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Videoansprache an Kasachen : Nasarbajew ist wieder da

Nursultan Nasarbajew während seiner Videoansprache an die Kasachen am 18. Januar Bild: via REUTERS

Nach Wochen der Spekulationen über das Los Nursultan Nasarbajews meldet sich Kasachstans „Führer der Nation“ zurück – angeblich aus Nur-Sultan. Er betont, es gebe keinen Konflikt in der Elite des Landes.

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          Mit einer Videobotschaft an seine „teuren Landsleute“ hat sich Nursultan Nasarbajew, Kasachstans „Jelbassy“ (Führer der Nation) auf Lebenszeit, am Dienstag zurückgemeldet. Seit Ende Dezember war der 81 Jahre alte „erste Präsident“, so seine gängige Bezeichnung, nicht mehr öffentlich aufgetreten, hatte sich nicht selbst zu den Protesten und Unruhen Anfang Januar geäußert. Gerüchte kursierten, Nasarbajew, der 2019 das Präsidentenamt an Kassym-Schomart Tokajew übergeben hatte, sei gestorben oder habe sich ins Ausland abgesetzt wie laut Medienberichten Mitglieder seiner Familie.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Nun sagte er vor Landesflaggen, die „Ereignisse“ vom Beginn des Monats hätten das Land erschüttert. „Das Ziel der organisierten Unruhen und Angriffe auf Kasachstan war die Zerstörung der Integrität des Landes und der Grundpfeiler des Staates“, sagte Nasarbajew in der Ansprache, die auf seiner Website veröffentlicht wurde.

          Man müsse die Unabhängigkeit bewahren „wie seinen Augapfel“. Ermittlungen würden zeigen, wer „alle die Pogrome und Morde organisiert hat“. Präsident Tokajew hat die Schuld an der Gewalt „Terroristen“ gegeben, die „von außen“ gesteuert worden seien, aber keine Beweise dafür vorgelegt. Nach jüngsten Angaben sollen bei den Unruhen 227 Menschen ums Leben gekommen sein.

          Manche Beobachter verdächtigen Mitglieder von Nasarbajews Familie, die aggressiven Gruppen losgeschickt zu haben, die insbesondere in der Zwei-Millionen-Stadt Almaty die Proteste in Gewalt umschlagen ließen. Die Demonstrationen hatten sich an einer Erhöhung der Flüssiggaspreise entzündet, mündeten aber in politische Forderungen, insbesondere nach einem Rückzug Nasarbajews.

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          Viele sind der Ansicht, dass Tokajew die Lage genutzt habe, um sich der „Doppelherrschaft“, in der er Nasarbajews Juniorpartner gab, zu entledigen. Nasarbajew stellte nun nicht klar, ob er Tokajew den Vorsitz im Nationalen Sicherheitsrat, den der aktuelle Präsident am 5. Januar übernommen hatte, freiwillig überlassen hat. Er hob lediglich hervor, es gebe „keinen Konflikt und keine Auseinandersetzung in der Elite“.

          Jüngst haben Familienmitglieder Nasarbajews Posten in Staatsunternehmen und im Geheimdienst KNB verloren; über seine älteste Tochter Dariga Nasarbajewa, die einst als „Thronfolgerin“ galt, hieß es, sie müsse sich nach einer Covid-19-Erkrankung erholen und könne ihr Abgeordnetenmandat nicht wahrnehmen. Nasarbajews Botschaft könnte darauf hindeuten, dass er hinter den Kulissen erfolgreich mit Tokajew um eine Lösung gerungen hat, die seiner Familie mindestens einen Teil des riesigen Vermögens lässt und sein Andenken wahrt.

          Darauf deutete am Dienstag auch Lob aus der Machtpartei „Nur Otan“ (Strahlendes Vaterland), deren Vorsitz Tokajew übernehmen soll, für Nasarbajew hin. Er selbst gab an, „dreißig Jahre ohne Rast und Ruh im Namen unserer Heimat“ gearbeitet zu haben, und beteuerte, Tokajew verfüge über „die ganze Fülle der Macht“. Er, Nasarbajew, sei seit 2019 „Rentner“ und derzeit „im verdienten Urlaub in der Hauptstadt Kasachstans und nirgendwohin ausgereist“. Tokajew hatte die Hauptstadt in seiner ersten Amtshandlung zu Ehren Nasarbajews in Nur-Sultan (etwa: Licht-Herrscher) umbenannt.

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