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Kaschmir-Konflikt : Warnungen aus Islamabad

Demonstranten im pakistanischen Islamabad kritisieren die indische Vorherrschaft in der Region Kaschmir. Bild: dpa

Nach der Statusänderung durch die indische Regierung herrscht in Kaschmir offenbar eine angespannte Ruhe. Doch Pakistans Regierungschef Imran Khan spricht von einer möglichen Eskalation bis hin zum Krieg. Kritik kommt auch aus China.

          Aus dem indisch verwalteten Teil Kaschmirs gelangen derzeit kaum Nachrichten nach außen. Die indischen Behörden haben im Zuge ihrer erhöhten Sicherheitsvorkehrungen sämtliche Kommunikationskanäle unterbrochen. Damit sollen nach der Aufhebung des Sonderstatus der Region Unruhen verhindert werden. Die Regierung hat außerdem Tausende zusätzliche Soldaten in die Region geschickt. Führende Regionalpolitiker wurden unter Hausarrest gestellt. Videoaufnahmen aus Kaschmir zeigten ein hohes Militäraufgebot, Stacheldrahtbarrikaden und menschenleere Straßen. Immerhin schien auch am frühen Mittwochmorgen, zwei Tage nach dem Paukenschlag in Delhi, die Lage in der Unruheregion selbst stabil zu sein.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Dafür drohen aber weitere Spannungen zwischen den Nachbarländern Indien und Pakistan. Der pakistanische Regierungschef Imran Khan hatte am Dienstag in einer Rede vor möglichen Terroranschlägen gewarnt, die zu einer militärischen Eskalation führen könnten. Als Ursache nannte er die Unterdrückung des kaschmirischen Widerstands. „Mit einem solchen Ansatz werden sich Zwischenfälle wie Pulwama wiederholen, das kann ich schon voraussehen. Sie werden versuchen, uns dafür verantwortlich zu machen. Sie werden uns womöglich wieder angreifen, und wir werden zurückschlagen“, sagte Khan laut der Zeitung „Dawn“ bei einer gemeinsamen Sitzung der beiden  Parlamentskammern in Islamabad.

          Pakistanische Streitkräfte „zu allem bereit“

          Pulwama ist der Ort, an dem im Februar bei einem Terrorangriff auf einen indischen Militärkonvoi 40 Soldaten getötet worden waren. Die indische Luftwaffe hatte daraufhin erstmals seit Jahrzehnten pakistanisches Territorium aus der Luft angegriffen. Pakistan hatte die Eindringlinge nach eigenen Angaben mit seinen Kampfflugzeugen zurückgedrängt. Der Stabschef der pakistanischen Streitkräfte erklärte nun, das Militär sei „zu allem bereit“. „Die pakistanische Armee steht den Kaschmiris in ihrem gerechten Kampf bis zum bitteren Ende bei“, sagte General Qamar Javed Bajwa. Der  Regierungschef Khan warnte zudem vor  dem Parlament vor den verheerenden Folgen, die eine militärische Auseinandersetzung haben könnte. „Niemand wird einen solchen Krieg gewinnen, und er wird schwerwiegende Konsequenzen für die ganze Welt haben.“ Der Ministerpräsident spielte damit auch darauf an, dass es sich auf beiden Seiten um Atommächte handelt. „Dies ist keine nukleare Erpressung. Es ist die logischen Folge der Ereignisse“, sagte Khan.

          Der Sonderstatus der mehrheitlich muslimischen Region war am Montag durch ein Dekret des Präsidenten Ram Nath Kovind in Kraft getreten. Am Dienstag hatte zudem das Parlament in Delhi die Abschaffung des entsprechenden Artikels 370 der indischen Verfassung beschlossen. Kritiker befürchten, dass die hindunationalistische Ministerpräsident Narendra Modi und seine Regierung eine „Hinduisierung“ des Gebiets anstreben. Imran Khan warf der indischen Führung denn auch eine „rassistische Ideologie“ vor. Sie habe schon lange den Status Kaschmirs ändern wollen. „Das ist ein Teil ihrer Ideologie, der die Hindus über alle anderen Religionen stellt und einen Staat schaffen will, der alle anderen Religionsgruppen unterdrückt“, sagte Khan. Indien werde nun den Widerstand der Kaschmiris mit „brutaler Gewalt“ verhindern.

          Kritik an dem Schritt der indischen Regierung kam auch aus Peking. „Indien hat kürzlich abermals Chinas territoriale Souveränität untergraben, indem es unilateral ein Landesgesetz geändert hat. Ein solcher Schritt ist inakzeptabel und wird nicht umgesetzt werden“, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking. Die Regierung in Delhi hatte darauf mit dem Hinweis reagiert, die Änderungen seien „eine interne Angelegenheit, die indisches Territorium betrifft“. Indien kommentiere nicht die internen Angelegenheiten anderer Länder und erwarte, dass andere Länder es ebenso hielten, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Delhi Raveesh Kumar. Neben Indien und Pakistan kontrolliert auch China einen kleinen Teil des ehemaligen Fürstentums. Mit der Statusänderung hat Delhi das Gebiet auch in ein Territorium Jammu und Kaschmir und ein Territorium Ladakh aufgeteilt, die jeweils direkt von Delhi aus verwaltet werden sollen. 

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