektproduzent Freixenet erwägt, Katalonien zu verlassen, wie es eine täglich wachsende Liste katalanischer Firmen schon beschlossen hat. Banken bieten mittlerweile ihren Kunden von sich aus an, ihre Guthaben in Katalonien auf Konten von Filialen in Spanien zu überweisen. Angeblich haben aus der Region schon Millionenbeträge Katalonien und zum Teil auch Spanien verlassen. Manche sprechen schon von einem drohenden „Corralito“. Das würde bedeuten, dass bei einer Verschärfung der Krise ihre Konten eingefroren werden könnten.

Selbst das Wetter in Barcelona ist merklich kühler geworden. Die Touristen scheint das nicht zu stören. Sie flanieren unverdrossen den Ramblas-Boulevard hinunter, der bis zum Meeresufer führt. Am 17. August hatte hier ein islamistischer Terrorist im einem Lieferwagen 15 Menschen getötet. Die Attentate dämpften die Barcelona-Begeisterung bisher nicht. Doch im Hafen zeigen sich die Folgen der neuen Instabilität. Zwei große Kreuzfahrtschiffe legten am Tag des Referendums und des Generalstreiks nicht in Barcelona an. Dafür ankern zwei riesige Fähren im Hafen. Auf ihnen warten Tausende spanische Polizisten auf ihren nächsten Einsatz – möglicherweise Anfang nächster Woche, wenn das katalanische Regionalparlament endgültig die Unabhängigkeit erklären sollte.

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